Ausstellung „Rodgau-Art“

Begegnung mit Kunst in allen Räumen

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Ulrike Markus (Offenbach) im Inneren ihrer Installation aus Papierstreifen.

Nieder-Roden - Eine Schwarm Fische aus Lava-Gestein und Stahl, eine Höhle aus Papierstreifen und eine Gruppe hölzerner Frauen: Die Kunstausstellung „Rodgau-Art“ brachte die Besucher immer wieder ins Staunen. Von Ekkehard Wolf 

76 Künstler zeigten aktuelle Arbeiten im Bürgerhaus Nieder-Roden und der angrenzenden Sporthalle. Jeder Raum war ausgenutzt: Sogar auf der Toilette wurde man mit Kunst konfrontiert.

Die meisten Aussteller kamen aus dem Rhein-Main-Gebiet, einige auch von weiter her. Gabriele Ziegler und Martin Winter von der städtischen Agentur für Kultur, Sport und Ehrenamt hatten sich auf etlichen Kunstausstellungen der Region nach Kandidaten für die Rodgauer Schau umgesehen.

Die „Rodgau-Art“ hat sich einen so guten Ruf erarbeitet, dass Künstler sie untereinander empfehlen. Der Erfolg: Die Anzahl der Bewerbungen steigt von Jahr zu Jahr. Die Kulturagentur kann aus einem wachsenden Angebot schöpfen, hat aber auch mehr Arbeit mit der Auswahl. Jeder zweite Bewerber erhielt diesmal eine Absage. „Bei vielen hat es uns wehgetan, dass wir sie ablehnen mussten“, berichtet Martin Winter. Mehr Platz sei weder möglich noch sinnvoll. Wenn man bei jedem Künstler auch nur drei Minuten stehen bleibt, ist man schon dreieinhalb Stunden unterwegs.

Die „Rodgau-Art“ ist jedes Mal anders. In jedem Jahr sind neue Aussteller dabei (diesmal 33). Teilnehmer vom letzten Mal bekommen andere Plätze und müssen mindestens 50 Prozent neue Arbeiten mitbringen.

Im Lauf der Zeit haben sich noch weitere Regeln herausgebildet, um ein angemessenes Ambiente zu erreichen. Außer großen Skulpturen darf nichts auf den Boden gestellt werden. Staffeleien sind ebenso verpönt wie bunte Tücher auf Tischen und Stellwänden. Bilder dürfen nicht über die Stellwände hinausragen. Und: Die Aussteller müssen möglichst die ganze Zeit anwesend sein. So können Künstler und Betrachter nicht nur bei der Vernissage miteinander ins Gespräch kommen.

Das größte Kunstwerk füllte die ganze Bühne. Aus handgeschnittenen Papierstreifen hatte Ulrike Markus (28) aus Offenbach seit Montag eine begehbare Höhle aufgebaut. Drei Beamer projizierten Videocollagen auf die Innenseiten und hauchten den organischen Formen noch mehr Leben ein. Zeitweise standen die Besucher Schlange, um die Eindrücke auf sich wirken zu lassen.

Wer diese Installation nicht gesehen hat, kann sie nie wieder erleben. Die Künstlerin baut das Werk ab. Das langfaserige und beschichtete Spezialpapier lässt sich wiederverwenden. Welche Form es wohl in der nächsten Ausstellung annehmen wird?

„Raue Poesie aus dem Hirnholzherz“ zeigte Hagga Bühler aus Hafenlohr am Main, Zwei seiner Arbeiten waren für 2013 und 2016 für den europäischen Gestaltungspreis für Holzbildhauer nominiert. Gabriele Ziegler von der Kulturagentur der Stadt Rodgau hatte ihn auf einer Ausstellung in Mömlingen kennengelernt und zur „Rodgau-Art“ eingeladen.

Die „Königinnen der Scheinzeit“ von Hagga Bühler sind voller mythologischer und kulturhistorischer Anspielungen.

Bühlers Skulpturengruppe „Königinnen der Scheinzeit“ war ein Blickfang in der Sporthalle, die an das Bürgerhaus angrenzt. Die vielschichtigen Figuren, in einem Zeitraum von sieben Jahren entstanden, enthalten unter anderem Motive aus der griechischen Mythologie. „Wir müssen uns wieder auf die Antike besinnen“, meint der Künstler: „Die Menschheit hat seither nichts gelernt.“ Die spannendsten Momente seiner Arbeit sind für Bühler der Augenblick der Inspiration und wenn die entstehende Figur aus dem Holz hervortritt. Im Lauf der Zeit macht sie eine Metamorphose durch, bis sie scheinbar lebendig wird.

Der einzige Mann zwischen all den Frauenfiguren trägt den Titel „Goyamann“ und basiert auf zwei berühmten Gemälden Francisco de Goyas. Vielleicht sei diese Skulptur der Beginn einer neuen Serie, sagt Bildhauer Bühler. Der Arbeitstitel steht schon fest: „Bismarckheringe im Toten Meer“.

Der Wert von Kunst lässt sich nur schwer in Euro und Cent beziffern. Bühlers Holzskulpturen sprengten jedenfalls die übliche Versicherungssumme für die Ausstellung „Rodgau-Art“. Die Kulturagentur musste die Versicherung aufstocken – „um einen sechsstelligen Betrag“, wie Martin Winter verrät.

Spannende Begegnungen mit Kunst und Künstlern bot die „Rodgau-Art“ im Bürgerhaus Nieder-Roden. Blickfang auf der Bühne: eine Installation aus Papierstreifen.

Eine andere Überraschung ergab sich am Freitag wenige Stunden vor der Vernissage. Eine Künstlerin reiste mit relativ kleinen Bildern an, obwohl sie Großformate angekündigt hatte: „Die kleinen Bilder passten besser in mein Auto.“ Diese Begründung überzeugte die Ausstellungsmacher nicht: Die Frau fuhr nach Hause und holte ihre Großformate.

Quelle: op-online.de

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