14 Jahre Stillstand haben ein Ende

Bahnhofsuhr tickt wieder

+
Funkgenaue Uhrzeit am Bahnhof Jügesheim: Die alte Uhr an der Fassade geht jetzt wieder.

Jügesheim - Ein ärgerliches Kuriosum am Bahnhof in Jügesheim hat endlich ein Ende. 14 Jahre nachdem die Bahnhofsuhr stehen geblieben war, tickt sie wieder.

Und das sogar supergenau, denn sie richtet sich nach dem Funksignal DCF77 der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, das der Sender Mainhausen in die ganze Republik hinaus schickt. Es hat mehrerer Anläufe bis zu diesem erfreulichen Ende bedurft. Viele Bürger stießen sich an der Unzulänglichkeit, machten darauf unter anderem in Leserbriefen und Berichten in unserer Zeitung aufmerksam. Aber die dickfellige Bahn juckte das nicht. Sie ließ die Uhr zusammen mit dem bis auf eine Wohnung leer stehenden Bahnhof verkommen. Unter den Beschwerdeführern war zum Beispiel Anwohner Hugo Schlee. Er hatte sich sogar genau notiert, wann die Uhr stehen geblieben war: um 7.17 Uhr am 13. Dezember 2003. Das war einen Tag, bevor die S-Bahn in Rodgau an den Start ging.

Zum zehnten Jahrestag des S-Bahn-Starts boten sich dann Horst Günther und Eduard Dutiné aus Babenhausen und Urberach 2013 an, das aus den 60-er Jahren stammende Teil zu reparieren. Die Uhr ist ein Produkt ihres früheren Arbeitgebers Telefonbau und Normalzeit (TN) in Urberach, Günther hatte noch Originalersatzteile.

Zu dieser Reparaturaktion kam es allerdings nie. Das lag auch am häufigen Besitzerwechsel. Denn die Bahn hatte den Bahnhof inzwischen verkauft.

Erst Hülya Özer und ihre Familie aus Weiskirchen nahmen das Projekt wieder kraftvoll in Angriff. Sie kauften den Bahnhof, sanierten ihn unter Einbeziehung der alten Bausubstanz äußerst geschmackvoll und errichteten einen Anbau.

Vor einem Jahr schließlich eröffnete Geschäftsfrau Hülya Özer in dem Gebäude ihr Café/Bistro „Gleis 3“. Zum Einjährigen ließ sie die alte Uhr an der Front des Backsteinbaus jetzt reparieren.

Fotos zum Rodgauer Seniorentag

Entscheidend helfen konnte dabei Kai-Uwe Werner. Der Lokführer aus Babenhausen ist leidenschaftlicher Eisenbahner, interessiert sich als Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins für Historie und restauriert in seiner Freizeit Bahnhofsuhren. Ihm war in einer Werbung des „Gleis 3“ auf Facebook aufgefallen, dass das Jügesheimer Exemplar kaputt war. Schnell nahm er zu Hülya Özer Kontakt auf. Knapp sieben Wochen bastelte der Fachmann an dem alten Stück. Dabei blieben das Gehäuse, die Zeiger, das Ziffernblatt, das Nebenuhrwerk und ein Vorschaltgerät im Original erhalten. Die Elektronik wurde allerdings komplett neu aufgebaut. Eingebunden war auch der Rodgauer S-Bahn-Experte Hans-Peter Fuchs.

Hülya Özer hat ihre Entscheidung nicht bereut. „Ich werde oft auf die Uhr angesprochen. Alle sind froh, dass sie wieder funktioniert.“ (bp)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare