Begleitung von Angehörigen

Beistand in Grenzsituationen

Rodgau - „Wir wussten nicht mehr weiter. “ Corina Otto erinnert sich noch gut an den Moment, in dem ihr verzweifelt klar wurde, dass ihre Schwester Andrea Lenz und sie mit der Pflege der todkranken Eltern überfordert sein würden. Von Bernhard Pelka

Zum Glück ergaben sich genau in dieser Zeit beim Rodgauer Seniorentag am Info-Stand der Johanniter Unfall-Hilfe Gespräche über den ambulanten Hospiz- und Palliativdienst der Hilfsorganisation mit Sitz in Nieder-Roden. Der Dienst betreut pro Jahr mehr als 100 Familien.

„Schon bei diesem ersten Gespräch fiel uns eine riesige Last vom Herzen“, sagt Corina Otto. Unbürokratisch und schnell kam über die Johanniter der Kontakt zur ehrenamtlichen Hospizhelferin Gisela Mapapa zustande. Sie begleitete die Familie fortan einfühlsam auf ihrem schweren Weg.

Zusätzlich kümmerten sich das Palliativteam und ein Palliativarzt um die medizinische Versorgung und um bürokratische Dinge: Anträge ausfüllen, Kampf mit Krankenkassen, Krankenhäusern und Ärzten, Hilfe in Finanzfragen: „Sie glauben gar nicht, was in einer solchen Situation alles auf einen einstürzt“, sagt Corina Otto. Sie ist dankbar, dass die Johanniter in dieser Grenzsituation Beistand leisteten. „Auch die psychosoziale Betreuung ist in dieser Lage enorm wichtig.“

140 Fälle in diesem Jahr

124 ähnliche Fälle betreute der ambulante Hospiz- und Palliativdienst im vergangenen Jahr. 50 ehrenamtliche Helfer arbeiten in zwei Hospizgruppen. Und im Palliativteam sind sieben Pflegefachkräfte und ein Arzt für die medizinische Versorgung der Patienten verantwortlich.

Dieses Jahr steigt die Zahl der Fälle auf bis zu 140, vermutet die Abteilungsleiterin Susanne Krause. Obwohl sie regelmäßig in Kirchengemeinden und Seniorenclubs oder bei öffentlichen Vorträgen für dieses segensreiche Angebot wirbt, ist der Hospiz- und Palliativdienst in Rodgau noch viel zu wenig bekannt. Corina Otto (geborene Lenz), bestätigt: „Obwohl meine Eltern in Jügesheim in der Kirchengemeinde fest verwurzelt waren, hat niemand dort sie auf die Johanniter hingewiesen.“ Vielleicht liegt dies daran, dass sich keiner gern mit Krankheit und Tod befasst, bevor es nicht wirklich unbedingt sein muss.

Der Fachbereich Soziale Dienste

Der Hospiz- und Palliativdienst der Johanniter (mit 24-Stunden-Rufbereitschaft) ist eingebettet in deren Fachbereich für Soziale Dienste. Dazu zählen auch:

  • Mobiler Sozialer Dienst

Das ist Alltagshilfe pur. Helfer der Johanniter gehen gemeinsam mit den Kunden einkaufen. Sie holen sie zuhause ab, erledigen gemeinsam Dinge, fahren zu Ämtern, Banken und mehr. Oder die Helfer gehen direkt für die Kunden einkaufen, greifen bei der Hausarbeit und im Garten zu, begleiten zum Arzt oder kulturellen Veranstaltungen.

  • Menüservice

Wer nicht mehr kochen möchte oder kann, hat die Möglichkeit sich täglich oder für eine kurze Zeit (etwa nach dem Krankenhaus) eine heiße Mahlzeit nach Hause liefern zu lassen.

  • Demenzbetreuung

Speziell geschulte Mitarbeiterinnen betreuen stundenweise demenzkranke Personen zuhause. Dies kann gerade für die nächsten Angehörigen eine deutliche Entlastung sein.

  • Integrative Schwerstbehindertenbetreuung

Hier betreuen Mitarbeiter schwerstbehinderte Kinder und Erwachsene in der Schule, bei der Arbeit oder auch zuhause.

  • Hausnotruf

Mit einem Hausnotruf kommt schnelle Hilfe auf Knopfdruck bei Alleinlebenden oder wenn im Notfall der Partner, die Familie und die Nachbarn nicht zur Stelle sind. Der Kunde erhält eine Basis-Station und einen Notruf-Sender. Den Sender trägt er als Halskette oder Armband bei sich. Bei einem Notfall oder Sturz genügt ein Knopfdruck - und schon ist man mit unserer Hausnotrufzentrale verbunden, die umgehend Hilfe schickt. Das kann im Fall der Fälle Leben retten.

  • Fahrdienste/Behindertenfahrdienst

Wenn die Beweglichkeit durch Krankheit, Verletzung oder Behinderung eingeschränkt ist, kommt der Johanniter-Krankenfahrdienst. Darunter fallen Dialyse- und Arztfahrten, sowie auch Fahrten zur Rehabilitation. Der Behindertenfahrdienst bringt Kinder und Erwachsene zur Schule und Arbeit, zu Freunden und natürlich auch zu anderen Veranstaltungen.

Quelle: op-online.de

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