Bauschutt und Klo vor der Tür

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Axel Gehrig präsentiert Rodgaus wahrscheinlich unbeliebtestes Baudepot.

Nieder-Roden - (fma) „Heiliger St. Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ and‘re an“: Wie viel Wahrheit mitunter in dieser Redensart steckt, beweist der Ärger um ein Baudepot in der Erfurter Straße.

Seit einem Dreivierteljahr lagert eine Baufirma Werkzeuge und Material mitten im Wohngebiet. Die Anwohner finden das gar nicht komisch und wollen, dass es verlegt wird. Die Stadt wirbt dagegen um Verständnis und Geduld.

Axel Gehrig trifft es besonders hart, denn das Depot befindet sich direkt vor seiner Haustür. „Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nichts als Bauschutt und Gerümpel“,ärgert er sich. Zudem seien durch das Depot zahlreiche Parkplätze verloren gegangen. Auch andere Anwohner klagen über das Lager: „Alles liegt kreuz und quer wie auf einer Müllhalde, und im Sommer haben die Dixi-Klos schrecklich gestunken“,sagt Rolf Rümenapp, der direkt gegenüber dem Ärgernis wohnt.

„Wir wurden nicht einmal über die Einrichtung des Lagers informiert“,schildert Axel Gehrig weiter. Nur auf Nachfrage bei den Arbeitern sickere immer mal wieder ein genaueres Enddatum durch, „das sich aber immer wieder verzögert“,wie Friedrich-Wilhelm Bürger, ein weiterer Anwohner, hinzufügt. Die Forderung der Betroffenen ist klar: „Das Depot soll verlegt werden, denn es wird ja nicht mal mehr bei uns in der Straße gebaut“,so Gehrig.

Die Bürger liegen richtig: Die eigentliche Baustelle befindet sich einige hundert Meter weiter in der Potsdamer Straße. „In den vergangenen Monaten haben wir aber zahlreiche Baumaßnahmen im umliegenden Gebiet getroffen, so dass der jetzige Depotort mit seiner zentralen Lage ideal war“,erklärt Erste Stadträtin Hildegard Ripper auf Anfrage unserer Zeitung. „Das ist zwar ärgerlich für die Anlieger, aber es wäre einfach zu teuer, für jede neue Baustelle ein Depot anzulegen.“Zudem würde der Umzug der Sammelstelle auf den Unmut anderer Bürger treffen - man verlagere also lediglich, getreu dem Floriansprinzip, das Problem.

Die Verzögerungen erklärt Manfred Wasserek, Sachgebietsleiter Kanal bei den Stadtwerken, so: „Durch den harten Winter konnten die Arbeiter lange nicht arbeiten, außerdem ist vor zwei Wochen eine Wasserleitung in der Potsdamer Straße geplatzt.“Diese sei derart ungünstig gelegt worden, dass sie nun an anderer Stelle eingebettet werden müsse. Im Juni sollen die Arbeiten dann beendet sein. Bleibt nur noch eine Frage: Warum wurden die Bürger nicht über das Vorgehen informiert?„Wir haben die von den Baumaßnahmen betroffenen Anlieger benachrichtigt“,sagt Wasserek. Das Problem: Ausschließlich Anwohner der Potsdamer Straße erreichte die Mitteilung, denn die Suche nach einem Lagerplatz obliegt der zuständigen Baufirma, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht feststand. Das Bauunternehmen fragt schließlich beim Ordnungsamt nach einer geeigneten Fläche in unmittelbarer Umgebung. „Das Ordnungsamt wiederum benachrichtigt die Anwohner nur bei größeren Baustellen“,so der Sachgebietsleiter.

Der Schwarze Peter traf also die Herren Gehrig, Rümenapp und Co. Nur können die nicht die Spielkarte an ihren linken Mitspieler weitergeben, so dass bis Juni viel Geduld gefragt sein wird. Da kann auch der heilige Florian nicht weiterhelfen.

Quelle: op-online.de

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