Pfarrgemeinde St. Matthias muss den Rotstift ansetzen

Begegnungsstätte in Nieder-Roden macht zu

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Die Pfarrgemeinde St. Matthias will ihre Begegnungsstätte an der Strandpromenade verkaufen, wenn das Bischöfliche Ordinariat in Mainz zustimmt.

Nieder-Roden - Die katholische Pfarrgemeinde St. Matthias schließt ihre Begegnungsstätte an der Strandpromenade zum Jahresende. Pfarrer Dr. Peter Eckstein begründet das unter anderem mit finanziellen Zwängen. Das Gebäude ist knapp 30 Jahre alt.

Das kleine Zentrum mit Versammlungsräumen und Kapelle besteht seit 21. Mai 1989. Die Pfarrgemeinde hatte es in der Absicht gebaut, als Kirche auch zwischen Wohnblocks und Hochhäusern präsent zu sein. Das Haus solle „Begegnungen von Menschen aller Schichten, Stände und Auffassungen“ ermöglichen, hieß es in der Grundsteinurkunde. Eine große Gruppe an ehrenamtlichen Gemeindemitgliedern sorgte seither für Leben im Haus. Der „Seestraßenkreis“ organisierte die Belegung der Räume und richtete Veranstaltungen aus. In der Kapelle wurde bis Ende letzten Jahres jeden Dienstag eine Messe zelebriert.

Die hellen Versammlungsräume (76 Quadratmeter) konnte man für 250 Euro auch für private Feierlichkeiten mieten. Die ehrenamtlichen Helfer stellten Geschirr und Besteck bereit und kontrollierten nach dem Fest, ob alles in Ordnung war. Die Mitglieder des Seestraßenkreises sind im Rentenalter, die ältesten haben ihren 80. Geburtstag hinter sich. Nach und nach ging die Aktivität zurück: Erst wurde das Seestraßenfest eingestellt, dann der Adventsbasar. Nur Privatvermietungen konnten mit einiger Mühe noch beibehalten werden, etwa sechs bis acht Mal im Jahr.

In der Kapelle mit 34 Sitzplätzen werden seit Ende letzten Jahres keine regelmäßigen Gottesdienste mehr gefeiert. Die Kreuzweg-Stationen aus Ton sind Arbeiten des Paters Franz-Josef Ludwig, der auch den Kreuzweg für die Heilig-Kreuz-Kirche in Rollwald gestaltet hat.

„Gemeindlich wurde die Begegnungsstätte in den letzten Jahren nur noch für eine Werktagsmesse am Dienstagabend genutzt. Mit der Erkrankung der letzten Küsterin wurde auch diese notgedrungen in die St.-Matthias-Kirche verlegt“, teilt Pfarrer Dr. Peter Eckstein mit. Nach einem Gespräch mit Finanzfachleuten des Bischöflichen Ordinariats rang sich der Verwaltungsrat der Gemeinde dazu durch, die Begegnungsstätte als Seelsorgeort aufzugeben und zu schließen. Nach Ansicht der Mainzer Kirchenverwaltung muss die Pfarrgemeinde ihre laufenden Kosten senken, um die übrigen Immobilien weiter betreiben zu können.

Der Pfarrer nennt Zahlen: Von den 179.000 Euro, die die Pfarrei in diesem Jahr zur Verfügung hat, geht mehr als die Hälfte für drei große Posten drauf – 45 000 Euro für das Pfarrbüro, 40.000 Euro für das Pfarrheim (Mieteinnahmen von 6 000 Euro sind schon abgezogen) und 10.000 Euro Heizkosten für die Kirche St. Matthias. Die laufenden Kosten der Begegnungsstätte beziffert Eckstein mit 11.000 Euro im Jahr plus Reparaturen und Renovierung.

Fest zur Heilig-Kreuz-Kirche in Rollwald

„Als Pfarrei betreiben wir eine stattliche Anzahl von Immobilien, wie sonst nur wenige andere“, berichtet der Pfarrer. „Dieses war bisher nur möglich, weil wir zusätzlich zu den Haushaltsmitteln aus einem Ausgleichsstock des Bistums 20.000 Euro zugewiesen bekamen.“ Damit könne Nieder-Roden aber nicht auf Dauer rechnen. Die finanziellen Aussichten fasst Pfarrer Eckstein in einer einfachen Formel zusammen: „Steigende Kosten bei zurückgehenden Einnahmen.“ Wenn die Gemeinde jetzt nicht handele, „steht etwa im Jahr 2030 noch sehr viel mehr auf dem Spiel als ,nur’ die Begegnungsstätte“.

Wenn Mainz zustimmt, will die Pfarrgemeinde das Gebäude verkaufen. Dazu gehört ein Gartengrundstück, das der Kindergarten bisher im Sommer nutzen konnte. Laut Bebauungsplan können dort noch rund 300 Quadratmeter überbaut werden. Für den Bau der Begegnungsstätte hatte die Pfarrgemeinde 1988/89 rund 800.000 Mark ausgegeben. Dazu hatte sie ein angrenzendes Grundstück verkauft; ein Rodgauer Bauträger errichtete darauf ein mehrstöckiges Wohnhaus für Spätaussiedler. (eh)

Quelle: op-online.de

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