Bezahlbarer Wohnraum als Ziel

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Seit sieben Jahren stehen die Häuser Ludwigstraße 58 und 60 leer. Dort und auf dem dahinter liegenden Grundstück will die Stadt 22 Sozialwohnungen errichten.

Jügesheim ‐ Die geplante Seniorenwohnanlage in der Ludwigstraße 58 bis 60 nimmt Gestalt an. Eine Vorplanung sieht drei Häuser mit zusammen 22 Wohnungen vor. Am kommenden Montag entscheiden die Stadtverordneten, ob die Stadt die Planung weiterverfolgt und Fördermittel beantragt. Von Ekkehard Wolf

Erstmals seit vielen Jahren würde die Stadt Rodgau dann wieder Sozialwohnungen bauen.

Das Gelände ist seit Jahren als Standort einer Seniorenwohnanlage im Gespräch. Erfolglos versuchte der Magistrat, Investoren dafür zu gewinnen. „Sie haben uns nicht die Türen eingerannt“, formulierte Stadtrat Michael Schüßler jetzt im Bau- und Verkehrsausschuss. Die Gewinnmarge sei uninteressant, nicht zuletzt wegen des hohen Grundstückspreises von 410 Euro pro Quadratmeter.

Die Stadt kann günstiger kalkulieren, da sie keinen Gewinn erzielen will. Ein Landesbaudarlehen von rund 1,4 Millionen Euro zum Mini-Zinssatz von 0,9 Prozent erleichtert es, den 3,3-Millionen-Neubau finanziell zu stemmen. Dennoch werden die Sozialwohnungen ein Zuschussgeschäft sein: Etwa 30 000 Euro im Jahr muss die Stadt drauflegen. „Wir haben eine sozialpolitische Verantwortung“, betont Schüßler. Im Gegensatz zu Rödermark denke Rodgau nicht an Eigentumswohnungen, die sich Vermögende für ihren Lebensabend leisten können, sondern an Mietwohnungen für Menschen mit geringem Einkommen.

Die geplanten Wohnungen verteilen sich auf drei Gebäude

Auch das Betreuungskonzept („Wohnen mit Service“) ist niederschwellig angelegt. Jeder Bewohner kann frei wählen, welche Leistungen er in Anspruch nehmen möchte. Für 60 Euro im Monat bietet die Sozialstation ein Paket an Grundleistungen mit Hausnotruf rund um die Uhr. Zusatzleistungen können bei Bedarf auch bei anderen Anbietern in Anspruch genommen werden.

Die geplanten Wohnungen (15 mal zwei Zimmer, sieben mal drei Zimmer) verteilen sich auf drei Gebäude. Der Bebauungsplan will es so. Weitere Vorschriften, etwa zum Brandschutz und zu den Parkplätzen, verringern den kreativen Spielraum des Architekten bis fast auf Null. „Dieses Grundstück erfordert eine ganze Reihe an Kompromissen“, so Hochbaudezernent Schüßler. Beispiel: Eine überdachte Brücke zwischen den Gebäudeteilen, die einen zweiten Aufzug einsparen sollte, wird dem Brandschutz nicht gerecht.

Kritische Fragen im Bauausschuss kamen von Rolf Neumayer (CDU). Er wunderte sich über das frühe Planungsstadium, in dem Zahl und Größe der Wohnungen noch veränderbar seien. Ein Manko seien die Schlafzimmer zweier Wohnungen im Vorderhaus zur Ludwigstraße hin: „Da kann man nachts kein Fenster aufmachen.“ Jürgen Kaiser (SPD) sah darin ein grundlegendes Problem, das auch alle anderen Anwohner der Ortsdurchfahrt betreffe: „Das spricht dafür, dass das eine unzumutbare Wohngegend ist. (…) Dann muss man über Autoverkehr und Fahrgeschwindigkeiten reden.“ Heino Reckließ (FDP) wies auf den steigenden Bedarf an Sozialwohnungen hin, wenn „die Lücke zwischen Arm und Reich immer größer wird“.

FAKTEN

  • 22 Sozialwohnungen von 49 bis 84 m² sind geplant.
  • Die Miete soll 6,38 Euro pro Quadratmeter kosten.
  • Zur Ludwigstraße hin sind Sozialräume wie z.B. ein Seniorencafé möglich.
  • Geplante Eröffnung: im ersten Halbjahr 2011.
  • Die Stadt vermietet derzeit 184 Wohnungen, davon 100 Sozialwohnungen.
  • Die bislang letzten Sozialwohnungen errichtete die Stadt 1998 in Dudenhofen, Am Rückersgraben.

Quelle: op-online.de

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