Strandbad ist teilweise wieder geöffnet

Baden mit gemischten Gefühlen in Nieder-Roden

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Hier geht’s nicht rein: Der FKK-Strand ist vorläufig gesperrt. Dadurch will die Stadt erreichen, dass eine mögliche Leichenbergung ohne größeres Aufsehen vonstattengeht.

Nieder-Roden - Seit gestern ist das Strandbad wieder geöffnet, obwohl im See vermutlich eine Tote liegt. In der ersten Stunde wurden 96 Badegäste gezählt – für einen Mittwochmittag eine übliche Zahl. Von Ekkehard Wolf 

FKK-Besucher bedauern, dass ihr bevorzugter Strandabschnitt noch gesperrt ist. Als das Eingangstor um 12 Uhr aufgeschlossen wird, warten bereits sechs Badegäste. Presse, Hörfunk und Fernsehen sind vor Ort. Eine Besucherin aus Neu-Isenburg kehrt um, als sie hört, dass der FKK-Strand nicht zugänglich ist. Auch die Schwimmzone ist kleiner als sonst. Eine 100 Meter lange Leine versperrt die Wasserfläche vor dem FKK-Strand. Dahinter vermutet die Stadt den Leichnam der 64-jährigen Jügesheimerin, die seit einer Woche vermisst wird.

„Wir haben die Öffnung bewusst auf den Mittwochmittag gelegt, damit die Mitarbeiter langsam wieder in den Alltag hineinkommen“, sagt Klaus Barthelmes, der Leiter des zuständigen Fachdienstes im Rathaus. Nach der langen Vermisstensuche sei das nicht einfach. Die Nachfrage seitens der Badegäste sei hoch. Allein am Montag hätten mehr als 360 Anrufer gefragt, wann der See wieder freigegeben werde.

Mulmiges Gefühl

Viele Besucher haben Gesprächsbedarf. Mitarbeiter der Stadtverwaltung stehen ihnen Rede und Antwort. Sie nehmen auch Telefonanrufe entgegen, um die Schwimmmeister zu entlasten. Wie fühlen sich Badegäste nach dem tragischen Ereignis? Ein bisschen seltsam sei es schon, sagt Melina Piesker aus Rödermark. Dennoch wolle sie die Sonne genießen. Anton Zvilic aus Offenbach sieht die Lage pragmatisch: „Wir wollen nur Sonne tanken. Warum sollen wir uns große Gedanken machen? Was passiert ist, ist passiert. Ändern kann es keiner.“

Von einem mulmigen Gefühl spricht Hans-Günter Tost aus Rödermark. „In 30 Jahren habe ich genug Tote gesehen, die man rausgefischt hat. Das ist nie schön.“ Der aktuelle Fall geht ihm nahe, weil er die Vermisste vom FKK-Strand kennt. Sie sei eine gute Schwimmerin: „Sie ist immer die große Runde geschwommen.“ Nun sei es wichtig, „dass sie gefunden wird und dass geklärt wird, was passiert ist“, damit wieder Normalität einkehre. In diesem Moment kommt eine Frau im orangefarbenen Bikini vorbei, die ebenfalls gern hüllenlos badet: „Wir sind alle auf der falschen Seite“, meint sie.

Hier suchen Taucher nach dem vermissten HSV-Manager

Kritik an der Entscheidung der Stadt übt Uwe Hauschild aus Rödermark: „Entweder man lässt den See zu oder man macht ihn auf. Aber halb-halb geht nicht.“ Er jedenfalls werde nicht ins Wasser gehen. „Es graust mich“, sagt Albert Koch (66) aus Kriftel, ein weiterer FKK-Stammgast. Er kannte die Vermisste ebenfalls. Im Gegensatz zu wilden Badestellen zeichne sich das Strandbad durch eine familiäre Atmosphäre aus. Die FKK-Gäste fühlten sich als Gemeinschaft. „Wenn hier ein Kondolenzbuch läge, würde ich mich eintragen“, sagt Albert Koch: „Ich würde auch zur Beerdigung gehen.“

Nicht alle Besucher sind so auskunftsfreudig. „Ich möchte mich dazu nicht äußern“, lehnt eine Dame freundlich ab. Dann kommt eine gut 30-köpfige Pfadfindergruppe aus der Nähe von Aschaffenburg. Als sich der Reporter vorstellt, platzt ein Mädchen heraus: „Es reicht jetzt endlich mal mit den Interviews. Das ist echt nervig.“

Quelle: op-online.de

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