Blühende Schönheiten

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Seit Anfang der 80er Jahre züchtet Bernd Fischer Kamelien. In seiner Familie hat dies freilich eine viel längere Tradition. 90 Blüten von 45 Sorten hat er nach Pirna geschickt.

Rodgau ‐ Während Landwirte noch weit davon entfernt sind, die Felder mit Sommerfrucht einzusäen, hat Pflanzenexperte Bernd Fischer schon geerntet. Gestern ging er unter seinen erlesenen Kamelien in den Gewächshäusern bei Dudenhofen auf die Suche nach den Schönsten der Schönen. Von Bernhard Pelka

Die prächtigsten Blüten schnitt er ab, bettete sie behutsam in eine Transportkiste, versah sie mit Namenschildern und schickte die empfindliche Fracht auf die Reise nach Pirna. Dort bereichern Fischers floristische Schätze die Ausstellung der renommierten Mitteldeutschen Kameliengesellschaft im Landschloss Pirna-Zuschendorf bis 14. März.

Die Teilnahme an der Schau kann als Auszeichnung verstanden werden. Die Veranstalter schickten extra einen Kurierfahrer ins Pflanzen-Zentrum Blumenau, der Fischers Kamelienblüten abholte, um sie möglichst unbeschadet nach Pirna bei Dresden zu bringen.

Der Ort der Ausstellung ist kein Zufall. Sachsen gilt vielmehr als die Wiege der deutschen Kamelienzucht. Man schrieb das Jahr 1692, als in der sächsischen Residenz ein Hofgärtner des Kurfürsten in einem Buch mit einer Fülle botanischer Skizzen und Texte von seinen Entdeckungen in Südostasien berichtete. Darunter war auch die früheste europäische Beschreibung der Kamelie. Und eine der ersten nach Deutschland gelangten Pflanzen steht noch immer im Kamelienhaus im Schlosspark Pillnitz. Die imposante „Camellia japonica“ ist mehr als 200 Jahre alt und gut acht Meter hoch!

Bilder der Blütenpracht

Kamelien: blühende Schönheiten

Kamelienzucht hat bei Fischers Tradition. In die Blütezeit sächsischer Großgärtnereien fällt die Firmengründung von Johann Friedrich Wolf, dem Vorfahr der heutigen Gärtnereien Wolf und Fischer in Dudenhofen. 1867 eröffnete er in Leipzig-Dölitz seine Kunst- und Handelsgärtnerei und legte damit die Keimzelle der deutschen Eriken-Großkultur. Überdies spezialisierte sich der Fachmann später in Leipzig-Markkleeberg auf Azaleen und Kamelien. Wolfs Eriken waren am Zarenhof in St. Petersburg ebenso beliebt wie seine Kamelien bei Kunden in Jerusalem. Das Geschäft blühte über Jahrzehnte. 1953 aber verstaatlichte das damalige SED-Regime den Betrieb - und die Familie floh nach Westdeutschland. 1957 kaufte sie Land für eine neue Gärtnerei in Dudenhofen, 1959 war dort Baubeginn. 1961 teilte sich die Familie durch Heirat - die Gärtnerei Fischer, heute betrieben von Bernd und Ralf Fischer, war damit entstanden. Johann Friedrich Wolf hat nicht nur das Wissen über die erlesenen Kamelien seinen Nachkommen vererbt, sondern auch die Begeisterung für die Diva der Zierpflanzen. „Es ist ein besonderer Moment für mich, wenn ich die schönsten Blüten zu Ausstellungen schicke“, beschreibt Bernd Fischer seine Emotionen. Bei der Auswahl achtet er genau auf den Entwicklungsstand der Blüte. Damit seine Schönheiten erst bei der Pflanzenschau auf den Punkt genau ihre volle Pracht entfalten.

Quelle: op-online.de

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