Biber lässt sich an Rodau nieder

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Am Mittwoch hat Hans Schwarting an der Rodau erstmals Nagespuren eines Bibers entdeckt.

Rodgau (bp) ‐ Hans Schwarting ist freudig überrascht - und sogar ein wenig euphorisch. Am Mittwoch hat er an der Rodau erstmals Nagespuren eines Bibers entdeckt. Der tierische Baumeister hat im renaturierten Bereich des Baches kleine Bäume gefällt und teils ins Wasser gezerrt.

„Nach den Vorkommen, die wir in Hergershausen und Hausen aktuell beobachten, war die Ankunft des Bibers in Rodgau zwar zu erwarten. Trotzdem ist das eine kleine Sensation“, freut sich der Biber-Beauftragte des Naturschutzbunds (Nabu).

Vom Biber sieht man meist nur Nagespuren - wie hier an der Rodau. Die Tiere renaturieren die Bachauen und schaffen Artenvielfalt.

Das bis zu 1,30 Meter große Tier leistet als Landschaftsgestalter einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Der Nabu bittet Spaziergänger weitere Spuren zu melden. Kontakt: Hans Schwarting, z 06106 668088, E-Mail: Hans.Schwarting@ t-online.de. Bei Hausen waren zum Jahresanfang Biberspuren entdeckt worden. Bereits im April 2009 hatten Passanten dem Nabu einen Biber am Braubach bei Dörnigheim gemeldet. In Hergersausen an der Gersprenz lebt inzwischen eine Familie mit etlichen Jungen.

Der Nabu begrüßt es sehr, dass sich die Nager ansiedeln. Die Vorkommen an der Gersprenz würden „hoffentlich bald mit den Vorkommen der Wetterau und dem Main-Kinzig-Kreis vernetzt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Wahrscheinlichkeit von Familiengründungen steige.

Der Rodgauer Biber stamme vermutlich aus der benachbarten Familie. Hans Schwarting erwartet nicht, dass das Tier eine Burg baut und die Rodau staut. Vielmehr werde der Bieber dort nur fressen und in einer Röhre im Ufer leben.

Landwirte sollen dem Nabu zufolge nicht zu nah an die Rodau heranfahren, weil die unterirdischen Biberröhren bis zu zehn Meter vom Ufer wegführen können (in Einzelfällen sogar 30 Meter). Traktoren könnten einsinken. „Daher ist es so wichtig, dass wir wissen, wo die Biber sitzen, damit man Schäden vermeiden kann“, appelliert Schwarting. Gefällte Bäume sollen auf keinen Fall weggeräumt werden, da der Biber dann neue fällen müsse, um an Futter zu kommen.

Hans Schwarting vom Nabu entdeckte am Mittwoch diese Fraßspuren eines Bibers an der renaturierten Rodau.

Entscheidend für eine Etablierung der Nager im Kreis Offenbach sei die Bildung weiterer Biberfamilien mit Jungtieren. Der Biber ist in aller Regel nachts aktiv. Er hält keinen Winterschlaf und muss jetzt, da es keine Uferstauden zu fressen gibt, die Rinde von Bäumen vertilgen. Am liebsten mag er dünne Zweige von Weiden und Pappeln. An Erlen oder Nadelbäume geht er fast nie. Nach dem Abnagen verwendet der Biber die Stämmchen manchmal zum Bau einer Biberburg oder für einen Damm. Dies macht er, wenn der Wasserstand geringer als 50 Zentimeter oder die Strömung zu schnell ist. Denn diese Wassertiefe braucht Deutschlands größtes Nagetier, um Tauchen zu können.

Im Flachland der Untermainebene ist laut Nabu mit Biberdämmen eher selten zu rechnen. Dies trete im Mittelgebirge hingegen regelmäßig auf. Biber leisteten „einen wichtigen Beitrag zu Hochwasserschutz und Grundwasserneubildung“.

Daten und Fakten:

  • Im Spessart leben heute wieder etwa 150 Biber.
  • Eine Exkursion zum „Wasserbaumeister Biber“ bietet der Naturschutzpark Spessart an. Landschaftsführerin Gabi Bechold begleitet Interessenten am Sonntag, 13. Februar, bei Rieneck (Sinntal) bei der Spurensuche. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr auf dem Parkplatz des Hotels „Dürnhof“ in Rieneck.
  • Kontakt Tel. 09356 2349.
  • 1987 wurden Biber in Hessen wieder eingebürgert. Die sechs Tiere stammten von der Elbe.
  • 1988 kamen nochmals zwölf Exemplare an.

Quelle: op-online.de

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