Vom Baggersee zum Freizeitparadies

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In kurzen Hosen posierte die Badeaufsicht im ersten Strandbad-Sommer fürs Pressefoto. Der Wachpavillon im Hintergrund thronte über dem ansonsten kahlen Badestrand.

Nieder-Roden - Dem Bau-Boom der 1970er Jahre hat Rodgau sein Strandbad zu verdanken. Die Baustoffe der Wohnblocks und Reihenhäuser kamen zum großen Teil aus unmittelbarer Nähe: Während die Häuser des Siedlungswerks in die Höhe wuchsen, wurde der Baggersee größer und tiefer. Von Ekkehard Wolf

Im Vergleich zu heute war das Strandbad in der ersten Saison 1977 spartanisch ausgestattet. Der Wachpavillon aus drei sechseckigen Gebäuden stand zwar bereits, aber das Gelände war noch kahl: keine Bäume, keine Büsche, nur mageres Gras und Sand. Ein Sichtschutzzaun grenzte den FKK-Strand ab, der einzige Durchgang befand sich am Ufer: Wer auf die andere Seite wollte, musste fast durchs Wasser waten.

Jetzt sorgt eine Bewässerungsanlage auch im Hochsommer für sattgrünen Rasen, der FKK-Bereich mit seinem Baumbestand wirkt wie ein kleiner Park. Seit einer umfangreichen Erweiterung in den Jahren 2000 bis 2002 bietet das Strandbad mehr als Sonne, Sand und Wasser. Auf Kosten des damaligen Umlandverbandes wurden zunächst Spielfelder für Beachvolleyball und eine Skater-Bahn angelegt. Dann kamen eine größere Badeinsel mit Baum und ein Wasserspielplatz dazu. Der damalige Bürgermeister Thomas Przibilla hatte mit dem Umlandverband eine raffinierte Finanzierung ausgehandelt: Jede Seite sollte die Hälfte bezahlen, dabei wurden der Stadt aber alle Investitionen seit 1977 als Vorleistung gutgeschrieben. Im Endeffekt bezahlte sie nichts.

Einmalig in der Region war und ist der schwimmende Sprungturm, der 2001 in Betrieb ging. Seit 2007 dient er nur noch als Zierde, weil er wegen technischer Mängel gesperrt ist. Im Jahr zuvor war er nur an zwölf Tagen freigegeben worden. Gesundheitliche Bedenken waren der Grund: Beim Sprung in den vermeintlich warmen See taucht man oft bis in kalte Wasserschichten hinab. Der Temperatursturz gilt als Risiko für Herz und Kreislauf.

Nicht alle Zusatzangebote, mit denen der Umlandverband vor einigen Jahren das Strandbad aufpeppen wollte, wurden in Rodgau mit Beifall quittiert. Einen speziellen Bereich für Surfer lehnte das Stadtparlament ebenso ab wie eine Wasserskianlage.

Die künftige Entwicklung des Strandbades ist offen, seit zwei Jahren wartet das Stadtparlament auf ein Gesamtkonzept. Absehbar ist nur, dass die Zeit der kostenlosen Parkplätze zu Ende geht.

Quelle: op-online.de

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