Puppenmama stellt aus

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Erika Rhein in ihrem Wohnzimmer mit ihrer ersten Prinzessin und dem Fotoalbum mit dem Bild, was ihr als Vorlage diente.

Jügesheim - Mit Puppen spielen kann jeder, aber in Handarbeit detailgetreue Abbilder von Menschen basteln, ist eine Kunst. Der Jügesheimerin Erika Rhein gelingt dies schon seit mehr als 20 Jahren. Von Peter Petrat

Über 100 Puppen schmücken derzeit ihr Wohnzimmer. Für die Ausstellung „Offenen Gärten“ am Sonntag, 10 bis 18 Uhr, hat sie ihre Lieblinge für Besucher in der Henri-Dunant-Straße 25 ordentlich aufgereiht. Gäste sind willkommen. Wer sich ein bisschen auskennt, der braucht bei vielen Puppen nicht auf die Namensschilder und die Fotovorlage zu schauen, denn die Ähnlichkeit ist oftmals verblüffend.

Schon als Kind war Erika Rhein von Puppen fasziniert gewesen, sie sind ihr nie ganz aus dem Kopf gegangen. Als sie später Zeit fand, begann sie mit reinen Porzellanpuppen. „Doch das war nichts für mich“, war sie sich schnell sicher. Jetzt hat sie mit den sogenannten „Schweitzer Puppen“ ihr großes Hobby gefunden.

Nach der ein oder anderen Puppe wurde es mit ihrem Handwerk richtig ernst, als Erika Rhein begann, die Rodgauer Prinzenpaare nachzubilden. Inzwischen feiert sie damit närrisches Jubiläum. 22 Jahre sind vergangen und ihre Freude daran ist ungetrübt. Sie erinnert sich noch genau an die meisten ihrer Puppenpaare und ihre ganz eigene Geschichte. Ihr erstes Prinzenpaar stammt aus der Amtszeit 1990 bis 1992 und bildet Prinzessin Steffi Colloseus und ihren inzwischen verstorbenen Mann Martin Specht ab. „Das goldene Kleid der Prinzessin hat mich so fasziniert.“

Den beiden Adeligen folgten später dann auch die Jugendprinzenpaare, für die Erika Rhein noch bis heute am meisten schwärmt. Denn die jungen Menschen würden sie besonders begeistern und jung halten.

Positive Rückmeldungen

Im Lauf der Jahre kamen noch viele andere Puppen dazu, etwa die Brautpaare zur Hochzeit ihrer beiden Enkel. Die knuffigen Kunstwerke bestehen überwiegend aus Strickstoff und haben Porzellanhände. Der Kopf ist aus Plastik, mit Stoff überzogen und bemalt. Das hält die geschickte Kunsthandwerkerin für den schwersten Teil ihrer Arbeit. Dazu kommen Accessoires wie Brillen oder Blumensträuße und natürlich die Kleidung. Jede Puppe trägt etwas anderes drunter, mal einen Unterrock, mal ein Spitzenhöschen. Das Geheimnis, warum ihre Puppen dem Original so ähnlich sehen, sei gar keines, erklärt Rhein. „Ich schaue zuerst nach der Augenfarbe, mache dann die Haare und achte einfach auf markante Merkmale.“

Einen großen Anteil dürften aber die Kleider haben, die sie ihren Puppen näht. Hatte sie anfangs nur ein Foto als Vorlage, so bringen die Prinzenpaare ihre Kleider nach der Kampagne inzwischen bei ihr vorbei. Wenn dann noch Stoffreste vom Kleid übrig geblieben sind, dann steht der großartigen Kopie nichts mehr im Wege.

„Einer der Prinzen“, erklärt sie und zeigt auf eine der Puppen, „der hat mir sogar seine Hose gebracht und gesagt, ich solle den Stoff heraus schneiden.“

Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Am liebsten würden manche Vorbilder ihre Abbilder gleich mitnehmen. Doch Erika Rheins Puppen sind unverkäuflich - immerhin stecken zwei Wochen harte Arbeit darin. Dem ein oder anderen hat sie diesen Wunsch aber trotzdem erfüllt. Wer unbedingt eine Puppe von sich haben möchte, dem fertigt sie ein Duplikat an. Die einzige Ausnahme ihrer vorbildgetreuen Nachbildungen ist das allererste Rodgauer Prinzenpaar aus dem Jahr 1947. Von Helma Subtil und August Bonifer hatte sie keine Bilder gefunden, also musste sie bei dem Paar, das sie nachträglich schneiderte, ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Erika Rhein will weitermachen, solange Augen und Fingerfertigkeit mitspielen. So hoffen nicht nur die zukünftigen Prinzenpaare, dass sie noch lange fit und gesund bleibt.

Quelle: op-online.de

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