Blicke auf die alte Heimat

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Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen, Helmut Trageser (links) erläuterte die Fotoausstellung. Zu den Gästen gehörte auch der frühere Landrat Josef Lach (Mitte).

Jügesheim / Weiskirchen (bp/chz) - Zwei Ausstellungseröffnungen schärften am Sonntag den Blick fürs historische Rodgau. Das Heimatmuseum Jügesheim erinnert an seine Wurzeln, das 100-jährige Schwesternhaus. Weiskirchen von oben heißt es hingegen im alten Spritzenhaus.

Außer den historischen Fakten von der urkundlichen Zusage und vom Einzug der ersten Schwestern waren in Jügesheim die Organisatoren Berthold und Agnes Werner sowie Vorsitzender Josef Herbert Spahn schon vor Jahren im Bischöflichen Archiv in Mainz fündig geworden. Dazu kamen private Fotos. Neben der Kinderschule, die nicht nur Bewahranstalt war, sondern stets christlich-pädagogischen Zielen folgte, waren es zahlreiche andere Errungenschaften, die hier ihre Wiege hatten: etwa der Jungfrauenverein oder die „Industrieschule“, die junge Frauen auf einen Beruf vorbereitete. Junge Mädchen wurden in diesem Haus im christlich katholischen Sinne betreut. Und sie erfuhren viel über Hauswirtschaft und Handarbeiten, genossen aber auch christliche Beratung.

Nach der Aufstockung des Gebäudes 1925 gab es Raum für eine Zweigstelle des Borromäusvereins und damit die erste Stadtbücherei. Die Unterkellerung schaffte Platz für eine Bühne. Das wiederum stützte die schon 1914 bildlich festgehaltene Theaterarbeit, deren Ausläufer schließlich sogar zum Rodgauer Kulturpreis führten. Aus Kolpingsfamilie und Kirchenchor Cäcilia entstand später die Laienspielschar, die an Fastnacht vor vollem Haus spielte: „Wir haben hier ganze Operetten wie den „Zigeunerbaron“ aufgeführt - und alles selber gesungen!“, erinnert sich Agnes Werner, die wie Ehemann Berthold tragende Säule der Truppe war. In der Fastnachtszeit haben aber auch schon die Messdiener einen köstlichen Can Can hier getanzt und die Herren der Schöpfung Männerballett vorgeführt. „Es war eine gute Einrichtung. Ins christliche Haus durften wir auch als junge Mädchen schon hingehen, und an Fastnacht waren die Eltern selber auch da. Hier hatten vor allem die Generationen vor uns schon mehr Freiheiten, als es Frauen sonst so hatten. So sind manche Ehen hier entstanden“, schmunzelt Agnes Werner.

Luftaufnahme aus dem Jahr 1945 von Weiskirchen

Nicht ganz so weit zurück reicht die Fotoschau in Weiskirchen. Die älteste Luftaufnahme dort stammt vom 14. März 1945. US-Streitkräfte haben sie zur Luftaufklärung gemacht. Zu erkennen sind Bombentrichter im Feld nahe dem Ortskern - und die ausgebrannte Kirche. Sichtbar macht diese Vogelperspektive aber auch alte Wegebeziehungen, die heute nicht mehr bestehen. Die Besucher können mehr als 60 Fotos betrachten. „Es war schwerer als sonst, das Material zu beschaffen“, erläuterte Vereinsvorsitzender Helmut Trageser zur Eröffnung.

Ein Foto aus dem Jahr 1914 zeigt, dass im Schwesternhaus schon früh die Kultur Einzug gehalten hatte. Es zeigt die Theatergruppe des Jungfrauen- und Jungmännervereins in vollem Bühnenstaat.

Weiskirchen, wie der Kirchturmgickel es sieht, weckt auch schöne Erinnerungen. Etwa an die alte Schule im Jahr 1956 unweit dem Pfarrhaus. Zu sehen sind auch Bilder vom Bau der Schillerstraßenbrücke 1958. Diese und andere Aufnahmen dokumentieren das Wachstum des Örtchens vom verschlafenen Bauerndorf zum Stadtteil - umgeben von der lärmenden A 3 und B 45.

Quelle: op-online.de

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