Schulsozialarbeiter in Rodgau

Begleitung im Lebensraum Schule

+
Sie stehen für Sozialarbeit in den Schulen: Martin Störner (mit Sonnenblume), Bettina Schubert, Angela Löw-Kolecani und Christa Schallmayer (von links nach rechts), zwischen den Stadträten Werner Kremeier (links) und Michael Schüßler (Zweiter von links) sowie GSS-Schulleiter Tino Desogus (rechts).

Rodgau - Schule ist mehr als Unterricht. Das beweisen Sozialarbeiter/innen in fünf Rodgauer Schulen Tag für Tag. Einer von ihnen ist Martin Störner. Er arbeitet seit 20 Jahren an der Geschwister-Scholl-Schule.

Der Spieleraum im Seitentrakt des Schulhauses ist Dreh- und Angelpunkt für viele Fünft- bis Zehntklässler. In den Pausen und nach dem Unterricht ist das kleine Zimmer voll. Martin Störner: „Der Raum ist klein, aber es passen in den Pausen 30 Kinder rein; im Winter, wenn es kalt ist, sogar 50.“ Kann man da überhaupt noch sein eigenes Wort verstehen? Der erfahrene Sozialarbeiter lacht: „Viele Kinder können oft leiser sein als wenige.“

Im Spieleraum können die Schüler nicht nur spielen, Freunde treffen oder „abhängen“. Ganz nebenbei lernen sie auch Regeln für ein gutes Miteinander. Und sie können loswerden, was sie bewegt. Martin Störner ist einer, dem man alles erzählen kann. Einer, der zuhört, ohne gleich zu bewerten. Einer, der bei persönlichen Problemen hilft. Das Spektrum reicht von der Angst der Fünftklässlerin vor der neuen Schule über den ersten Liebeskummer bis zu Zeugnissorgen oder Berufswahl. Auch Trennung der Eltern, Arbeitslosigkeit oder Schulden sind Themen, die die Kinder mit in die Schule bringen.

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“, bestätigt Bettina Schubert, die Sozialarbeiterin der Heinrich-Böll-Schule. Jeder Tag bringe neue Überraschungen und „gefühlte 1000 Anfragen“. Die Schulsozialarbeit wende sich aktiv gegen jede Ausgrenzung: „Wir akzeptieren jeden als Person, aber wir akzeptieren nicht jedes Verhalten.“

"Konsens des Hinschauens"

Rasches Eingreifen kann Konflikte oft bereits im Entstehen lösen. „Wir gehen sofort hin“, betont Martin Störner. „Das kann man schon hören, wenn sich irgendwo etwas zusammenbraut.“

Von einem „Konsens des Hinschauens“ in den Schulen berichtet Bettina Schubert. Dieser guten Zusammenarbeit sei es auch zu verdanken, dass die körperliche Gewalt an den Schulen zurückgegangen sei. Wut könne man auch anders abbauen. Martin Störner bestätigt das: „In meinem Büro haben schon die Wände gewackelt, weil sie sich so angeschrieben haben. Aber das ist mir lieber, als wenn sie sich schlagen.“

Sorgen bereitet den Sozialarbeitern die unüberschaubare Medienlandschaft mit Entwicklungen wie Cybermobbing in der Anonymität des Internets.

Vor 22 Jahren hatte die Stadt Rodgau mit der Schulsozialarbeit angefangen, zunächst als „Quartiersarbeit“ in der Gartenstadt. Nach den positiven Erfahrungen in der Gartenstadtschule und der Heinrich-Böll-Schule weitete die Stadt das Angebot auf alle weiterführenden Schulen aus. „Noch vor sechs, sieben Jahren waren wir die einzige Stadt im Kreis Offenbach, die flächendeckend an allen weiterführenden Schulen Schulsozialarbeit betrieben hat“, betont Erster Stadtrat Michael Schüßler. Für die dreieinhalb Stellen und anfallende Sachkosten gibt die Stadt mehr als 200.000 Euro im Jahr aus. „Was wir als Stadt Rodgau investieren, das tun wir gerne“, betont Schüßler.

Land und Schulträger in der Verantwortung

Dennoch gibt Bürgermeister Jürgen Hoffmann zu bedenken: „Wir erfüllen Aufgaben, für die wir laut Gesetz gar nicht zuständig sind.“ Das Hessische Schulgesetz sehe lediglich das Land und den Schulträger in der Verantwortung, aber nicht die Städte und Gemeinden.

„Ich glaube nicht, dass Schule auf kommunale Unterstützung verzichten kann“, sagt Tino Desogus, der Schulleiter der Geschwister-Scholl-Schule: „Wünschenswert wäre sogar mehr.“ Das Engagement der Stadt Rodgau sei nicht selbstverständlich. Als er 1998 nach Hainhausen gekommen sei, „habe ich das als großen Luxus erlebt“.

Schulanfänger 2013 in Rodgau

Schulanfänger 2013 in Rodgau

Die kommunale Trägerschaft der Stadt gebe den Sozialarbeitern vor Ort „ein Stück Freiheit“, betont Erster Stadtrat Schüßler. Sie stünden gleichberechtigt neben den Lehrern, so dass eine partnerschaftliche Zusammenarbeit möglich sei. Schulsozialarbeit sei ein selbstverständlicher Bestandteil des Schullebens geworden: „Rodgau ist keine Insel der Glückseligen, aber auch nicht schlimmer als anderswo.“

eh

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare