Geballte Berufsinformation

Bildungsmesse mit Motto „Fachkräftesicherung“

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Am Info-Stand des Bäcker Bauder duftete frisches Brot verführerisch.

Rodgau - Die Bildungsmesse platzt so langsam aus allen Nähten. Obwohl die Organisatoren von der Stadt Rodgau Jahr für Jahr weitere Flächen an der Nieder-Röder Sporthalle und der Heinrich-Böll-Schule (HBS) hinzunehmen, reicht der Platz für das breite Angebot kaum aus.

In der Sporthalle gab es am Samstag zwischen den vielen Info-Ständen deshalb zeitweise kaum ein Durchkommen.

Das Interesse der jungen Leute war enorm - was Bürgermeister Jürgen Hoffmann sichtlich beeindruckte. Zur Eröffnung dankte er den vielen Firmen, Schulen, Unis und Verbänden sowie den freiwilligen Helfern auch vom Schulförderverein der HBS für ihr Engagement. Im Zusammenspiel aller Beteiligten wollte der Verwaltungschef einen Beleg für „die Geschlossenheit unseres Bildungssystems“ sehen.

Nicht kommerzielle Bildungsmesse

Oscar Mosler (16): „Die Bildungsmesse hilft mir bei der Orientierung. Das ist für mich zwar jetzt noch nicht aktuell, weil ich in zwei Jahren Abitur machen möchte. Aber das Angebot hier interessiert mich sehr - zum Beispiel die Bundeswehr.“

Erster Stadtrat Michael Schüßler war stolz, dass mit Wirtschaftsminister Florian Rentsch nun zum vierten Mal in Folge ein Mitglied der Landesregierung die Schirmherrschaft über die größte nicht kommerzielle Bildungsmesse in unserer Region übernommen habe. Der Minister zollte seinen Respekt und gestand im Grußwort offen ein: „So lebendig habe ich mir das hier nicht vorstellen können.“ Rentsch lieferte mit einer bedrückenden Zahl das beste Argument für Bildungs-Schauen wie diese: 50 Prozent aller Langzeitarbeitslosen haben keine Ausbildung. Insofern sei die Veranstaltung „ein Schutz vor Arbeitslosigkeit“. Der Minister sang überdies ein Loblied auf das duale Ausbildungssystem. „Darum beneiden uns andere.“

Um den Fachkräftemangel wirksam bekämpfen zu können, sei Aus- und Weiterbildung unerlässlich. Das Land Hessen stelle 2013 / 14 hierfür 63 Millionen Euro (darunter 23 Millionen aus dem Europäischen Sozialfonds) bereit. Dies verbessere allerdings nur die finanziellen Rahmenbedingungen für Bildung. Letztlich sei deshalb die Wirtschaft als der wichtigste Partner bei diesem Projekt gefordert. Die Messe sei Ausdruck dafür, „dass diese Partnerschaft funktioniert“.

Über möglichst viele Berufe informieren

Aylin Bilal (15): „Ich möchte in Richtung Bürokauffrau gehen und habe schon einen Ausbildungsplatz . Im Sommer ist die Schule fertig, dann mache ich eine dreijährige Ausbildung im Betrieb meines Vaters in Ober-Roden.“

Wie zuvor auch Bürgermeister Hoffmann ermunterte Rentsch die Besucher, sich offen über möglichst viele Berufe zu informieren: „Der erste Ausbildungswunsch muss nicht immer der beste sein.“ Das ließen sich die jungen Leute nicht zweimal sagen. Der Ansturm auf die Info-Stände zur Berufsausbildung, zu Bildungsübergängen, Studium und Weiterbildung war riesig. „Ich war schon nach 90 Minuten von den vielen Gesprächen leicht heiser“, beschrieb Michael Schmitt vom Autohaus Kunzmann die Lage an der Beratungsfront.

Der renommierte Mercedes-Partner bietet 13 Ausbildungsberufe an und hat auf der Bildungsmesse bereits Auszubildende gefunden. „Auch können wir uns hier sehr gut bekannt machen“, nannte Schmitt als kaufmännischer Ausbildungsleiter einen weiteren Vorteil. Den Info-Stand des Autohauses hatten übrigens die Kunzmann-Azubis selbst gestaltet. So hielt es auch die Brass-Gruppe (VW, Audi, ABT, Opel): „Ich bin stolz auf meine Jungs“, lobte der Jügesheimer Betriebsleiter Andreas Stettner den Nachwuchs für dessen Engagement außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit.

„Ein Qualitativ hochwertigste Bildungsmesse“

Karina Kaufmann (15): „Ich bin im Sommer fertig mit der Schule und habe noch keine Lehrstelle. Die Bildungsmesse ist deshalb eine echte Orientierungshilfe für mich. Besonders interessiert mich eine Stelle bei der hessischen Polizei.“

Profitiert hat von der regelmäßigen Präsenz in Nieder-Roden auch das Offenbacher Unternehmen GKN Driveline. „Das ist eine der qualitativ hochwertigsten Bildungsmessen, die wir kennen“, warb GKN-Ausbildungsleiter Thomas Kratz für das Konzept. „Alles ist super organisiert. Wir haben hier schon Auszubildende sowohl im gewerblichen als auch im kaufmännischen und technischen Bereich gewonnen. Die dualen Studenten nicht zu vergessen.“ Dies sei umso erfreulicher, da es in den zurückliegenden zehn Jahren leider immer weniger geeignete Bewerberinnen und Bewerber gebe. „Die Qualität lässt nach“, stellte Kratz bedauernd fest.

Gute Erfahrungen mit der Bildungsmesse macht Jahr für Jahr die Weiskircher Traditionsfirma Henkel Feinmechanik. Das Unternehmen gewinnt in Nieder-Roden nicht nur regelmäßig neue Lehrlinge. „Außerdem ist das hier eine sehr gute Präsentationsplattform für uns“, sagte Ausbildungsleiter Thomas Hofferberth.

Bilder von der Bildungsmesse in der HBS

Bildungsmesse in der Heinrich-Böll-Schule

Nicht nur in den Gebäuden, sondern auch auf dem Freigelände gab es viel zu sehen. Anziehungspunkte waren der Nano-Truck des Bundesforschungsministeriums und die Live-Aktionen des regionalen Künstlerverbunds „Utopia“ - unter anderem mit einer echten Schmiede. Wem die noch nicht genug einheizte, der konnte sich sportlich betätigen und zum Beispiel bei der städtischen offenen Jugendarbeit Bewegungsspiele absolvieren. Nicht geflunkert: Der Klassiker Sackhüpfen war dort ein Renner.

bp

Quelle: op-online.de

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