Beifall für die Wasserschlange

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Lachend und staunend näherten sich die Kinder den überlebensgroßen Figuren.

Jügesheim (eh) - Ein weiteres Stück Kunst im öffentlichen Raum wurde am Samstag feierlich an die Stadt Rodgau übergeben. Die „Wasserschlange“ im Rodau-Park an der Konrad-Kappler-Straße soll das Verbindende zwischen den Bewohnern der fünf Stadtteile ausdrücken.

Fünf Menschen tragen eine Schlange über ihren Köpfen. Es sind Männer, Frauen und Kinder – große und kleine, dicke und dünne. Ein Kind muss sich recken, um den Tierkörper zu erreichen. Ein Mann geht gebeugt unter der Last, als trüge er die ganze Welt auf den Schultern. Die Frau am Schluss hingegen hält die Schlange lässig mit einer Hand.

Wie viel Arbeit in der hölzernen Skulptur steckt, sieht man ihr nicht mehr an. Zwei Wochen lang hat Bildhauer Christian Rösner (42) aus Nürnberg gekämpft, um dem 150-jährigen Holz zweier Eichen die Form abzuringen. Kunst ist für ihn körperliche Schwerstarbeit. Acht Kilo wiegt die Kettensäge, die ihm als Schnitzmesser dient. Das geht ganz schön in die Knochen. Die mächtigen Baumstämme wuchtet er von Hand mit Hilfe eines Flaschenzugs.

„Welche Figur ist denn unser Stadtteil?“, wurde der Künstler während der Arbeit immer wieder gefragt. Seine Antwort: „Das können Sie sich selbst aussuchen.“ Die Ausrichtung der Skulptur quer zur Fließrichtung der Rodau verhindert allzu eindeutige Interpretationen: Wo „vorne“ ist, sieht man – aber zeigt der Schlangenkopf nun zur Quelle oder zur Mündung? Auch die Schlange steht nicht nur für die Rodau, wie Christian Rösner verrät: „Es ist wichtig, dass ein Kunstwerk vielschichtig ist.“

Bilder der feierlichen Einweihung

Einweihung der „Wasserschlange“ im Rodau-Park

CDU-Politiker Frank Lortz gewinnt dem Werk eine allgemein gültige Aussage ab, wie er am Samstag sagte: Jeder solle nach seinen Fähigkeiten seinen Beitrag für das Ganze leisten. Dies gelte auch für die Stadt Rodgau, die 1977 aus fünf unterschiedlichen Orten zusammengefügt worden sei. Die „Wasserschlange“ sei das elfte Projekt in der Reihe „Kunst vor Ort“ des Kreises Offenbach. Als ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter dankte Lortz der Sparkasse Langen-Seligenstadt, deren Verwaltungsratsvorsitzender er ist: „Ohne Sponsoring wäre der Kreis nicht in der Lage, so etwas zu realisieren.“

Bürgermeister Jürgen Hoffmann erinnerte ebenfalls an die kommunale Gebietsreform: Rodgau sei nach 34 Jahren immer noch dabei, zusammenzuwachsen. Zur Erinnerung überreichte er dem Künstler ein Fotoalbum mit CD-ROM, das seine Arbeit auf 175 Fotos dokumentiert.

„Ich bin ganz gerührt, weil das so einen schönen Abschluss findet, und das bei diesem Wetter“, sagte Christian Rösner im Nieselregen. Er sei „überwältigt von der Hilfe und Anteilnahme“, die ihm entgegengebracht worden sei. Auch von der Begegnung mit den Schulkindern in seinem „Gehege“ habe er viel mitgenommen.

„Das war ‘ne tolle Arbeit mit euch“, würdigte Annemarie Pötzelberger (Seligenstadt) die 240 „Fischfabrikanten“ aus den Grundschulen, die in den letzten zwei Wochen unter ihrer Anleitung hölzerne Flossentiere angefertigt hatten. Die Kinder raspelten Balsaholz statt Eiche, „denn so viele kleine Kettensägen gab es gar nicht“. Die Arbeit von Dennis aus der Klasse 4 a der Münchhausenschule machte auf die Künstlerin und Galeristin besonders tiefen Eindruck: „Das war eine reife Leistung.“ Der Viertklässler erhält eine „goldene Feile“ als Anerkennung.

Gleich nach der Enthüllung der „Wasserschlange“ ergriffen Kinder Besitz von dem Kunstwerk: Sie sammelten Sägespäne, berührten die hölzernen Gliedmaßen und kletterten an den Figuren hoch. Mit der Nacktheit der fünf Figuren gingen sie unbefangen um. Einige Erwachsene waren in den letzten Tagen irritiert gewesen, dass Christian Rösner in dieser Hinsicht ein traditioneller Bildhauer ist: „Jedes Museum ist voll von Darstellungen nackter Menschen“, sagt er, „jede Form von Bekleidung wäre ein Modeartikel.“ Außerdem sei das Adams- und Eva-Kostüm nur gerecht: „Die Schlange ist nackt, die Menschen sind es auch.“

Quelle: op-online.de

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