Geschäftsidee kam beim Imkern

Bienenkästen ganz nach Ikea-Manier

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Kunden erhalten ihren Bienenkasten nicht komplett fertig, sondern als Bausatz. Das spart Kosten.

Rodgau - Manchmal bedarf es für eine gute Geschäftsidee eines Anstoßes von außen. Heribert Schwab ist es so ergangen. Als der Nieder-Röder vor vier Jahren aus Spaß am Projekt „Imkern auf Probe“ teilnahm, hatte er den zündenden Einfall. Von Bernhard Pelka

Seither stellt er Bausätze für Bienenkästen her - ganz nach Manier von Ikea. Und ist inzwischen Europas größter Baukastensystemhersteller für Imker-Bedarf. Für diesen Erfolg ist der Preis entscheidend. Schwabs Kunden erhalten nicht den fertigen Bienenkasten, sondern lediglich die Einzelteile aus schadstoffgeprüftem und zertifiziertem Holz, die Schrauben, Isolierung, Nägel und natürlich eine Bauanleitung. Zusammenbasteln und lackieren müssen die Käufer die Ware dann selbst. Dafür kostet der Kasten nur ein Drittel des bisher Üblichen. Nach demselben Prinzip bietet der Unternehmer inzwischen auch Insektenhotels und Nistkästen an.

Schwabs Mitarbeiterin Monika Bayer verpackt Ware, um sie dann zu verschicken.

Bevor der 59-Jährige seine Firma gründete, verdiente er sein Geld 30 Jahre lang als Konstrukteur, Designer und Küchenplaner in der Möbelbranche. Also dachte er sich: „So einen Bienenkasten kriegst du auch selbst hin. Und das viel billiger.“ Der gelernte Farben- und Lackekaufmann tauschte den Anzug gegen Arbeitskleidung und mietete sich in einer Großschreinerei in Weiskirchen ein. Schwab nutzt gegen Bezahlung den Maschinenpark der Firma Herba. Der Spezialanbieter für Heizkörperverkleidungen arbeitet seit 1968 an der Röntgenstraße 6. Firmenchef und Schreinermeister Herbert Amerschläger gab seinem Mieter schon viele gute Tipps.

Das Baukastengeschäft läuft von Dezember bis August. In der Hochsaison arbeiten Schwab und seine Mitarbeiter bis zu 200 Stunden im Monat. Zwölf Typen von Bienenkästen (im Fachjargon Bienen-Beute) sind im Sortiment. Sie heißen Zander Classic, Schweizer Maß, Dadant oder Warré. Das macht 600 verschiedene Einzelteile, die nach Kundenwunsch zusammengestellt und verschickt werden. 70 Prozent der Ware bleiben in Deutschland. Der Rest geht zum Beispiel nach Italien, Belgien, Österreich. In Spitzenzeiten verarbeitet die Firma pro Woche 1500 Quadratmeter Holz, das sich auch zur Bio-Imkerei eignet. Es stammt aus dem Schwarzwald, dem Spessart und aus Wäldern aus Ostdeutschland. Meist Fichte und Kiefer, aber auch Eiche. „Das hätte ich mir nicht träumen lassen“, wundert sich der Tüftler über den Erfolg. Dem Verein, bei dem er Fühlung zur Imkerei aufnahm, ist er übrigens treu geblieben. Im Imkerverein Maingau ist Schwab im erweiterten Vorstand und gestaltet die Internetseite. Weitere Infos: www.bienen-beute.de.

Quelle: op-online.de

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