Stadt optimiert Geschwindigkeitskontrollen

Starenkästen blitzen bald digital

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Am Filmscanner überträgt Ordnungspolizist Steffen Freckmann die einzelnen Bilder in den Computer, dann verpackt er die Filmrollen in Archivkartons. Diese Arbeitsschritte fallen künftig weg.

Rodgau - Alle Welt fotografiert digital, nur Temposünder werden noch auf guten alten Schwarzweißfilmen abgelichtet. Das soll sich ändern: Bevor der Kleinbildfilm endgültig im Museum verschwindet, rüstet die Stadt ihre Starenkästen technisch auf.

In Zukunft setzt die Ordnungsbehörde verstärkt auf mobile Kontrollen. Ordnungspolizisten sind bisher auch Fotolaboranten. In absoluter Dunkelheit befüllen sie die Filmmagazine der Messkameras. Auf einer Filmrolle haben 445 Bilder Platz. In einer Entwicklungsmaschine wird der belichtete Film entwickelt, fixiert, gewässert und getrocknet. Dann müssen die Ordnungspolizisten die Filmnegative einscannen, bevor sie am Computer das Autokennzeichen ablesen und das Gesicht des Fahrers herausholen können.

Was vor 20 Jahren noch Stand der Technik war, ist längst überholt. Die sinkende Nachfrage macht das Filmmaterial teurer. Und wer weiß, wie lange Schwarzweißfilme überhaupt noch erhältlich sind? Die Digitaltechnik ist schneller, billiger und verspricht eine bessere Aufnahmequalität. Die ersten drei stationären Messstellen will die Stadt im nächsten Vierteljahr umrüsten. Kosten: rund 20.000 Euro. Etwas länger dauert der Kauf eines Autos mit einer mobilen Messanlage.

Getreu der Devise „Vorbeugen statt Abkassieren“ setzt die Stadt in Zukunft verstärkt auf Tempokontrollen an wechselnden Stellen. Dazu ersetzt sie den alten, grauen Blitzcontainer durch ein Messfahrzeug, das mit zwei Kameras bestückt wird - eine vorne und eine hinten. Damit kann die Ordnungspolizei beide Fahrtrichtungen gleichzeitig erfassen. Auch Kontrollen in Kurven und an unübersichtlichen Stellen sind dann möglich. Bisher scheitern sie an technischen Beschränkungen. Auf Bürgerhinweise zu Rasern in Tempo-30-Zonen kann die Ordnungsbehörde künftig besser reagieren. Für das neue Messfahrzeug stehen 145.000 Euro bereit. Von einst sechs stationären Messstellen sind nur noch vier in Betrieb. Die beiden anderen haben nur noch die Funktion von Vogelscheuchen: Sie stehen zur Abschreckung am Straßenrand, ohne Temposündern wirklich etwas anhaben zu können.

Der Bußgeld-Katalog für Temposünder

Bilder

Zusätzliche Starenkästen will die Stadt nicht aufstellen. Dafür gebe es keinen Anlass, sagte Erster Stadtrat Michael Schüßler gestern vor der Presse. Auf den rund 165 Kilometern Straßen in Rodgau gebe es weder Unfallschwerpunkte noch neue Gefahrenstellen. Der Magistrat halte sich an den Erlass des hessischen Innenministers zur Verkehrsüberwachung. Demnach dürften ortsfeste Messanlagen nur dort errichtet werden, an denen eine langfristige Einflussnahme auf das Verkehrsverhalten erforderlich ist. Mobile Kontrollen an wechselnden Stellen sind laut Erlass sinnvoller.

Mit einer so genannten Laserpistole will die Stadt ihr Arsenal an Messgeräten ergänzen. Damit ist es möglich, einzelne Fahrzeuge gezielt anzuvisieren, um ihre Geschwindigkeit zu messen. Die Schnellfahrer werden bei dieser Messmethode gleich angehalten. Das erhöht den erzieherischen Effekt, erfordert aber auch einen höheren Personaleinsatz: Vier Beamte werden für eine solche Anhaltekontrolle benötigt. Das Lasergerät werde deshalb wohl nur in Ausnahmefällen eingesetzt, sagt Fachdienstleiterin Simone Lapointe. Temposünder zahlen derzeit jährlich 103.000 Euro in die Stadtkasse ein. Nach Abzug aller Kosten bleibt nicht viel übrig, wie Erster Stadtrat Schüßler sagt: „Wir sind zwar nicht im Verlustbereich, aber es dient auch nicht wirklich der Haushaltskonsolidierung.“

eh

Quelle: op-online.de

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