Frühjahrsputz in der evangelischen Kirche

Jesus das Näschen poliert

+
Engagiert beim Frühjahrsputz in der Kirche: Katharina Paulsen saugt die Sitzmatten der Kirchenbänke ab.

Dudenhofen -  Die Sonnenstrahlen fördern es ans Licht: Staub, Spinnweben und Dreck wird beim großen Frühjahrsputz der Garaus gemacht. Was sich im privaten Haushalt gehört, ist auch im Gotteshaus nicht anders. Von Simone Weil 

Deswegen rücken in Dudenhofen einmal im Jahr Freiwillige zum Großreinemachen in der evangelischen Kirche an. Putztag in der Kirche: In Dudenhofen sind diesmal etwa zehn Gemeindemitglieder fleißig. Der Staubsauger brummt. Einige kehren, andere wischen, und langsam breitet sich ein frischer Geruch im Kirchenraum aus. Frühjahrsputz ist angesagt. Es ist nicht nur Kerzenruß, der Wände und Decke verunziert. Die Besucher schleppen freilich auch Sand und Dreck an den Schuhen in das Gotteshaus. Blütenstaub, Blätter und Spinnweben kommen hinzu.

Von allen Seiten sind etwa zehn freiwillige Helfer gekommen. Zu Fuß oder per Rad. Pfarrerin Christina Koch lädt Staubsauger, Putzeimer, Schrubber, Handfeger und weiteres Zubehör aus dem Auto. Weil im vergangenen Jahr die Putzlappen ausgegangen waren, hat sie nun ordentlich Vorrat besorgt.

„Wir waren mal zwölf, aber auch schon mal 25 Helfer“, berichtet die Geistliche von früheren Grundreinigungsaktionen. Eingeladen sind alle, die mitmachen wollen. „Wenn es gut läuft, brauchen wir anderthalb bis zwei Stunden fürs Putzen“, sagt die Pfarrerin. Diese Schätzung klingt allerdings ausgesprochen sportlich.

Doch Rekorde brechen will hier niemand: Dafür sprechen auch die Thermoskanne mit Kaffee und der Kuchen, der zur Stärkung für die Pause mitgebracht wird. Für die Pfarrerin gibt es extra ein Matjesbrötchen, weil sie nicht auf Süßes steht.

Fast ohne Absprache verteilen sich die Freiwilligen im Gotteshaus. Es wird konzentriert gearbeitet: Lieselotte Heckmann etwa beginnt zügig, die Sitzmatten von den Bänken zu räumen. Die Teile sind wegen ihrer Länge ziemlich unhandlich und werden zum besseren Absaugen übereinander gelegt.

Andere Helfer fangen an, die hölzernen Bänke gründlich abzuwaschen. Heißes Wasser liefert der Boiler in der Toilette. Wieder andere Freiwillige kehren und saugen. Werner Krause vom Kirchenvorstand kommt mit einem Staubwedel, den er auf eine Teleskopstange montiert hat. Er nimmt sich insbesondere die Fensternischen vor. Bis zu sechs Meter Höhe sind nun für ihn gut erreichbar.

„Die Fenster lassen wir schön in Ruhe“, mahnt seine Vorstandskollegin Elke Heller. Ein Blick auf die bleiverglasten Teile genügt, um zu verstehen, was sie meint. Bevor dort irgendetwas zu Bruch geht, lassen die Helfer die historischen Scheiben lieber ungeputzt. „Da pfeift im Winter ganz schön der Wind durch“, erklärt Elke Heller. Es werde übrigens auch zwischendrin immer mal gewienert, aber einmal im Jahr werde es eben besondersgründlich gemacht“, erklärt das Gemeindemitglied.

Putzt es sich im Gotteshaus eigentlich anders als im eigenen Wohnzimmer? Etwa weil es ein besonderer Ort ist? Die Pfarrerin sieht das eher pragmatisch: „Die Kirche ist ja auch Lebensraum“, meint sie.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Rodgau

Dieses Mal ist nur eine einzige Konfirmandin zum Helfen da. Die jungen Leute seien sonst meistens sehr interessiert, auf die Kanzel zu kommen, verrät die Pfarrerin. Dort allerdings sei ihnen im vergangenen Jahr ein voller Putzeimer umgefallen. Der feuchte Fleck auf der Altarstufe, die direkt darunter liegt, ist immer noch zu sehen. Vorm Altar selbst haben die Teenager gehörigen Respekt. Deswegen lassen sie dort lieber ihre Finger weg. „Da muss dann ich raufkrabbeln und dem Jesus das Näschen polieren“, erzählt Christina Koch. Gefunden werde beim Kircheputzen übrigens immer irgendetwas: „Etwa acht Euro Kollekte hatten wir schon oder auch mal ein Kinder-T-Shirt“, erinnert sich eine der Freiwilligen. „Mal schauen, was wir diesmal finden“, meint eine ehrenamtliche Putzfrau und schwingt motiviert den Besen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare