Betriebe werben um Nachwuchs

Handwerk sucht Köpfe

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Auch im Friseurberuf ist Köpfchen gefragt: Ausbildungsbetriebe legen Wert auf Allgemeinbildung und die Fähigkeit des Zuhörens.

Nieder-Roden - „Handwerk hat Zukunft“: Diese Botschaft vermittelte die Bildungsmesse der Stadt Rodgau. Innungen und Betriebe stellten eine kleine Auswahl aus den rund 120 Handwerksberufen vor.

Kleine und mittlere Handwerksbetriebe seien eine Stütze der Wirtschaft in der Region, sagte Erster Stadtrat Michael Schüßler zur Eröffnung der Messe. Aber wie lange gilt das noch? Schon seit Jahren klagen Handwerker über Nachwuchsmangel. Das betrifft nicht nur Bäcker und Metzger, sondern auch andere Branchen.

Selbst für Friseure ist die Situation schwieriger geworden, wie Helga Littin-Papadopoulos (Offenbach) berichtet. Als Innungs-Obermeisterin vertritt sie rund 110 Friseurbetriebe in Stadt und Kreis Offenbach. Viele Bewerberinnen brächten nicht die notwendigen Voraussetzungen für diesen Beruf mit, sagt sie. Neben einem Sinn für Schönheit seien körperliche Fitness, eine gute Allgemeinbildung und die Fähigkeit des Zuhörens wichtig. Für die Kunden sei der Friseursalon ein Ort des Wohlbefindens, in dem sie von der Alltagshektik abschalten können. Deshalb bestehe die Berufstätigkeit nicht nur im Verschönern und Gestalten. Der Kontakt mit den Menschen könne bis hin zu einer Art Lebensberatung gehen. Angehenden Azubis im Friseurhandwerk rät die Obermeisterin, ihren Ausbildungsbetrieb bewusst auszuwählen. Nicht überall sei die Qualität der Ausbildung gleich hoch.

„Schreiner wird es immer geben“

„Schreiner wird es immer geben“, ist Felix Kloos überzeugt. Er absolviert derzeit eine Ausbildung bei der Firma Heinrich Kramwinkel GmbH in Mühlheim. Sein Azubi-Kollege René Graf (Schreinerei Hildebrandt, Dreieichenhain) betont die Vielseitigkeit dieses Berufs. Gerade in kleinen Handwerksbetrieben müsse jeder alles können: Fenster-, Türen- und Innenausbau, den Bau von Möbeln, die Reparatur von Rollläden und die Verlegung von Parkett und Laminat. „Es ist ein toller Beruf, man kann viel gestalten“, sagt René Graf. Außerdem sei Holz ein ganz besonderer Werkstoff, der sich gut verarbeiten lässt und immer wieder anders ist. Die Nachwuchssituation sehen die beiden jungen Männer differenziert. Kleine Betriebe suchten oft händeringend nach Bewerbern. Andere Unternehmen hätten sich nach enttäuschenden Erlebnissen aus der Ausbildung zurückgezogen.

Nur sechs Mitglieder hat die Glaser-Innung Stadt und Kreis Offenbach. Alle bilden aus. „Wir sind froh um jede qualifizierte Bewerbung“, sagt Melanie Oehler von der Firma Glasbau Frommen GmbH (Offenbach). Nachwuchs zu finden, sei in den letzten Jahren schwieriger geworden: „Glaser ist eher ein Nischenberuf.“ Die Bildungsmesse trage dazu bei, ihn bekannter zu machen. Das Unternehmen mit rund 25 Mitarbeitern bildet jedes Jahr zwei Glaser aus, wenn es geeignete Bewerber findet. Ein zweiwöchiges Praktikum ist Pflicht: „Auf der Baustelle ist der Ton anders als im Büro.“ Melanie Oehler ist überzeugt, dass der Beruf des Glasers Zukunft hat: „Alles, was die Architekten planen, muss umgesetzt werden. Die Gebäude werden immer transparenter – aber irgend jemand muss das ja auch einbauen.“

Bildungsmesse in Nieder-Roden

Bildungsmesse in Nieder-Roden

Die Karrierechancen im Handwerk unterstreicht Bernd Ehinger, der Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main: Hessen habe als erstes Bundesland den Meisterbrief dem Abitur gleichgestellt. Wer es nach den Gesellenjahren zum Meister gebracht hat, darf nicht nur einen eigenen Betrieb aufmachen, sondern auch studieren. eh

Quelle: op-online.de

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