Die letzten Tage des Lebens 

Bebauungsplan für Hospiz steht kurz vor dem Abschluss

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Neben dem Jügesheimer Wasserturm soll das erste stationäre Hospiz im Kreis Offenbach entstehen.

Jügesheim - Der Hospiz-Bau am Fuß des Wasserturms kann bald beginnen. Am 5. Februar entscheidet das Stadtparlament über den Bebauungsplan. Bis Ende Februar sollen 40 Kiefern auf dem Grundstück gefällt sein. Der erste Spatenstich ist im ersten Halbjahr geplant. Die Hospizstiftung wirbt weiterhin um Geld fürs Stiftungskapital.

Gegen den Bebauungsplan bestehen keine Einwände. Die Bürgerbeteiligung ergab keine einzige Stellungnahme. Anregungen der Behörden wurden in den Plan eingearbeitet.

Die Hospizstiftung Rotary Rodgau will ein stationäres Hospiz mit zwölf Betten bauen. Das Grundstück ist rund 4000 Quadratmeter groß. Es umfasst eine Schotterfläche, einen Spielplatz mit Bäumen und einen Teil der ehemaligen Minigolfanlage.

Das Grundstück grenzt an einige Gärten der Unteren Sände an. Das Hospiz schließt damit die Lücke zwischen der Unteren Sände, dem Waldfriedhof und der Gaststätte „Wolfsschlucht“. Die Lärmschutzwand an der Bundesstraße 45 hält einen Teil des Verkehrslärms zurück. Am Hospiz werden dadurch Lärmwerte erreicht, die für Wohngebiete zumutbar sind, wie ein Gutachter des TÜV Hessen schreibt.

Vor dem Baubeginn müssen etwa 40 Kiefern gefällt werden. Mit Rücksicht auf die Natur sollte das vor dem 1. März passieren. Um keine Zeit zu verlieren, hat die Hospizstiftung die Fällung bereits bei der Unteren Naturschutzbehörde angezeigt. Eine Genehmigung ist aber erst möglich, wenn der Bebauungsplan rechtskräftig ist.

Wie der Waldverlust ausgeglichen wird, ist noch nicht geklärt. Die Stiftung muss entweder an einer anderen Stelle Bäume pflanzen oder einen finanziellen Ausgleich bezahlen.

Die Aufforstung wäre den Verantwortlichen lieber, wie Lothar Mark vom Stiftungskuratorium sagt: „Wir möchten einen Wald der Erinnerung schaffen und für jeden Verstorbenen einen Baum pflanzen.“ Bei 250 bis 300 Sterbefällen im Jahr würde dieser Wald rasch wachsen. Ein passendes Gelände dafür gibt es noch nicht.

Der Bauantrag sei im Entwurf bereits mit den Genehmigungsbehörden besprochen, sagt Mark auf Anfrage. Geänderte Vorschriften zur Architektur von Pflegeheimen hätten Änderungen am Plan erfordert: „Das haben wir umgesetzt, es muss noch von den Kostenträgern genehmigt werden.“ Die Abstimmung mit den Krankenkassen laufe zurzeit.

Das Hospiz soll unheilbar kranke Menschen aufnehmen, die in Krankenhäusern nicht mehr versorgt werden können und deren häusliche Pflege nicht gesichert ist – unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialem Stand, Konfession und Nationalität. Die Patienten sollen palliativ versorgt werden, um ihre verbleibende Lebenszeit möglichst gut verbringen zu können.

Erstes Mehrgenerationen-Hospiz in Deutschland eröffnet

Die Nachfrage nach Hospizbetten ist viel höher als das Angebot. Die Folge: Viele Patienten landen zunächst auf der Warteliste, etwa bei den Einrichtungen in Frankfurt, Offenbach, Hanau, Alzenau und Darmstadt. Die Liegedauer im Hospiz sei im Bundesdurchschnitt auf sieben Tage abgesunken, berichtet Lothar Mark: „Die Zeit reicht kaum, um gut anzukommen.“

Für ihr Bauvorhaben braucht die Hospizstiftung etwa 3,5 Millionen Euro. Die erste Million wurde im Dezember erreicht. Die Stiftung wirbt weiterhin um Gelder. Vom Spatenstich über das Richtfest bis zur Eröffnung sind fünf Veranstaltungen vorgesehen, bis zu denen sie jeweils 100.000 Euro einsammeln will.

„Die zweite Million ist anspruchsvoller als die erste“, weiß Lothar Mark: „Die dritte Million kommt von der Frankfurter Werte-Stiftung. Dann fehlt noch eine halbe Million. Sie muss notfalls über Kredite finanziert werden. Daran darf es nicht scheitern.“

Das nächste große Ereignis fürs Hospizprojekt ist ein Benefizkonzert der Bundeswehr-Bigband am 10. April im Bürgerhaus Nieder-Roden. Lothar Mark: „Das wird ein Knaller. Der Vorverkauf läuft ausgesprochen gut. 800 Tickets sind schon weg.“ (eh)

Quelle: op-online.de

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