Dudenhofen

Bedeutender Bodenfund blieb ein Jahr geheim

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Unter Leitung von Gesine Weber (links) und Dagmar Kroemer (3. von links) arbeiteten Hermann Heß, Udo Krause, Jonas Schott, Karl Pohl (von links nach rechts) und andere Ehrenamtliche bei der Grabung mit.

Flughafen-Ausbau ermöglichte Ausgrabung bei Dudenhofen: Fast metallisch schimmert das bauchige Tongefäß, 50 Zentimeter hoch und 3 100 Jahre alt.

Dudenhofen - Ein Urnengrab in einem Acker zwischen Dudenhofen und Seligenstadt ist der umfangreichste archäologische Fund seit Jahren in Rodgau. Die Urne und etliche Grabbeigaben sind jetzt in einer kleinen Ausstellung in der Sparkassenfiliale zu sehen.

Das Ungewöhnlichste an der Ausgrabung ist die Tatsache, dass sie praktisch im Verborgenen stattfand. Eineinhalb Wochen lang konnte eine Gruppe an Archäologen im Herbst 2007 einen Acker umgraben, ohne dass Spaziergänger darauf aufmerksam wurden. In Dudenhofen, wo sonst nichts lange geheim bleibt, wurde der Fund aus der Bronzezeit ein gutes Jahr lang nicht bekannt.

Dass die Grabung möglich war, ist dem Flughafenausbau zu verdanken. Als Ausgleich für die Umweltschäden lässt die Firma Fraport auch in Dudenhofen Wald aufforsten. Dieses Vorhaben rief die Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach auf den Plan: Erst graben, dann aufforsten, hieß die Devise.

Das Gebiet „Lettloch“ galt als Ort für mögliche Bodenfunde, weil dort bereits Scherben zum Vorschein gekommen waren. In der Nähe, „An den Wacholderbüschen“, waren vor Jahren schon Werkzeuge aus der Steinzeit gefunden worden.

Die Erwartungen wurden zunächst enttäuscht. „Am ersten Tag hat es nur geregnet“, erinnert sich Grabungsleiterin Gesine Weber, „aber die Fläche war fast fundleer.“ Auf einer zweiten Grabungsfläche hatten die Kreisarchäologinnen und ihre ehrenamtlichen Helfer mehr Erfolg: Sie legten 14 Gruben aus der mittleren Eisenzeit (um 500 vor Christus) frei, die Abfälle der Eisenverhüttung oder Keramikproduktion enthielten.

Zu dem Überraschungsfund kam es am letzten Tag, als die Fläche eigentlich zugeschoben werden sollte. Die Archäologinnen baten den Baggerfahrer, an einer Ecke etwas tiefer zu baggern. In etwa 80 Zentimeter Tiefe stießen sie auf eine runde, dunkle Stelle. Darunter befanden sich die Überreste einer Urnenbestattung aus der Zeit zwischen 1200 und 1100 vor Christus. Das Gewicht der Erde hatte die Urne zu einem Scherbenhaufen zusammengedrückt. Nur dadurch blieben alle Teile erhalten: Die Scherben lagen so tief, dass sie von keinem Pflug erreicht werden konnten. In unzähligen Stunden gelang es einer Restauratorin, die Scherben zusammenzupuzzeln.

„Eine wunderbar gefertigte Keramik“, sagt Gesine Weber fasziniert. Ohne Töpferscheibe (die war damals noch nicht erfunden) wurde das große Tongefäß vor gut 3 100 Jahren von Hand geformt. Die dünnen Wände, nur wenige Millimeter stark, beweisen große Kunstfertigkeit.

Sorgfalt, Fingerspitzengefühl und Ausdauer braucht man auch, um solche Gegenstände nach Tausenden von Jahren zu bergen. Dabei kann sich die Bodendenkmalpflege des Kreises auf eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer verlassen. „Man gräbt einen halben Quadratmeter Erde mit der Kelle aus und findet eine Scherbe“, beschreibt Udo Krause aus Dreieich den hohen Arbeitsaufwand für ein ungewisses Erfolgserlebnis. Doch eine solche Scherbe ist mehr als ein Stück gebrannter Ton, wie sein Kollege Jonas Schott aus Langen mit leuchtenden Augen erzählt: „Dann kann man sich richtig vorstellen, wie die Menschen früher gelebt haben.“ Schott ist überzeugt, dass die Kultur in der Bronze- oder Eisenzeit höher entwickelt war, als viele glauben.

Das Schönste an dem Fund ist für Gesine Weber nicht die vollständige Urne, sondern ein kleines Bronzemesser von 14 Zentimeter Länge. „Der oder die Bestattete war offensichtlich nicht der Ärmste“, vermutet die Archäologin. Solche Klingen finde man in Gräbern jener Zeit selten.

Die Ausstellung in der Sparkasse an der Nieuwpoorter Straße ist noch bis zum 27. Februar zu sehen. Danach wird die Vitrine im Kreishaus ins Büro der Denkmalschutzbehörde gestellt: Die Funde sind zu schön, um im Keller des Landschaftsmuseums Seligenstadt zu verschwinden.

Quelle: op-online.de

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