Seit 1954 schon mehr als sechs Milliarden Steine produziert

Sommerloch: Baustoffwerke graben Rodgaus größtes Loch

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Baustoffwerke-Chef Rudolf Dombrink (links) und Betriebsratsvorsitzender Walter Kolb (rechts) bauen auf Sand.

Dudenhofen - Rodgaus größtes Loch baggern derzeit die Rodgauer Baustoffwerke. Der ohnehin 20 Hektar große Kiessee im Wald zwischen Dudenhofen und Babenhausen darf auf 35 Hektar wachsen. So hat das Regierungspräsidium Darmstadt es genehmigt. Von Bernhard Pelka

Blick übers Förderband mit Sand auf den gigantischen Auskiesungssee im Dudenhöfer Wald.

Seit Februar läuft die Erweiterung der Auskiesungsfläche. Sandberge, so hoch wie Häuser. Dazwischen Förderbänder, die unablässig Kies transportieren. Große Lkw laden das Material gleich tonnenweise. In den Baustoffwerken dient der Sand der Herstellung von Kalksandsteinen und Porenbeton. Seit 1954 produziert das Unternehmen am aktuellen Standort. Der wächst in den nächsten Jahren beträchtlich. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat einer Erweiterung der Auskiesungsfläche auf 55 Hektar zugestimmt. Das sichert die Sandversorgung für die nächsten 30 Jahre und entspricht etwa einer Verdoppelung der bisherigen Fläche. Der Abbau wandert Richtung Nieder-Roden. Parallel dazu wird der bisherige See im Zuge der Rekultivierung Stück für Stück verfüllt mit Material aus der Grube selbst. In den neuen Abschnitten beutet ein Baggerschiff den Bodenschatz bis in 20 Meter Tiefe aus. Tiefer unten befindet sich eine Lehmschicht, die unberührt bleibt.

Seit 1954 baut der Betrieb im Dudenhöfer Wald Sand ab, zunächst nur im Tagebau, ab 1992 dann auch im Nassabbau – also im Wasser. Schon immer erfüllen die Baustoffwerke strenge Natur- und Umweltschutzauflagen. Rodungen beeinträchtigen den Lebensraum bestimmter Fledermausarten. Dafür wird Ausgleich geschaffen. Oder für Frösche und seltene Pflanzen wie das doldige Winterlieb. Das ist eine sehr rare Pflanzenart aus der Familie der Heidekrautgewächse. Fachbüros begleiten und überwachen diese Maßnahmen. Etwa auch die Erfüllung der 1:1-Wiederaufforstungsverpflichtung.

Der aktuelle Bauboom heizt die Produktion in den Brennkesseln der Baustoffwerke an. Im vergangenen Oktober feierte die Belegschaft die Produktion des sechsmilliardsten Steins. „2016 war ein Rekordjahr – was die Stadt Rodgau unter anderem auch an der Gewerbesteuer bemerken wird“, zieht Geschäftsführer Rudolf Dombrink Bilanz. Bis 2020 erwartet er „Stabilität“. Der Trend gehe eindeutig hin zum Geschosswohnungsbau. Kalksandstein sei auch hierfür wegen seiner hervorragenden Eigenschaften beim Schallschutz „erste Wahl“. Außerdem könnten Bauträger damit wegen ausgezeichneter Tragfähigkeit sehr schmale Wände bauen – was mehr Fläche in den Wohnungen bedeute.

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Um die Nachfrage decken zu können, wurden neue Mitarbeiter eingestellt. Dombrinks Mannschaft hat die 100 überschritten. Parallel dazu stieg die Zahl der Auszubildenden. „Und wir bilden in einem neuen Beruf aus, dem Betriebselektriker“, ist Betriebsratsvorsitzender Walter Kolb zufrieden. Angehende Schlosser, Maschinen- und Anlagenführer und Industriekaufleute finden in der Firma ohnehin seit Jahren Lehrstellen. Der Betrieb hat schon für viele spektakuläre Bauten in der Region Steine geliefert – zum Beispiel für Gebäude im Frankfurter Europaviertel, die Europäische Zentralbank, den neuen Henningerturm und das Air-Rail-Center am Frankfurter Flughafen. In Rodgau wurden damit zuletzt die Wilhelm-Busch-Schule erweitert und die neue Kita in Nieder-Roden gebaut.

Quelle: op-online.de

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