Prozess um Rodgauer Großbetrüger

Die 19 Millionen bleiben verschwunden

Rodgau (gel) - Seine Kunden gingen stinksauer ins Büro rein und kamen mit einem Lächeln wieder heraus. Manipulatives Geschick, erfolgreiches Vertrösten und jede Menge positive Ausstrahlung wurden dem Rodgauer 19-Millionen-Betrüger nachgesagt.

Ein Geldanleger hat ihm trotz Verlusten im fast sechsstelligen Bereich sogar eine Büste angefertigt. So verblendet seine Umgebung damals war oder heute noch ist - nach fünf Jahren Haft (von dreizehneinhalb Jahren) ist von seiner Aura vor der 6. Strafkammer in Darmstadt nicht mehr viel zu spüren. In schlichtem roten Sweatshirt, dunkler Hose und Turnschuhen sitzt der Straftäter zum dritten Mal im Zeugenstand in einem Berufungsverfahren gegen seinen früheren Rechtsanwalt (wir berichteten). Dem 50-jährigen wird Beihilfe zum Betrug seines Mandanten in sieben Fälle vorgeworfen. Knackpunkt ist dabei ein Referenzschreiben des Anwalts, in dem er der Betrügerfirma seines Mandanten im April 2004 Kompetenz, Seriösität und vor allem Bonität bescheinigt.

Das Schreiben sollte für ein Hotelprojekt in Kroatien benutzt werden, wurde jedoch auch als Empfehlung an anlagewillige Kunden ausgehändigt. Dass die Grundlagen dieses Briefs allesamt gefälscht oder überhöht waren, will der Anwalt nicht gewusst haben. Sein Mandant bestätigt diese Aussage. Angeblich soll die Sekretärin der Betrügerfirma das Schreiben ohne sein Wissen weiter gegeben haben.

Veruntreuten 19 Millionen weiterhin verschwunden

Zwischen dem Anwalt und der Betrügerfirma sind 459.000 Euro geflossen. Der Jurist hat seinen Wohnsitz nach angeblich wirtschaftlichem und sozialem Ruin inzwischen in die Schweiz verlegt. Der verurteilte Betrüger ist zwar nicht mehr sein Mandant. Trotzdem hat er ihn im vergangenen Jahr mindestens zehnmal in der JVA Weiterstadt besucht.

Da die veruntreuten 19 Millionen weiterhin verschwunden sind, drängen sich Fragen auf: Könnte man etwa unterstellen, dass der Anwalt für seinen früheren Mandanten die Vermögensverwaltung macht? Vielleicht fragt sich Richter Martin Rößler deshalb: „Ist das, was hier angeklagt ist, eigentlich die richtige Tat?“ Ob er in den nächsten fünf Verhandlungstagen der Wahrheit ein Stück näher kommt, bleibt wegen der vielen nebulösen Zeugenaussagen und der schwierigen Beweislage allerdings fraglich.

Quelle: op-online.de

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