Beratung am Fließband

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Immer mehr Eltern suchen Rat bei Erziehungsprofis von Caritas und Kinderschutzbund.

Rodgau - (pul) Eine gleichbleibend hohe Nachfrage von Eltern wegen Erziehungsproblemen registriert der Deutsche Kinderschutzbund Rodgau/Rödermark (DKSB). Auch nachlassende schulische Leistungen oder Schwierigkeiten während der Pubertät gehören zu Schwerpunkten der täglichen Beratungen.

528 Beratungsgespräche führten die beiden Mitarbeiterinnen der DKSB-Beratungsstellen in Weiskirchen und Urberach im vergangenen Jahr. Dabei bearbeiteten sie 164 Fälle.

Um dem Nachwuchs ein solides Fundament für eine gefestigte Persönlichkeit mit auf den Lebensweg zu geben, empfehlen Fachleute neben festen Regeln auch Nestwärme und vertrauensvolle Gespräche, sowohl während der Kindheit als auch in der Jugend.

Darf ich streng sein oder verliere ich dadurch die Liebe meines Kindes? Mit Fragen wie diesen wenden sich verunsicherte Eltern an die beiden Diplom-Sozialpädagoginnen des DKSB, Hildegard Weidemann und Beate Jungbluth. Besonders wenn die

Familie Schwierigkeiten wie Scheidung, Arbeitslosigkeit oder hohen Leistungsdruck am Arbeitsplatz zu bewältigen hat, fällt es Eltern schwer, den stabilen familiären Rahmen aufrecht zu halten. Dabei können feste Rahmenbedingungen laut Beate Jungbluth viele Probleme lösen - oder erst gar nicht entstehen lassen.

„Grenzen zu setzen und diese konsequent einzuhalten ist der richtige Weg bei der Kindererziehung. Kinder müssen lernen, dass es Regeln gibt.“ Täglich zur gleichen Zeit gemeinsam zu essen oder die tägliche Nachtruhe ab 20 Uhr sind Beispiele für sinnvolle Lebensregeln. Aus den Fugen geraten kann die Familienidylle, wenn die Regeln von Seiten der Eltern aufgeweicht werden: Mal ist das Fernsehen vor den Hausaufgaben tabu, an anderen Tagen wird es zugelassen. Dann fehlt dem Kind die Orientierung. Neben Regeln ist auch die Nestwärme für Kinder unerlässlich.

„In den ersten Lebensjahren wünschen sich die Kleinen Sicherheit in der eigenen Familie“ so Dr. Eberhard Meyer von der Kinder- und Jugendpsychiatrie Riedstadt. „Sie wollen das Vertrauen aufbauen, sich in schwierigen Situationen an die Eltern wenden zu können.“

Permanente Kommunikation spielt hier eine wichtige Rolle. So sehen das auch die Erzieherinnen Christiane Hachmann und Andrea Klem von der evangelischen Kindertagesstätte Birkenhain in Nieder-Roden: „Kommunikation ist sehr wichtig. Besonders über Gefühle.“ Kinder sollen diese wahrnehmen und ausdrücken können.

Kontakt: Kinderschutzbund: 06106 62186 (auch Gewaltpräventions-Workshops), in der Schillerstraße 27b in Rodgau-Weiskirchen und Am Schellenbusch 1 (Halle Urberach in der Nachbarstadt Rödermark). Caritas-Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche: 06074 30177-11. Suchtberatung unter 06074 30177-0.

Für Martin Störner (Sozialarbeiter der Stadt Rodgau an der Geschwister-Scholl-Schule) haben Gespräche mit dem Nachwuchs ebenfalls höchste Priorität. Außerdem sieht er den regelmäßigen Gang zum Kinderarzt als unabdingbar an: „Der Arzt kann auffällige Verhaltensweisen feststellen und geeignete Therapien einleiten.“ Fehlt im Kindesalter das ordnende, familiäre Fundament, kann der Nachwuchs im Jugendalter auf die schiefe Bahn geraten. Laut Dr. Meyer aus Riedstadt zeigen immer mehr Jugendliche Auffälligkeiten wie massive Zurückgezogenheit oder Gewaltbereitschaft, bis hin zum Drogenkonsum.

Auch unkritische Gewaltdarstellung in den Medien ist bedenklich, kann aber nicht als alleinige Ursache für Fehlverhalten der Jugend stehen, so Dr. Meyer.

Aber nicht nur die Eltern haben Schwierigkeiten mit den heranwachsenden Kindern. Anders herum stellt es sich für die Pubertierenden genauso dar. Durch die hormonelle Umstellung im Rahmen des Reifeprozesses verändert sich die Wahrnehmung - aus Sicht der Jugend werden die Eltern schwierig.

Deshalb existieren Sorgentelefone nicht nur für Eltern. Auch Jugendliche finden bei Problemen in Schule und Elternhaus schnell telefonisch professionelle Hilfe.

Erziehungsprobleme bilden einen Schwerpunkt der Beratungstätigkeit beim DKSB Rodgau/Rödermark. 40 Fälle nennt der Jahresbericht 2008. In diese Kategorie gehören auch Regel- und Grenzverletzungen (22) und Ablösungskonflikte in der Pubertät (26) - insgesamt also 88 Fälle

Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen führten 53 Erwachsene in die Beratungsstelle.

Wegen Trennung und Scheidung suchten 28 Klienten Rat, deutlich weniger als im Vorjahr.

Die Anfragen wegen innerfamiliären Krisen, Beziehungsstörungen und psychischen Belastungen haben sich mehr als verdoppelt - auf 65.

Schulleistungsprobleme machten 34 Ratsuchenden Sorgen.

Probleme im sozialen Umfeld wurden 44 Mal genannt. Verdacht auf sexuelle Misshandlung bestand in drei Fällen. -pul

Quelle: op-online.de

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