Der Barde aus Berlin nimmt Abschied

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Nobi Goergen in Aktion.

Jügesheim ‐ Mitglied bei „En Haufe Leut“, Mitgründer der Giesemer Strohplatte mit Gerald Brehler, Garagensänger mit Präsident Willi Colloseus, Rodgau-Prinz 2004/05 gemeinsam mit Anja Roth als Prinzessin: Norbert („Nobi“) Goergens närrisches Engagement kennt viele Facetten. Wir haben mit ihm gesprichen. Von Bernhard Pelka

Nach fast 30 Bühnenjahren beginnt heute Abend mit dem Auftritt während der Galasitzung der TGS Ihre letzte Kampagne als Barde aus Berlin. Weshalb der Abschied von der Bühne? Ist der Protokoller amtsmüde?

Ich habe es aktuell mit einem bunten Mix aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen zu tun. Hinzu kommt, dass mich die ein oder andere körperliche Einschränkung auf der Gitarre in Tonarten zwingt, die das musikalische Empfinden des Barden stören. Nun hat der Barde schon immer schief gesungen, aber ich kann es ja heute verraten: es war Absicht! Zudem habe ich die Hoffnung, dass sich meine Frau und meine Kinder freuen, wenn ich öfter zuhause bin.

Immer haben Sie die Politik aufs Korn genommen. Sind sie selbst ein politischer Mensch oder sind Politiker eben nur eine leichte Beute für Pointen?

Natürlich verlangt der Barde aus Berlin nach einem Interpreten, der sich für Politik interessiert. Sonst würden das Texten, das Aussuchen von Musik und der passende Zuschnitt nicht gelingen. Im besten demokratischen Sinne sehe ich mich auch als politischen Menschen. „Toleranz gegenüber Intoleranten ist Dummheit“ - dieser Spruch aus dem Gemeinschaftskundeunterricht im Jahr 1976 prägt mich bis heute - als freigestellten Betriebsrat ebenso wie in der Figur des Barden. Warum Politiker mir den Beutefang so leicht gemacht haben, kann ich leider nicht sagen. Ich hätte es aber auch gerne gewusst.

Welchen Politiker haben Sie am liebsten auf die Schippe genommen, welcher war der ergiebigste und warum?

Sie sind mir alle lieb, obwohl ich zugeben muss, dass es schon die ein oder andere ergiebige Figur gibt, je nach Bedeutung und Körperumfang. Jemanden herauszuheben wäre sicherlich falsch.

Ihre Markenzeichen, die Gitarre und die markanten Socken, bekommen die jetzt einen Ehrenplatz?

Die Gitarre bekommt keinen Ehrenplatz. Dann hinge sie in einer Vitrine. Instrumente muss man in den Alltag integrieren, so gut es geht. Das gilt auch für Socken. Für meine aktuelle Strumpfmode ist Ex-Prinzessin Anja II. verantwortlich. Davor war es ein Paar aus der falschen Schublade. Leider sind Ringelsocken noch nicht im normalen Büroalltag angekommen. Es lohnte vielleicht einen ehrenwerten Kampf, den aber der TGS-Nachwuchs führen muss. Ich bin mir sicher, es wird ihm gelingen. Ich gebe aber zu: die Vorstellung einer Socken-Vitrine gefällt mir. Am besten im Eingangsbereich.

Worüber können Sie persönlich am meisten lachen?

Über mich. Wenn man Zeit hat, sich den Luxus zu gönnen sich einmal selbst zuzusehen - haben Sie nicht morgens im Bad auch schon probiert das Handtuch mit extrem krummen Zehen aufzuheben, nur um sich nicht bücken zu müssen? Aber ich gebe es zu: schon kurz danach folgt in meiner Hitliste politisches Kabarett.

Wird man Nobi Goergen in der Giesemer Fastnacht künftig in einer anderen Rolle erleben oder ist wirklich Schluss?

Ich bin so vom „Virus Giesem“ infiziert, dass an einen Schlussstrich überhaupt nicht zu denken ist. Ich leihe gerne den Musikgruppen der TGS-Fastnacht mein Ohr und kann mir auch vorstellen, ein Sitzungsprogramm von hinten - also aus der Sicht eines Elfers - zu betrachten. Sag‘ da noch einer, es gäbe im Alter keine neuen Perspektiven. Das ist ja das Schöne an der Giesemer Fastnacht, wie sie in meinem Verein gelebt wird. Da ist für jeden was dabei, selbst für mich.

Quelle: op-online.de

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