Ein Schloss für das Wohnzimmer

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Dirk Meinhardt mit dem unvollendeten Modell von Schloss Neuschwanstein. - Foto:

Nieder-Roden - Burgen, Türme, Kastelle, Schlösser. In Obstkisten steht im Heimatmuseum Nieder Roden auf den Tischen, was eine Ausstellung werden soll. Hobby-Modellbauer Dirk Meinhardt aus Jügesheim hat rund 20 seiner selbst gebauten Schätze in die Schulstraße 32 gebracht. Von Martina Amrhein

Am nächsten Sonntag sind sie dort von 14 bis 18 Uhr kostenlos zu besichtigen. Zusammen mit Ilse Eberhardt, die im Arbeitskreis für Heimatkunde für die Ausstellungen verantwortlich ist, überlegt er nun, wie der Aufbau sinnvoll gestaltet werden kann. „Die Modelle für Kinder stellen wir am besten auf einen separaten Tisch“, entscheidet er. So wandern Hänsel und Gretel vor dem Knusperhäuschen zusammen mit weiteren Objekten auf eine separate Kommode.

Unter dem Motto „Altes Hobby neu entdeckt“ wird Meinhardt seine kunstvollen Kartonmodelle am Sonntag, 19. August, der Öffentlichkeit präsentieren. Seit Jahrzehnten geht der gebürtige Ulmbacher (Stadt Steinau an der Straße) diesem zeitintensiven Hobby nach. „Dafür eignet sich besonders der Winter, wenn es draußen nicht so viel Anderes zu tun gibt. Manchmal sehne ich diese Zeit regelrecht herbei“, bekennt der rührige 71-Jährige lachend.

Aus vorgedruckten Bögen

Aus vorgedruckten Bögen schneidet, falzt und klebt daheim in einem ehemaligen Kinderzimmer in präziser Kleinarbeit seine dreidimensionalen Nachbildungen aus Karton. Bis zu vier Wochen benötigt er für den Bau eines komplizierten Modells.

Für die Arbeit brauche es viel Geduld und eine ruhige Hand, erläutert der ehemalige technische Angestellte, der seine Freizeitbeschäftigung als sehr beruhigend empfindet. Allerdings teilt seine Frau die Leidenschaft für die „Staubfänger“ nicht, wie er schmunzelnd gesteht. Angefangen hatte alles 1953 während seiner Zeit in der Mittelschule Bad Soden-Salmünster mit „Wilhelmshavener“ Modellbaubögen. Als Ende der 1950er Jahre die Plastikmodelle von Revell aufkamen, gaben immer mehr Verlage den Kartonmodellbau auf, Meinhardt gingen die Bögen aus.

Bezugsquelle für das filigrane Arbeitsmaterial

Erst 1963 verhalf ihm ein Zufall zu einer neuen Bezugsquelle für sein filigranes Arbeitsmaterial. Im Bericht über einen Hundertjährigen erwähnte eine Frankfurter Zeitung dessen aussterbendes Hobby: den Kartonmodellbau. Von ihm erfuhr Dirk Meinhardt, wo er die so lange gesuchten Vorlagen wieder beziehen konnte. Seitdem entstanden mit Hilfe von Lineal, Schere, Messer, Pinzetten, Zahnstochern, Rundhölzern und Klebstoff zahllose Häuser, Türme, Schlösser und Burgen im Format 1:50 bis 1:250.

„Meine älteren Modelle habe ich alle irgendwann an Kinder aus der Familie und dem Freundeskreis verschenkt“, berichtet der Hobby-Baumeister, während er einen geeigneten Platz für das Römerkastell sucht. „Was ich jetzt anfertige, behalte ich aber.“

Hänsel und Gretel als Papiermodell.

Burgen und Schlösser faszinieren ihn besonders, wobei es ihm bei den Nachbauten auf detailgetreue Wiedergabe ankommt. So hat er bei einem Burgenmodell die Hersteller des Baubogens schon auf architektonische Fehler an der Nachbildung hin gewiesen. Inzwischen haben auch die Ronneburg, die Marksburg, die Götzenburg und Schloss Lichtenstein ihren Platz gefunden. Wo das 72 x 22 x 21 Zentimeter große Modell der Wartburg am besten zur Geltung kommt, müssen Meinhardt und Eberhardt noch entscheiden.

Schloss Neuschwanstein als Modell

Neben den fertigen Objekten werden auch verschiedene Kartonbauvorlagen und in Arbeit befindliche Modelle im Heimatmuseum zu sehen sein. Zum Beispiel Schloss Neuschwanstein.

Mit Bögen in vier Schwierigkeitsstufen von sehr einfach (0) bis schwierig (3) sei Kartonmodellbau etwas für jede Altersgruppe, vom Kind bis zum Senior, ist Meinhardt sicher. Man müsse nur die detaillierte Bauanleitung genau durchlesen und sich exakt daran halten. Wer zu spontan drauflos baue, könne leicht Fehler machen. „Mir ist das auch schon passiert. Ein Mal habe ich beim Modell einer Burg die vielen filigranen Gitter und Geländer allesamt ausgeschnitten und ohne nachzusehen fest geklebt. Später musste ich dann erkennen, dass das an einer Stelle falsch war. Ich konnte deshalb dort eine Wendeltreppe nicht mehr an ihrem Platz anbringen. Das ärgert mich noch heute“, gesteht er unumwunden ein.

Quelle: op-online.de

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