Baumgräber jetzt auch in Rodgau

Letzte Ruhe zwischen Baumwurzeln

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Christina Breuninger von der Friedhofsverwaltung der Stadtwerke erläutert die Skulptur „Übergang“ von Klaus Güß (Kassel). Mit im Bild (von rechts): Bürgermeister Jürgen Hoffmann, Erster Stadtrat Michael Schüßler und Kulturdezernent Winno Sahm (verdeckt).

Rodgau - Bestattungen unter Bäumen sind jetzt auch in Rodgau möglich. Auf dem Friedhof Nieder-Roden und auf dem Waldfriedhof Jügesheim haben die Stadtwerke eigene Gräberfelder dafür angelegt. Ein paar junge Bäume ergänzen den alten Baumbestand.

Die Stadtwerke kommen damit einer steigenden Nachfrage nach. „Wir haben jährlich 40 bis 50 Anfragen nach Baumgräbern“, berichtet Christina Breuninger von der Friedhofverwaltung. Bisher mussten Hinterbliebene mit diesem Bestattungswunsch in andere Orte ausweichen, zum Beispiel nach Dietzenbach; dort betreibt die Friedwald GmbH seit 2015 einen Bestattungswald.

Als Alternative dazu bietet Rodgau eine eigene Lösung an. „Wir möchten den Menschen ermöglichen, die für sie adäquate Bestattungsform dort zu finden, wo sie zu Hause waren“, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Die Rodgauer Friedhöfe hätten sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Man sehe, dass die Mitarbeiter mit Leidenschaft bei der Arbeit seien. Nach dem Verständnis der Stadtwerke seien die Friedhöfe „auch Aufenthalts- und Lebensräume“, sagt Betriebsleiter Dieter Lindauer.

 Der Leitgedanke der Baumbestattung ist, dass die Asche der Verstorbenen die Wurzeln des Baumes erreicht. Die Vorstellung, dass die Asche so wieder ein Teil des Lebenszyklus wird, hat für viele Menschen etwas Tröstliches. Die Asche wird in biologisch abbaubaren Urnen beigesetzt, die sich innerhalb von drei bis fünf Jahren zersetzen. An einer Gedenksäule aus wetterfestem Baustahl (Cor-Ten-Stahl) bringt die Friedhofsverwaltung auf Wunsch kleine Namentafeln mit den Lebens- und Sterbedaten der Verstorbenen an.

Die Baumgrabfläche in Nieder-Roden (300 Quadratmeter) ist in einen alten Baumbestand mit stattlichen Bäumen eingebettet. Eine mehrstämmige Linde und drei junge Ahornbäume werden zunächst als Baumgrabstätten angeboten. Bis zu 120 Urnen können beigesetzt werden. Mehrere Fichten in der Nähe sind als Erweiterungsfläche gedacht.

Auf dem Waldfriedhof stehen 500 Quadratmeter zur Verfügung, die überwiegend mit Kiefern bestanden sind. Neben zehn Kiefern wurden drei Eichen als Baumgrabstätten ausgewählt. Eine Dreiergruppe aus Ahornbäumen sowie zwei Rotbuchen und eine Blutbuche ergänzen sie. Der Platz reicht für etwa 400 Beisetzungen.

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Aus wetterfestem Stahl ist auch die neue Gedenkskulptur in der Gemeinschaftsgrabanlage in Nieder-Roden. Im Lauf der Zeit wird sie eine schützende Rostschicht entwickeln. Nur die golden patinierten Schnittkanten behalten ihre Farbe . Das Auftragswerk des Künstlers Klaus Güß (Kassel) trägt den Titel „Übergang“. Die Skulptur besteht aus einer drei Meter hohen Stahlplatte, aus der zwei Figuren eines menschlichen Umrisses herausgelasert wurden. So entsteht der Eindruck eines Tores; auf der einen Seite ist ein Mensch zu erkennen, auf der anderen Seite der Umriss des Menschen. Das erlaubt viele Interpretationen, zum Beispiel den Übergang, die Seele, die Erinnerung oder den Prozess der Vergänglichkeit. Das Tor wird so zum Symbol des Übergangs in einen jenseitigen, ewigen Zustand.

Die „transitorische Skulptur“ greife die uralte Todesvorstellung vom Diesseits und vom Jenseits auf, erklärt der städtische Kulturdezernent Winno Sahm: „Das ist hier sehr schön anschaulich gemacht.“

Wie sich die Bestattungskultur wandelt, lässt sich auf den Rodgauer Friedhöfen gut sehen. Seit fünf Jahren gibt es in jedem Stadtteil eine Gemeinschaftsgrabanlage, deren Pflege bereits in der Friedhofsgebühr enthalten ist. Die Angehörigen haben damit keine Arbeit. Die Gemeinschaftsanlagen sind so gefragt, dass sie bereits erweitert wurden – allein in Nieder-Roden zweimal. (eh)

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Quelle: op-online.de

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