Baumängel in neuen Sozialwohnungen

Wasser läuft durch Decke und Wände

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Problemfall Neubau: Während der Generalunternehmer weit über 1000 Positionen aufgelistet hat, die er nachträglich bezahlt haben möchte, hält die Stadt ihm zahlreiche Baumängel vor. Der krasseste Fall ist jetzt der Wasserschaden. Auch der Türöffner im Hinterhaus zickt seit Monaten. Manche Mieter behelfen sich damit, dass sie die Schlüssel herunterwerfen, sobald jemand klingelt.

Rodgau - Die 20 neuen städtischen Sozialwohnungen in Jügesheim sind langsam ein Problem. Nicht nur, dass die Stadt mit dem Generalunternehmer über dessen Nachforderungen in Höhe von fast einer halben Million Euro streitet. Überdies werden immer mehr Baumängel offenkundig.

Jetzt sollen eine 85-Jährige Mieterin und ihr an Demenz erkrankter Mann wegen eines kaputten Wasserrohrs ihre Wohnung in dem Objekt vorübergehend verlassen und ins Gretel-Egner-Pflegeheim ziehen. Dabei waren beide gerade erst eingezogen. Dorothea Schäferhoff ist verzweifelt. Sie hatte sich so sehr auf die barrierefreie Dachwohnung in dem Komplex an der Ludwigstraße gefreut. Ihr Mann war vor dem Umzug am 10. September schließlich schon zweimal die Treppe im Reihenhaus in Jügesheim heruntergefallen. „In unserem Haus ging das nicht mehr. Die neue Wohnung sollte unser Leben erleichtern. Und jetzt das“, ist die ehemalige Studienrätin entsetzt. Vermutlich ist in ihrem Bad ein Abwasserrohr undicht. Seit die resolute Frau die Wohnung bezogen hat, gibt es jedenfalls in anderen Wohnungen unter ihr Wasserschäden.

Erster Stadtrat Michael Schüßler hat sich den Schaden am Dienstag angesehen. Im Schlepptau hatte er bei dem Ortstermin den Vorstandsvorsitzenden des Generalunternehmers, der das Objekt errichtet hat. „Wir wollten eigentlich nur Gespräche darüber führen, ob und wie wir uns in der Frage der Nachforderungen annähern könnten. Dann habe ich den Mann aber gleich mit in die Wohnung von Frau Schäferhoff genommen.“

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Handwerker brachen dort auf der Suche nach dem Leck Trockenbauwände auf. Die Männer wurden aber nicht fündig. Also wurde das Wasser in der Wohnung bis auf eine einzige Zapfstelle in der Küche abgestellt. Nix Dusche! Jetzt soll ein Gutachter die weitere Vorgehensweise klären. Einen Zeitplan konnte Stadtrat Schüßler gestern nicht nennen. „Wir tun alles, um die wirklich böse Situation abzufedern. Das tut uns und dem Bauunternehmer unendlich leid. Aber mehr, als einen Umzug ins Gretel-Egner-Haus anzubieten, können wir nicht tun.“

Schüßler versteht die Wut und Verzweiflung von Dorothea Schäferhoff. Die frühere Berufsschullehrerin ist in einer schlimmen Zwangslage. Sie möchte ihren Mann nicht ins Egner-Haus geben, weil er dort zeitweise alleine sein könnte. „Er ist dort zwar zweimal die Woche in der Betreuung. Er kann aber auch nachts nicht alleine bleiben. Er läuft weg.“ Andererseits will die energische Pensionärin die gerade picobello herausgeputzte neue Wohnung den Handwerkern nicht ohne Kontrolle überlassen.

bp

Quelle: op-online.de

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