Neues Beratungsangebot

Auswege aus der Schulverweigerung

Rodgau - Das soziale Netz für Jugendliche ist um eine weitere Masche dichter geworden. Wo die Schulsozialarbeit nicht weiter kommt und das Jugendamt (noch) nicht gefragt ist, bietet Sabrina Wolfframm ihre Hilfe an.

Die Sozialpädagogin kümmert sich um Schüler, die keinen „Bock“ auf Schule haben. Außerdem begleitet sie Jugendliche dabei, eine berufliche Zukunft zu finden.

Ein Beispiel: Nadine S. (Name geändert) in Dietzenbach geht schon seit Wochen nicht mehr zur Schule. Sie wiederholt die 9. Klasse, doch die Noten werden nicht besser. Ihre Eltern wollen, dass sie den Realschulabschluss macht, um bessere berufliche Chancen zu haben. Doch was Nadine will, danach fragen sie nicht. Das Mädchen steht vor einem Berg an persönlichen Problemen, auch in der Familie. Gemeinsam mit der Schulsozialarbeiterin gelingt es Sabrina Wolfframm, das Selbstbewusstsein des Mädchens zu stärken und ein Problem nach dem anderen zu lösen. Mit dem Hauptschulabschluss in der Tasche ist Nadine S. jetzt im zweiten Ausbildungsjahr als Verkäuferin.

„Endlich hört mir jemand zu“

„Wenn die Jugendlichen es möchten, dann kann ich ein Angebot schaffen, das ihnen entspricht“, sagt Wolfframm. Die Eltern seien allerdings nicht immer begeistert. Doch für die Sozialpädagogin ist wichtig, was die jungen Menschen wollen und welcher Weg im Einzelfall der richtige ist. Viele Jugendliche empfänden die Gespräche mit ihr als große Erleichterung, berichtet sie: „Endlich hört mir mal jemand zu.“

Die 28-Jährige weiß, wovon sie spricht. Sie arbeitet seit zwei Jahren im Beratungsangebot „Jugend in Schule und Beruf“, das bisher beim Kreis Offenbach angesiedelt war. Seit 2. Januar ist Sabrina Wolfframm in Rodgau. Ihr Arbeitsbezirk umfasst aber den ganzen Ostkreis. Sie ist Ansprechpartnerin für acht weiter führende Schulen in Rodgau, Rödermark, Seligenstadt und Hainburg. Die Personalkosten übernimmt der Kreis - vorerst aber nur für dieses Jahr.

Für die Stadt Rodgau stellt das Beratungsangebot „Jugend in Schule und Beruf“ eine willkommene Ergänzung dar. Bereits seit vielen Jahren engagiert sich Rodgau für die Sozialarbeit an Schulen und für den Übergang von der Schule in den Beruf. Dazu zählt auch das Projekt „Rodgau 16 plus“ zur Jugendberufsförderung. Schon vor Jahren formulierte die Stadt als Bildungsziel: Keiner darf zurückbleiben.

Persönliche Tragödien

„Jeder junge Mensch, der uns hier verloren geht, ist eine persönliche Tragödie“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann gestern vor der Presse. Es sei aber auch eine hohe Belastung für die Volkswirtschaft, wenn junge Menschen ohne berufliche Chancen auf Dauer von Sozialleistungen abhängig seien. Hoffmanns Fazit: Wenn nur ein Schulverweigerer wieder in die richtige Spur komme, habe sich das Beratungsangebot schon bezahlt gemacht.

Schulverweigerung fängt übrigens nicht erst dann an, wenn jemand wochenlang fehlt. „Die sehr hohen Fehlzeiten nehmen ab“, berichtet Sabrina Wolfframm aus ihrer Erfahrung im Kreis Offenbach. Der Trend gehe eher dahin, ungeliebte Unterrichtsfächer zu schwänzen oder sich vor wichtigen Arbeiten krank zu melden. Schwerer zu erkennen ist das Phänomen der „passiven Schulverweigerung“: Dann ist der Schüler zwar körperlich anwesend, aber hat sich geistig längst verabschiedet.

In jedem Fall ist die Beraterin auf Hinweise von Lehrern oder Eltern angewiesen. Sabrina Wolfframm ist unter 693-1276 erreichbar.

eh

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

Kommentare