Begleitung bis zum Lebensende

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Beistand am Lebensende leisten ehrenamtliche Hospizhelfer in vielen Städten. Unheilbar Kranke haben zudem in der letzten Lebensphase Anspruch auf eine spezialisierte Versorgung, wie sie in Rodgau die Johanniter leisten.

Rodgau ‐ Menschenwürde bis zum letzten Atemzug sowie Nähe, Trost und Begleitung bietet der ambulante Hospiz- und Palliativdienst der Johanniter in Rodgau, Rödermark und Dreieich. Von Ekkehard Wolf

Die Nachfrage steigt seit Jahren - nicht weil mehr Menschen sterben, sondern weil das Angebot bekannter wird. 2008 begleitete das Team 78 Menschen in ihrer letzten Lebensphase, dann 100 und im vergangenen Jahr schon 128.

Bei einer Andacht für die Verstorbenen des letzten Jahres wurden in Ober-Roden 105 Kerzen angezündet - für jeden Menschen eine. „Dieser Erinnerungsgottesdienst war auch für uns wichtig“, sagt Susanne Krause, die Leiterin des Hospiz- und Palliativdienstes, „wir haben sonst wenig Zeit, uns von jedem Einzelnen zu verabschieden.“ Ein bewegender Moment war, als ein Junge eine Kerze für seinen Opa aufstellte.

Die Hospizhelferinnen betreuen derzeit 28 Menschen; weitere sechs Kranke versorgt das Palliativteam. Etwa drei bis fünf Wochen dauert eine solche Begleitung - manchmal länger, oft auch nur ein paar Tage. „Diese Menschen kommen dann nur zum Sterben nach Hause“, bedauert Susanne Krause. Während Hausärzte ihren todkranken Patienten meist die notwendige Pflege verordneten, fehle vielen Klinikärzten noch das Bewusstsein dafür.

Pflege im Minutentakt kein Thema

Das Ziel der Arbeit: Die betroffenen Menschen sollen in der verbleibenden Zeit möglichst viel Lebensqualität erfahren, um noch über all das zu sprechen, was bisher ungesagt blieb - und um vielleicht noch etwas mit der Familie zu unternehmen.

Susanne Krause (links) leitet den ambulanten Hospiz- und Palliativdienst, Iris Schiebel (rechts) koordiniert die Einsätze.

Die oft beklagte „Pflege im Minutentakt“ ist für das Palliativteam kein Thema. Ein Einsatz kann durchaus vier bis fünf Stunden dauern - oder auch die ganze Nacht. Susanne Krause: „Die Autonomie des Patienten ist das A und O. Es ist seine Entscheidung, es ist sein letzter Weg, es sind seine letzten Stunden.“ Nur die Grenze zur Sterbehilfe darf und will das Palliativteam nicht übertreten. Die Menschenwürde reicht bis zum letzten Atemzug. Susanne Krause: „Es muss heute kein Patient mehr kämpfen zum Schluss.“

Ein Sterben in Würde war in Krankenhäusern und Pflegeheimen lange nicht möglich, wie Krause erzählt. „Als ich 1980 mit meiner Ausbildung begonnen habe, wurden sterbende Patienten noch ins Badezimmer hinter eine spanische Wand geschoben.“ Jene Zeiten seien zwar vorbei, aber auch heute noch sei das Sterben ein Tabu. Selbst Eheleuten falle es oft schwer, über den bevorstehenden Tod zu sprechen.

Kontakt: Ambulanter Hospizdienst und Palliative Care, Johanniter-Unfallhilfe in Nieder-Roden, Puiseauxplatz 3, Tel. 06106 8710-25.

Erstmals hat das Palliativ- und Hospizteam im vergangenen Jahr einen Muslim auf seinem letzten Weg begleitet - einen jungen Vater mit drei kleinen Kindern. „Wir sind extrem freundlich in dieser Familie aufgenommen worden“, berichtet Krause. Sehr wichtig sei, auch die Kinder in den Sterbeprozess einzubeziehen, „damit sie sich verabschieden können und hinterher kein Schuldgefühl haben“. In den letzten Stunden durfte die gläubige Katholikin neben dem Imam am Bett des Sterbenden beten, eine für sie menschlich und spirituell wertvolle Erfahrung: „Die Grenzen sind offen.“

Wegen der hohen Nachfrage wollen die Johanniter eine sechste Fachkraft für die Palliativpflege einstellen. „Die letzte Kraft haben wir ein halbes Jahr gesucht“, sagt Vorstand Dr. Karsten Falk. Nicht nur wegen des Pflegenotstandes sei die Suche schwierig, sagt Susanne Krause: „Diese Arbeit macht man entweder gerne oder gar nicht.“

Daten und Fakten:

  • Für Menschen in der letzten Lebensphase gibt es in Rodgau zwei spezielle Angebote: den ambulanten Hospizdienst und die Palliativversorgung.
  • Ehrenamtliche Hospizhelfer nehmen sich Zeit, geben Beistand,erleichtern den Alltag und trösten Angehörige.
  • Schwerstkranke Menschen, die nur noch kurze Zeit zu leben haben, werden vom ambulanten Palliativteam medizinisch versorgt. Ziel ist, Lebensqualität und Selbstbestimmung zu erhalten, bei Bedarf auch mit starken Schmerzmitteln. Diese Leistung wird vom Arzt verordnet und von der Krankenkasse bezahlt.
  • Fünf hauptamtliche Pflegekräfte und 44 Ehrenamtliche kümmern sich um Sterbende in Rodgau, Rödermark und Dreieich.
  • In anderen Städten organisieren Kliniken die Palliativversorgung. Hospizgruppen gibt es in vielen Orten.

Quelle: op-online.de

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