Der Biber ist in Rodgau willkommen

Rodgau - Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Landwirten und Naturschützer haben an einer Informationsveranstaltung der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach zur Besiedlung der Rodau und Bieber durch den Biber teilgenommen. Von Bernhard Pelka

„Nachdem der erste Biberdamm, der seit Jahrhunderten in der Rodau gebaut wurde, durch Unkenntnis zerstört wurde, wollen wir durch Information und Kommunikation die Besiedlung unserer Gewässer durch den Biber positiv begleiten und frühzeitig etwaige Fragestellungen klären“, erläuterte Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger den Grund der Veranstaltung. Karsten Heinrich von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) im Kreis Darmstadt-Dieburg dokumentierte in einem Film die Besiedlung der Gersprenz durch den Biber.

Beeindruckende Bilder von Bibern mit ihren Jungen

Nur wenige Kilometer von Rodau und Bieber entfernt haben sich die Tiere in einem renaturierten Abschnitt niedergelassen. In beeindruckenden Bildern waren die Biber bei der Nahrungsaufnahme, beim Transport ihrer Jungen und bei der Fellpflege zu beobachten. Anschließend ordnete der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach, Jörg Nitsch, den Biber rechtlich ein. „Der Biber ist streng geschützt und darf während seiner Fortpflanzungs- und Wanderzeiten nicht gestört werden. Auch dürfen die Fortpflanzungs- und Ruhestätten, also dessen Dämme und Bauten, nicht beeinträchtigt werden“, so das Fazit des Diplom-Biologen.

Genau dies war in Rodgau in einem renaturierten Abschnitt der Rodau aber passiert. Ein Landwirt hatte den frisch errichteten Biberdamm weggeräumt.

Insgesamt etwa 220 Biber in Hessen

„Die Gewässerpflege an Rodau und Bieber hat die Bedürfnisse des Bibers zu berücksichtigen. Die Naturschutzbehörde des Kreises muss zukünftig bei allen Veränderungen und Räumungen im Gewässerbett eingeschaltet werden“, forderten die Biologen.

Die Biber an der Gersprenz gehören zu zirka 220 Tieren, die in Hessen heimisch sind. Jürgen Siek, der für das Regierungspräsidium Darmstadt die hessische Biberausbreitung beobachtet, berichtete von Erfahrungen an anderen Gewässersystemen. „Der Biber führt kaum zu Problemen. Die wenigen Konflikte liegen zudem zu 90 Prozent in einem Abstand von nur zehn Metern zur Wasserlinie.“ Anhand einiger Bildbeispiele erläuterte Siek Lösungen einzelner Probleme, die im Spessart entstanden sind. Er plädierte für eine enge Kooperation zwischen Grundstückseigentümern, Landwirten, Gemeinden und Behörden. „In jedem Einzelfall können Lösungen gefunden werden, wenn alle miteinander reden.“

Konflikte gemeinsam mit den Betroffenen besprechen

Das Regierungspräsidium besitzt zudem einen speziellen Etat, um Aufwendungen, die durch den Biberschutz entstehen, begleichen zu können. Als gemeinsames Fazit wollen alle Beteiligten eine mögliche Biberansiedlung im Kreis Offenbach positiv begleiten und eventuelle Konflikte mit der Gewässerunterhaltung oder landwirtschaftlichen Nutzung im konkreten Einzelfall besprechen. Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger ist mit dem Ergebnis der Veranstaltung sehr zufrieden. „Wir sind froh, dass die Maßnahmen der vergangenen Jahre nicht nur in der Bevölkerung Anklang finden, sondern auch Tiere und Pflanzen die neuen Angebote annehmen. Der Biber ist im Kreis Offenbach willkommen. Sollten Konflikte auftreten, können diese nun auf gemeinsamer Basis mit den Betroffenen besprochen und gelöst werden.“

Quelle: op-online.de

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