Elektriker Alejandro Gomez-Gomez

Strippenzieher in der Fremde

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Alejandro Gomez-Gomez ist stolz darauf, in Deutschland zu arbeiten.

Rodgau - Mit der deutschen Sprache hapert’s zwar immer noch. Aber die Fortschritte, die Alejandro Gomez-Gomez in einem Jahr gemacht hat, sind unüberhörbar. Von Bernhard Pelka 

Im August 2013 kam der junge Spanier im Zuge eines Förderprojekts zusammen mit 43 Altersgenossen nach Hessen, um in seinem Beruf eine Chance zu haben. Die nutzt der Elektriker seither als Lehrling der Jügesheimer ELS-tec, einem Spezialanbieter für Komplettlösungen rund um Energie- und Gebäudetechnik. Ausbildungsbeauftragter Kay Purkott und Firmenchef Mirco Uglik ziehen nach zwölf Monaten Zusammenarbeit eine positive Bilanz: „Wir sind sehr zufrieden mit Alejandro und haben Respekt vor seinem Mut. “.

Mehr als die Hälfte der unter 25-Jährigen sind in Spanien arbeitslos. Eine Jugend ohne Zukunft! Das hessische Wirtschaftsministerium hatte deshalb zusammen mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main vor einem Jahr 44 junge Spanier aus der Region Madrid als Lehrlinge an Handwerksbetriebe in unserer region vermittelt. Einer davon ist Alejandro Gomez-Gomez.

Von den 44 sind noch 33 hier. Manche gingen zurück, weil sie letztlich doch einen Job in ihrer Heimat fanden. „Und bei manchen war das Herz stärker“, beschreibt Patricia C. Borna malerisch, dass das Heimweh einige Kandidaten besiegte. „Oder der Betrieb und der Azubi haben nicht zusammengepasst“, ergänzt die Sprecherin der Handwerkskammer.

Zwei Herzen in einer Brust

Zwei Herzen schlagen auch in der Brust von Alejandro Gomez-Gomez. Einerseits ist er froh, bei seinem neuen Arbeitgeber eine berufliche Perspektive gefunden zu haben. Andererseits ist er traurig, dafür seine Familie und die Freundin in Madrid zurückgelassen zu haben. „Ich wusste aber, was auf mich zukommt“, sagt der 22-Jährige in gebrochenem Deutsch. „Meine Familie und ich stehen zu dem Entschluss.“ Gerade erst verbrachte der fleißige Spanier seinen Urlaub in der Heimat. „Alle zuhause sind stolz darauf, was ich mache. Und ich bin stolz, in Deutschland zu arbeiten.“

Zufrieden ist der junge Mann insbesondere mit seinem Arbeitsplatz. Die Kollegen waren zugleich seine ersten Freunde in dem neuen Land. Daniel Meinhart, zum Beispiel. Er wird ihm jetzt noch helfen, als Hobbyfußballer beim TSV Dudenhofen Fuß zu fassen. „Ich habe dort mal gespielt und habe noch gute Kontakte“, sagt Meinhart. „Vorher geht’s aber erst mal ins Fitnessstudio.“

Gomez-Gomez trifft sich natürlich auch mit den spanischen Kollegen, die gleichzeitig mit ihm auswanderten. Und er hat inzwischen Landsleute in Rodgau kennen gelernt.

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Die Handwerkskammer betreut ihre spanischen Schützlinge über drei Jahre hinweg. Deutschkurse gehören zum Pflichtprogramm. Derzeit nimmt Alejandro Gomez-Gomez wieder für 14 Tage an einem speziellen Sprachtraining teil. Das kann nicht schaden. Denn manchmal klappt die Verständigung am Arbeitsplatz immer noch nur mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms auf dem Smartphone.

Quelle: op-online.de

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