Baubeginn nach 18 Jahren

Weiskirchen - (eh) 18 Jahre nach dem ersten Antrag und nach vier Gerichtsprozessen kann die Turngemeinde Weiskirchen nun ihre Sportanlagen an der Jahnstraße erweitern. Der Verein verlängert seine Schießbahn von 25 auf 50 Meter und baut einen dritten Tennisplatz.

Der klagefreudige Nachbar kann sich darüber nicht mehr ärgern: Er ist seit einigen Jahren tot.

Aus Angst vor Lärmbelästigung durch die Knallerei hatte der Anwohner zuerst gegen den Neubau und dann gegen die bestehende Anlage geklagt: „Dass hier ein Schießstand ist, hat er erst erfahren, nachdem wir den Antrag auf einen neuen Schießstand gestellt hatten“, erinnert sich Vereinsvorsitzender Albert Ricker.

Nicht nur langwierige Rechtsstreite verzögerten das Projekt. Auch die Baugenehmigung war eines Tages abgelaufen, nachdem sie drei Mal verlängert worden war. „Zum Schluss hat uns noch die Politik einen Strich durch die Rechnung gemacht“, so Ricker: Als der Verein letztes Jahr bauen wollte, gab es keinen Landeszuschuss wegen der Haushaltssperre.

Seit Donnerstag hat die TG Weiskirchen drei Zuschussbescheide in der Hand: 40 000 Euro vom Land Hessen, 21 338 Euro vom Kreis Offenbach und - der größte Anteil - 85 354,70 Euro von der Stadt Rodgau. „Wir wissen, was uns die Vereine wert sind“, betonte Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul. Die Turngemeinde habe „besonderen Mut bewiesen“, lobte Prof. Heinz Zielinski, der Sport-Abteilungsleiter im hessischen Innenministerium.

Trotz warmer Worte und staatlicher Zuschüsse müssen die 350 Mitglieder die Hälfte der Baukosten selbst aufbringen. „Die Förderung bezieht sich auf die alte Bausumme“, sagt TG-Geschäftsführer Roman Müller. Aus den 200 000 Mark, mit denen der Verein 1991 gerechnet hatte, sind rund 300 000 Euro geworden.

Mit dem Geld in der Hand will der Vorstand nicht länger warten. „Der Architekt steht in den Startlöchern“, sagt Albert Ricker. Für nächste Woche sei die Auftragsvergabe geplant. Bis Jahresende soll der Schießstand fertig sein, im Frühjahr dann auch der darüber liegende Tennisplatz.

Mit einem verballhornten Sprichwort brachte Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel die Lage auf den Punkt: „Was endlich wird, wird gut.“

Quelle: op-online.de

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