Biberdamm aus Versehen zerstört

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Von dem niedrigen Reisigdamm des Bibers ist nur noch ein kümmerlicher Rest übrig.

Weiskirchen ‐ Erst seit ein paar Wochen hat sich ein Biber an der Rodau niedergelassen - und schon ist er seine erste Behausung los. Von Ekkehard Wolf

Ein Landwirt hat einen etwa 20 Zentimeter hohen Reisigdamm zerstört, den der Biber im Renaturierungsbereich der Rodau nördlich der Autobahn aufgeschichtet hatte. Dem Nagetier machte das offenbar wenig aus: Es wanderte flussabwärts und hat bereits bei Hausen eine Reihe an Gehölzen gefällt.

Der Biberdamm wurde bereits am 28. Januar beseitigt. Der Naturschutzbund (Nabu) Rodgau machte dies erst jetzt öffentlich. Die ehrenamtlichen Naturschützer sprechen von einem massiven Eingriff in den Lebensraum. Der Verursacher habe damit gegen den Artenschutz und gegen europäische Wasserrahmenrichtlinien verstoßen.

„Verquickung unglücklicher Umstände“

Der Bauer handelte in guter Absicht. Seit Jahrzehnten sei es Brauch, dass Landwirte Treibgut in der Rodau an die Stadtverwaltung melden, berichtet Weiskirchens Ortslandwirt Stefan Wolf. Meist habe dann der Bauhof den Bach wieder freigeräumt. An unzugänglichen Stellen hätten die Landwirte diese Arbeit übernommen.

Eine „Verquickung unglücklicher Umstände“ sieht die städtische Pressesprecherin Sabine Fischer. Mehrere Personen, unter anderem ein Landschaftsbeobachter, hätten das vermeintliche Abflusshindernis gemeldet. Von der nahen Brücke aus habe es wie eine Ansammlung von Treibgut und Unrat ausgesehen. Niemand habe damit gerechnet, dass der frisch zugewanderte Biber so schnell mit dem Dammbau begönne. „In Zukunft werden wir sensibler sein“, verspricht Fischer.

Auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach will den Landwirt nicht gleich vor den Kadi zerren. Nach dem Vorfall will sie bei den Landwirten und Städten um Verständnis für die Lebensweise des Bibers werben. In Kürze ist ein Informationsgespräch für alle Anlieger der Rodau und der Bieber geplant.

„Biber gehören zu den streng geschützten Tierarten“

„Wir haben alle aus der Situation gelernt“, sagt Ortslandwirt Stefan Wolf. Er habe sich bereits vor Ort mit der Unteren Naturschutzbehörde getroffen, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Die Landwirte müssten sich erst an die veränderten Verhältnisse gewöhnen.

„Biber gehören zu den streng geschützten Tierarten“, betont der Kreis Offenbach in einer Pressemitteilung, „ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht beeinträchtigt werden. Außerdem dürfen sie auch während der Überwinterungs- und Wanderungszeiten nicht gestört werden. Die Zerstörung eines Biberdamms fällt unter diese Verbote.“ Künftig sei erst die Untere Naturschutzbehörde zu fragen, bevor man vermeintliche Hindernisse aus Ästen und Zweigen in den Bächen beseitige.

„Die Renaturierung an diesem Rodau-Abschnitt ist von der öffentlichen Hand gewünscht“, unterstreicht der Naturschutzbund Rodgau. Die Rückkehr des Bibers beweise, dass die Umgestaltung des Bachs gelungen sei. Neben dem zweitgrößten Nagetier der Welt werden an diesem Rodau-Abschnitt Eisvogel, Silberreiher, Bekassine und weitere Tiere beobachtet, die auf der „Roten Liste“ der bedrohten Arten stehen.

Quelle: op-online.de

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