Bauern fordern Schadenersatz

Rodgau - (bp) Der Ton zwischen den Rodgauer Landwirten und der Energie-Service Mühlheim GmbH (ESM) wird schärfer. Die Dudenhöfer Ortslandwirtin Beate Mahr wirft nach dem Scheitern der ESM-Biogasanlage den Projektbetreibern vor, die Bauern als Geschäftspartner nicht ernst zu nehmen. „Man ist zu keinen persönlichen Gesprächen mehr bereit. Stattdessen verschickt man Briefe.

Wir fühlen uns verarscht“, sagt Mahr wütend.

Allein in Rodgau hatten fünf Landwirte ihre Betriebe auf die Anlieferung von Substrat für die Biogasanlage neu ausgerichtet, teures Saatgut gekauft und die Fruchtfolge auf ihren Feldern geändert. Dieses Rad lässt sich jetzt nicht so einfach zurückdrehen. Nach dem Aus der Mühlheimer Neubaupläne fürchten die Bauern immensen wirtschaftlichen Schaden.

Sogar ein Zwischenlager für Substrat zur Vergärung in der Anlage war in Rodgau angedacht, dann aber verworfen worden. Es sollte jenseits der B 45 am Jügesheimer Gewerbegebiet gebaut werden.

„Mittlerweile steht für uns fest, dass mit uns ein falsches Spiel gespielt wurde“, ist Mahr verärgert. „Voraussetzungen die uns zum Vertragsabschluss bewegten, konnte oder wollte man nicht einhalten - und jetzt stehen wir vor einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen, für den die ESM verantwortlich ist.“ Das Argument der ESM, die Anlage lasse sich wegen der gefallenen Gaspreise nicht realisieren, sei „an den Haaren herbeigezogen“. Denn selbst auf ihrer eigenen Internetseite werbe die Firma damit, dass „der Preis für Biogas abgekoppelt vom Öl- und Erdgaspreis“ ist. Mehrfach habe das Unternehmen die Landwirte bereits in der Planungsphase vor den Kopf gestoßen:

 Das einst für Rodgau geplante Zwischenlager sollte plötzlich in Mühlheim entstehen;

 Dies auch noch in „total veralteter Technik“ als Hochsilo;

 Schließlich am 27. Februar die Mitteilung, dass alle Neubaupläne gestoppt seien.

Es komme nun nicht in Frage, dass die ESM die bestehenden Verträge „ohne Schadenersatz“ auflöse. Das Argument, die Geschäftsgrundlage habe sich wegen der gefallenen Gaspreise geändert, wollen die Landwirte nicht akzeptieren. Eine Vertragsaufhebung komme nur bei gegenseitigem Einvernehmen „und unter Anerkennung von Ersatzansprüchen der Substratlieferanten durch die ESM“ in Frage. Auch der Weiterverkauf des Substrats an Dritte bedürfe der Zustimmung der Erzeuger.

Beate Mahr stellt bedauernd fest, dass sich die Landwirte mit dem vorgestellten Konzept identifiziert und viel Arbeit investiert hätten. Schließlich passe „der Wirtschaftskreislauf der Biogasanlage hervorragend zu einer nachhaltigen Landbewirtschaftung, wie sie die Landwirte anstreben“.

Quelle: op-online.de

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