Feuerwehr sorgt für Zündstoff

Rodgau - (eh) Mit Hochdruck geht die Stadt dem Neubau eines Feuerwehrhauses für Jügesheim und Hainhausen entgegen.

Einstimmig beauftragte das Stadtparlament am Montag den Magistrat, die Planungs- und Projektsteuerungsaufträge zu erteilen. Für das Jahr 2010 wird im Haushaltsplan bereits jetzt ein Betrag von fast 4,8 Millionen Euro festgelegt. Geplanter Einzug: Mitte Mai 2011.

Die Debatte ums Feuerwehrhaus wurde zur Generalabrechnung mit Bürgermeister Alois Schwab. Ihm warfen Parlamentarier vor, entscheidende Schritte auf dem Weg zur Baugenehmigung versäumt zu haben.

Grundlagenbeschluss zum Neubau des Feuerwehrhauses für die Stadtteilwehren Jügesheim und Hainhausen ... lesen

Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, ist fraglich geworden, wie der neue Hochbaudezernent Michael Schüßler am Montag eingestand. Erst vor wenigen Tagen habe er erfahren, „dass in den letzten Jahren keine Abstimmungsgespräche mit der Bauaufsichtsbehörde stattgefunden haben“. Die Stadt habe nicht einmal eine Bauvoranfrage gestellt, um mögliche Konfliktpunkte früh auszuräumen. Wegen der vielen offenen Fragen (Naturschutz, Altlasten) sei der Neubau „kein einfaches Projekt“. Kreisbaudezernentin Claudia Jäger habe jedoch ihre Unterstützung zugesagt. Allein letzte Woche hätten drei Gespräche mit der Bauaufsicht stattgefunden. Beifall von den Feuerwehrleuten auf dem Zuhörerbalkon erhielt Schüßler für seine Aussage: „Wir müssen die Realität hinnehmen, ob sie uns passt oder nicht.“

In einem Brief an Stadtrat Schüßler hatte die Erste Kreisbeigeordnete deutliche Töne angeschlagen. Sie sei verwundert, dass die Bauaufsicht am 9. Februar erstmals zwei Planskizzen aus dem Jahr 2008 zu dem schon lange geplanten Bauprojekt erhalten habe. Das sei ein ungewöhnliches Vorgehen: Andere Städte bemühten sich bei solchen Vorhaben um eine intensive Vorabstimmung.

Es ist lückenlos an Hand dicker Aktenbündel nachzuweisen, dass der Feuerwehrstützpunkt (…) sorgfältig geplant wurde“, verteidigte sich Bürgermeister Alois Schwab gegen einen Vorwurf, den weder Schüßler noch Jäger erhoben hatte. Die Verzögerung rechtfertigte Schwab mit „ständig neuen Prüfungsaufträgen“ und der „mangelnden Entschlusskraft des Magistrats“.

Info

Die Freiwillige Feuerwehr Jügesheim hat 56 Mitglieder, sechs Frauen. Im vergangenen Jahr hatte sie 170 Einsätze mit 2744 Arbeitsstunden.
Die fünf Rodgauer Feuerwehren haben bislang noch eigene Standorte. Neben den Feuerwehren Jügesheim und Hainhausen sollen auch die Nieder-Roden und Dudenhofen zusammengelegt werden.

Mit diesen Äußerungen löste der Bürgermeister eine Debatte aus, die an ein Tribunal erinnerte. „Sie haben hier Probleme ausgewalzt, die außer Ihnen keiner hat“, warf ihm Jürgen Kaiser (SPD) vor. Schwab sei dem Auftrag nicht nachgekommen, den Feuerwehrneubau voranzubringen. An angebliche Gespräche mit der Bauaufsicht erinnere sich niemand außer dem Bürgermeister, Aktennotizen gebe es davon nicht.

Clemens Jäger (CDU) betonte, „dass dieses Projekt erst in Gang kommt, seit Stadtrat Michael Schüßler dafür zuständig ist“. Nicht der Bürgermeister, sondern das Präsidium der Stadtverordnetenversammlung habe das Thema Feuerwehrhaus immer wieder forciert. Dies unterstrich auch Heino Reckließ (FDP). Eine klare Mehrheit stehe hinter dem Neubau: „Sie haben uns über Garagentore und Holzpelletheizungen philosophieren lassen, ohne uns zu sagen, dass Sie nicht mal eine Bauvoranfrage gestellt haben“, hielt er dem Bürgermeister vor.

Im Namen der Magistratskollegen verwahrte sich Stadtrat Schüßler gegen den Vorwurf, Entscheidungen zu blockieren. Dies sei eine jener Legenden, die Alois Schwab verbreite. „Damit muss endlich Schluss sein“, forderte Schüßler: „Den Magistrat bloßzustellen, hat mit Anstand nichts zu tun.“ In eine ähnliche Kerbe hieb Karl-Heinz Dauth (FWG): „Wir als Parlamentarier lassen uns nicht in der Öffentlichkeit für einen Vorgang beschimpfen, den andere verbockt haben.“

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Brief der Feuerwehr Jügesheim an den Fraktionsvorsitzenden Rodgaus bezüglich Feuerwehrhausneubau

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In der unerfreulichen Debatte sah Winno Sahm (Bündnis 90/Die Grünen) auch etwas Gutes: Jetzt erlebe auch einmal die Öffentlichkeit, „dass ein Mann sich in ein unaufhebbares Abseits manövriert hat“. Der Bürgermeister sei schwer in der Lage, mit anderen Menschen projektbezogen und zielorientiert zu arbeiten und seine eigenen Befindlichkeiten zurückzustellen. Das hindere ihn daran, „ein erfolgreicher Bürgermeister zu sein“. Alois Schwab habe „als einsamer Wolf inzwischen auch die Gutwilligsten auf Distanz gebracht“. Die Diagnose des Diplompsychologen: „Die Beziehung ist unrettbar zerrüttet. Es kann nur darum gehen, auf halbwegs zivilisierte Weise auseinanderzugehen.“

Zitate

„Eine Lüge ist wie ein Schnellball: Je mehr Sie sie rollen, desto größer wird sie.“

Heino Reckließ (FDP) mit Blick auf Bürgermeister Alois Schwab.

„Sie müssen sich nicht bei mir entschuldigen, Sie diskreditieren sich selbst.“

Bürgermeister Alois Schwab als Antwort auf Heino Reckließ.

„Der Bürgermeister handelt nach der Devise: Wo ich bin, ist vorne, und wenn ich mal hinten bin, ist dort vorne.“

Hans-Jürgen Lange (CDU).

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Feuerwehr Dudenhofen

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