Beim Abriss staubt es mächtig

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Einstürzende Altbauten: Das Feuerwehrhaus an der Friedensstraße wird dem Erdboden gleichgemacht.

Rodgau (eh) - Wütend dröhnt der Motor des gelben Baggers. Die riesige Baggerschaufel schlägt auf die Betondecke, immer und immer wieder. Der gequälte Beton knirscht und kracht. Dann fällt er in großen Brocken herab.

Wasser aus dem Feuerwehrschlauch erstickt die Staubwolke, bevor sie sich richtig erheben kann. Ein hoher Schuttberg türmt sich dort, wo noch vor einer Woche das alte Feuerwehrhaus Nieder-Roden stand. Die erste Fahrzeughalle ist dem Erdboden gleichgemacht. Heute oder morgen soll der Schlauchturm fallen.

„Da wird uns etwas fehlen“, sagt Inge Weigel, die gegenüber wohnt. Mit dem Feuerwehrhaus verbindet sie nicht nur die Erinnerung an Martinshörner zu jeder Tages- und Nachtzeit. „Den Efeu am Turm habe ich zusammen mit Richard Staudt gesetzt, als der Verputz zu bröckeln angefangen hat“, erzählt sie. Die Stecklinge der Kletterpflanze stammten aus ihrem Garten: „Das ist mindestens zehn Jahre her.“

Für die Feuerwehrleute hat sich einiges verändert: „Früher bin ich einfach aus dem Hoftor hinausgelaufen und war schon da“, berichtet Sebastian Spahn von der Freiwilligen Feuerwehr Rodgau-Süd. Jetzt muss er erst ein kleines Stück fahren, bevor er ausrücken kann.

Traurige und schöne Momente

Morgen, Mittwoch, wird das Jügesheimer Feuerwehrhaus am Ostring abgerissen. „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei“, gesteht Stadtbrandinspektor Andreas Winter ein. 29 Jahre lang war das Haus für ihn ein Stück Heimat, darunter neun Jahre auch Arbeitsplatz. Gibt es einen Grund, dem abgewohnten Altbau nachzutrauern? „Ja, die Geschichten, die man dort erlebt hat“, antwortet Winter. Ein Beispiel: „Es gab da etliche Wasserschlachten, wo Leute bei 35 Grad auf dem Balkon ausgesperrt wurden. Unten wurde der Schlauch angeschlossen und dann wurde geduscht, ob man wollte oder nicht.“

Auch traurige Momente verbindet Andreas Winter mit dem Haus, vor allem den Abschied oder den Tod von Kameraden: „Jedes Mal, wenn einer gegangen ist, ist ein Stück Geschichte gegangen.“ Der Neubau neben der Rußfabrik sei zwar technisch auf dem neuesten Stand, aber emotional noch ein unbeschriebenes Blatt: „Das Haus muss erst mal seine Geschichte schreiben. Bisher ist es nur Beton und Tapete und moderne Technik.“

Quelle: op-online.de

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