Museumsschau beleuchtet Handwerk

Blick in alte Bäckereien

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Helmut Trageser mit einer alten Backform vor einem vergrößerten Foto aus der Ausstellung.

Weiskirchen - Ein Gewerbe, das mit extremen Veränderungen und Lehrlingsmangel zu kämpfen hat, ist das Bäckerhandwerk. Maschinell gefertigte Teigrohlinge, die an Verkaufsstationen aufgebacken werden, haben dem traditionellen Betrieb den Rang abgelaufen. Von Simone Weil 

An frühere Zeiten, in denen der ganze Ort im Backhaus Brot und Kuchen buk, erinnert eine Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen. Backformen, Brotkörbe, Brotschieber, Waage und andere Utensilien machen neben vielen Fotos, alten Rechnungsbüchern und weiteren Dokumenten die Vergangenheit wieder lebendig. Mancher Besucher wird sich beispielsweise noch daran erinnern können, dass die Bäcker morgens mit einem Lastenfahrrad unterwegs waren, um ihre Brötchen auszuliefern. Auch solch ein Bäckerrad wird in der Schau gezeigt. Auf diese Weise stellt die Präsentation „Von Backhäusern und Bäckereien“ dar, wie früher in Weiskirchen produziert wurde. Waren die Backhäuser im Oberend und im Unterend alleinige Backstätten, so kamen im 19. und 20. Jahrhundert Bäckereien dazu, die nach und nach die Backhäuser überflüssig machten. Die Selbstversorger-Bauern erhielten für ihr geliefertes Mehl Brotmarken und mussten dem Bäcker nur noch den Backlohn bezahlen.

Am Sonntag, 1. Oktober, startet der Heimat- und Geschichtsverein Weiskirchen die neue Herbstausstellung, die bis zum nächsten Jahr immer am ersten Sonntag eines Monats zu sehen sein wird. Die aktuelle Schau wird um 11 Uhr eröffnet und kann bis 17 Uhr besucht werden. Am Nachmittag wird den Besuchern Kaffee und Kuchen gegen eine Spende angeboten. Eine besondere Attraktion ist ein Modell einer Backstube, das mit viel Liebe zum Detail vom Bastler ausgestattet wurde. Vom Kaminholz über Körbe, Mehlsack und den fertig gebackenen Brotlaiben, die auf Borden auskühlen, bis hin zu den fein ausdekorierten Kuchen, Torten und Törtchen fehlt nichts in dieser Miniaturwelt. Der Besucher scheint beim Betrachten des Guckkastens regelrecht zu spüren, dass die Herstellung mit Kraft und Energie verbunden ist, eben richtig Arbeit macht. Mit tiefgekühlten Teigrohlingen, die nur noch aufgebacken werden, hat diese Produktion nichts zu tun.

Dieses aufwendig gestaltete Backstubenmodell lockt die Betrachter an.

Die Grundidee für die Schau war eine Erbschaft aus Jügesheim, erklärt Helmut Trageser, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen. Während früher alle Vierteljahre neue Präsentationen Besucher ins alte Spritzenhaus lockten, falle es zunehmend schwerer, sich neue Themen einfallen zu lassen, gesteht Martin Häfner, der gerade beim Aufbau mithilft. „Wir fragen immer mal im Vorstand rum, aber wir haben ja auch schon viel gemacht“, erläutert er. Weil es anderen Vereinen ähnlich gehe, würden die Inhalte der Schauen in der Region auch hin und wieder aufgegriffen. Die beiden Ausstellungsmacher können sich übrigens selbst noch an die Zeit der alten Backhäuser erinnern, die laut Trageser bis weit ins 20. Jahrhundert genutzt wurden. „Für uns Kinder gab es immer ein kleines Brot“, weiß Martin Häfner, der damals auf der Treppe vor dem kleinen Gebäude saß und ungeduldig auf das duftende Ergebnis wartete.

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Mit Fotos und alten Rechnungsbücher wird an frühere Bäckerfamilien erinnert. Spritztüllen und hölzerne Teigschüsseln mit Wurmlöchern, Teigrolle und Mehlsiebe erzählen von einer Zeit, die die Kinder heute nicht mehr kennen. Deswegen würde sich der rührige Verein ganz besonders über den Besuch von Schulklassen freuen. „Das hat nämlich nachgelassen“, bedauert Helmut Tageser.

Quelle: op-online.de

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