Bilderbogen aus dem Mittelalter

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Sie spielen die beiden Bösen: Matthias Ott (links) und Michael Willmutz.

Nieder-Roden (eh) - Der Platz an der katholischen Kirche St. Matthias wird im August zur Freilichtbühne. Zum vierten Mal inszeniert die Theatergruppe „Großes Welttheater“ dort ein großes Freilichtstück.

Eine Uraufführung ist am 18. August unter den Linden zu sehen. Das Stück „Fata Rotaha“ wurde speziell für diese Theatergruppe geschrieben. Der Autor hat die Aufführung nicht mehr erlebt: Karl-Heinz Auerswald ist im Herbst gestorben.

Ernsthaft, aber auch voller Lust am Spielen beschäftigt sich die ambitionierte Truppe mit diesem Vermächtnis ihres Freundes. Ein einfaches Erbe ist es nicht: „Karl-Heinz hat uns da vor eine große Herausforderung gestellt“, sagt Erik Schmekel, der zusammen mit Christa Wolf Regie führt. Das Stück ist sehr männerlastig, so dass sich für viele Frauen des Vereins nur schwer ein angemessenes Einsatzfeld finden lässt. Außerdem hat der Autor mehrere Massenszenen eingebaut: Für die Soldaten und die Räuberbande werden noch Mitspieler gesucht, am liebsten mit Bühnenerfahrung.

„Legt den Toten auf den Tisch“: Das Stück spielt in rauen Zeiten.

Das Stück beschäftigt sich mit einem Gründungsmythos des Rodgaus. Im Mittelpunkt steht das Kloster Rotaha, dem „Roden“ seine erste Erwähnung im Jahr 786 verdankt. Ob das Kloster in Nieder-Roden oder Ober-Roden stand, ist dabei egal. „Dieses Stück beschäftigt sich in keinster Weise mit der Diskussion um den Standort“, betont Walter Stolz vom Projektteam.
„Fata Rotaha“ verbindet Geschichte und Geschichten. Um das Kloster und die Zeit Karls des Großen spinnen sich mehrere Handlungsstränge: eine Liebesballade mit glücklichem Ende, eine Mordstory um Rache und Verrat und ein Drama von Macht und Verschwörung. In fünf Akten und 14 Aufzügen entfaltet sich ein Bilderbogen des frühen Mittelalters mit Königen, Hofdamen, Klosterfrauen, Mönchen, Kriegern, Bauern und Händlern.

Frank Bichtemann, Vorsitzender des Vereins Großes Welttheater, bringt es auf den Punkt: „Es geht um das Wenige, was man sicher weiß, und es ist durch die Hand von Karl-Heinz Auerswald in eine phantastische Handlung gewoben.“ Erik Schmekel bezeichnet das Stück als „großes, imposantes Werk“.

Nachdem bereits die alte Schule und das alte Lehrerhaus als Bühnenhintergrund dienten, spielt „Fata Rotaha“ nun vor dem Kirchturm von St. Matthias. Er wurde um das Jahr 1300 errichtet und ist das älteste erhaltene Gebäude in Rodgau. Davor wollen die Bühnenbauer Steffen Hartmann und Walter Stolz eine Drehbühne errichten, damit schnelle Szenenwechsel möglich sind. Ein zusätzliches Element bilden Videoprojektionen, mit denen die Theatergruppe bereits letztes Jahr bei „Momo“ Erfahrungen gesammelt hat.

In gewohnter Weise will die ambitionierte Theatergruppe ihre Zuschauer zum Teil des Stücks werden lassen. „Das hat uns in all den Jahren ausgezeichnet“, sagt Erik Schmekel. Der Probenplan ist dicht gedrängt. An mehreren Tagen pro Woche müssen die Darsteller ran. Eine jugendliche Mitspielerin lässt sogar ihr Tennistraining sausen, um pünktlich bei den Proben zu sein. Den hohen Anspruch der ambitionierten Truppe fasst Schmekel in einfache Worte: „Wir wollen gutes Theater spielen.“

Anspruchsvoll ist auch der Preis der Eintrittskarten. „Wir sind da an der Schmerzgrenze“, gesteht Frank Bichtemann ein, „aber wir müssen auch mindestens 75 Prozent der Karten verkaufen, um ohne Verlust herauszukommen.“ Die Kosten der Freilichtproduktion siedelt er zwischen 20.000 und 25.000 Euro an. Zuschauertribüne, Bühne und hochwertige Tontechnik haben ihren Preis.

Quelle: op-online.de

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