Auszeichnung Stiftung des Monats

Beispiel für Bürgersinn

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Staatssekretär Michael Bußer (Mitte) überreicht Ehrenurkunde und Scheck an Lothar Mark und Christian Goldmann von Stiftung und Verein „Gemeinsam mit Behinderten“.

Rodgau - Die Stiftung „Gemeinsam mit Behinderten“ ist Hessens „Stiftung des Monats“.

Regierungssprecher Michael Bußer überreichte die Auszeichnung am Donnerstag vor dem Haus Emmanuel - dem ersten von drei Gebäuden mit Behindertenwohnungen, die die Stiftung in Jügesheim errichtet hat.

Die Stiftung wurde vor 20 Jahren sozusagen aus der Not geboren - allerdings aus einer ganz besonderen „Notlage“: Der 24-Stunden-Lauf des Vereins „Gemeinsam mit Behinderten“ hatte mehr als 100 000 Mark an Spenden erzielt - eine Summe, an die der Verein nicht mal im Traum gedacht hätte. „Wir hatten plötzlich mehr Geld zur Verfügung als wir gebrauchen konnten - eine in der Behindertenarbeit ungewohnte Situation“, berichtet Lothar Mark, der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums.

Also wohin mit dem Geld? Die Idee einer Stiftung überzeugte. Das Ziel war, innerhalb von zehn Jahren eine Million anzusparen. Danach könne der Verein von den Zinsen leben, hofften Optimisten - angesichts von Zinssätzen von sieben bis acht Prozent.

Es kam anders: Die Zinsen sanken und die Spenden stiegen. „In dem Maß, in dem klar war, dass das Geld erhalten bleibt, ist die Stiftung doppelt so schnell gewachsen“, blickt Lothar Mark zurück. Nach zehn Jahren lag das Stiftungskapital nicht bei einer Million Mark, sondern bei einer Million Euro.

Die Stiftung „Gemeinsam mit Behinderten“ leistet einen Beitrag dafür, dass behinderte Erwachsene möglichst selbstständig leben können. Im Haus Emmanuel und den beiden Erweiterungsbauten leben 18 behinderte Menschen - 13 in einer betreuten Wohngruppe und fünf in kleinen Appartements. Doch noch immer fehlen im Kreis Offenbach mehr als 100 Wohnplätze.

Staatssekretär Michael Bußer würdigte das Engagement des Vereins und der Stiftung: „Sie tragen dazu bei, dass eine gewisse Normalität entsteht.“ Vielen Menschen falle es immer noch schwer, den richtigen Umgang mit behinderten Mitbürgern zu finden: „Man will es gut machen und tappt manchmal schlimm daneben.“

Das „Stifterland Hessen“ stehe mit rund 1 700 Stiftungen bundesweit an dritter Stelle, sagte Bußer. Aus Sicht der Regierung sei das zu begrüßen: „Der Staat kann nicht alles machen - und nicht alles kann der Staat besser.“ Gerade der 24-Stunden-Lauf sei ein herausragendes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement - mit rund 500 Sportlern und 1 000 Spendern pro Jahr.

Als Anerkennungsprämie für die Stiftung des Monats überreichte der Staatssekretär 500 Euro, die in das Stiftungskapital fließen sollen. „Uns ist jede Spende recht“, bedankte sich Kuratoriumsvorsitzender Lothar Mark: „Der kleine Bub, der sein Taschengeld mitbringt, ist genauso willkommen wie Post aus Wiesbaden.“ eh

Quelle: op-online.de

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