Honigproduzenten halten sich gegenseitig warm

Bienen lässt die Kälte kalt

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Imker Arnold Werner kümmert sich auch bei Eiseskälte um seine Bienenstöcke im Jügesheimer Feld. Kleines Foto: Ein Gitter vorm Flugloch schützt im Winter vor räuberischen Eindringlingen wie Mäusen.

Rodgau - Minus zwölf Grad kalt war’s zuletzt in der Nacht. Da schickt man gewöhnlich nicht mal einen Hund vor die Tür. Tausende Bienen in ihren Stöcken auf den Rodgauer Feldern müssen mit den Minusgraden hingegen klar kommen. Das gelingt ihnen spielend.

Denn die Natur hat den fleißigen Honigproduzenten viele kluge Verhaltensweisen gegen die Eiseskälte mitgegeben. Eiskristalle, so weit das Auge reicht. Auf verdorrten Gräsern, an der Baumrinde und auch auf Gehwegplatten, die die Abdeckung der Bienenstöcke von Arnold Werner fixieren. „Das macht denen nix aus“, sagt der Hobby-Imker. „Bienen leben auch in weit kälteren Regionen wie zum Beispiel in Norwegen, Schweden und Russland sehr gut.“ Werners Honigproduzenten haben es dagegen vergleichsweise warm. Sie überwintern im Jügesheimer Feld unweit des Maingau-Energie-Stadions.

Eiskristalle überziehen die Abdeckungen der Bienenstöcke von Arnold Werner. Der 74-Jährige hat viel Erfahrung mit Insekten.

Bis zu 50.000 Bienen bilden im Sommer ein Volk. Derzeit sind es nur 8000 bis 12.000. Um die Kälte zu meistern, formieren sie sich unterhalb ihres Futtervorrats im Bienenstock zu einer Kugel. Mittendrin sitzt die Königin. Durch Zittern – also der Bewegung der Flugmuskulatur ohne die Flügel – regulieren sie die Temperatur innerhalb ihrer Kugel. „Außerdem rücken sie natürlich so eng zusammen, wie es nur irgendwie geht“, erläutert Arnold Werner die Taktik. In der Mitte der Bienenkugel ist’s 24 Grad warm, am Rand nur 14.

Augen nach unten: Spuren von Wildtieren finden sich überall

Egal wie kalt es draußen ist – die Insekten haben ein inneres Thermostat und halten diese Temperatur immer gleich. Damit es dabei gerecht zugeht und alle gleich belastet werden, machen’s die Bienen wie die Pinguine: sie wechseln einander ab. Die Insekten am Rand der Kugel dürfen also auch immer wieder mal ins wärmere Innere näher zur Chefin. Schon ab August bereiten Imker ihre Stöcke auf die kalte Jahreszeit vor. Dann dient Zuckerwasser als Grundlage für die Produktion des winterlichen Futtervorrats. Pro Stock verbraucht der Zuchtwart des Imkervereins Maingau etwa 16 Kilogramm Zucker. „Dann kommen noch die Pollen von den Herbstblühern dazu.“

Bald folgen Behandlungen des Bienenstocks mit Ameisen- und Oxalsäure, um einen berüchtigten Parasiten, die Varroamilbe zurückzudrängen. „Und dann warten wir und die Bienen getrost auf den Frühling“ (bp)

Quelle: op-online.de

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