Ausgabe der Kleider heimatlos

Nieder-Roden - (eh) Neue Räume für die Kleiderkammer sucht das Rote Kreuz (DRK) in Nieder-Roden. Ende März ist vorerst Schluss. Die Stadt hat dem DRK die bisherigen Räume im Erdgeschoss des Alten Rathauses gekündigt. Anfang Mai zieht dort die Freie Musikschule ein.

„Es ist das vierte Mal, dass wir umziehen“, sagt Renate Gola, die seit zwei Jahrzehnten in der Kleiderkammer mitarbeitet. An zwei Nachmittagen pro Woche können sich dort Bedürftige kostenlos mit Kleidungsstücken aus zweiter Hand versorgen. Ein Berechtigungsschein des Sozialamts gilt als Ausweis. Einige hundert Menschen nutzen dieses Angebot regelmäßig.

„Das, was jetzt geschieht, hat der Magistrat vor einem Jahr beschlossen: nämlich dass das ,Haus der Musik‘ im Wesentlichen der Musik dient“, erklärt Stadtrat Michael Schüßler als neuer Liegenschaftsdezernent der Stadt. Diese Richtung habe das Stadtparlament bereits im September 2001 vorgegeben.

Für das Rote Kreuz kommt die Kündigung nicht überraschend. Schon vor knapp einem Jahr hatte Bürgermeister Alois Schwab dem DRK eine Frist gesetzt: Bis zum 30. Juni 2008 sollte die Kleiderkammer in den Keller umziehen.

Nach Auffassung des örtlichen DRK-Vorstands ist der Keller jedoch ungeeignet. Ein schmales Kippfenster ist die einzige Lüftungsmöglichkeit. Der Aufenthalt in den feuchten und schlecht belüfteten Räumen sei für die ehrenamtlichen Helferinnen unzumutbar. Außerdem könne die Kleidung Schaden nehmen. DRK-Ortsvorsitzender Hans Liedtke: „Das ist noch nicht mal für ein Kleiderlager ausreichend.“

Seit 2003 ist der Rotkreuz-Ortsverein auf der Suche nach Ersatzräumen, wie Vorstandsmitglied Knut Werner berichtet. Mindestens 120 bis 140 Quadratmeter werden benötigt. Doch große finanzielle Sprünge kann die kleine Organisation nicht machen.

„Wir können über alles reden, aber wir brauchen die Räumlichkeiten“, sagt Stadtrat Schüßler. Auch ein Zuschuss zu den Mietkosten sei nicht ausgeschlossen. „Wir haben großes Interesse am Fortbestand der Kleiderkammer“, bekundet der Sozialdezernent: „Da geht es um Bedürftige und um sehr viel ehrenamtliches Engagement.“

Der DRK-Kreisvorstand will seinen Ortsverein in Nieder-Roden ebenfalls nicht im Regen stehen lassen, wie der stellvertretende Kreisvorsitzende Werner Schneider betont: „Wir sind interessiert daran, dass das Rote Kreuz hier mit einer Kleiderkammer ansässig bleibt. Wir möchten dieses Feld in Rodgau nicht aufgeben.“ Im Kreis Offenbach unterhalte das DRK nur noch zwei weitere solche Einrichtungen, und zwar in Langen und im Obertshausener Stadtteil Hausen.

Quelle: op-online.de

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