Mächtiger Holzbalken wirft Fragen auf

Boden der Wasserburg erreicht

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Blick in die Vergangenheit: Vor 900 Jahren stand hier die Wasserburg der Herren von Haginhusen. Der ehrenamtliche Grabungshelfer Herbert Schwarz (Egelsbach) misst die Tiefe: 1,40 Meter unter dem Boden liegt der mächtige Querbalken (blauer Pfeil), der vielleicht einmal eine Eingangsschwelle war. Der gelbe Pfeil zeigt auf eine Bodenbefestigung durch dicht gepacktes Knüppelholz.

Hainhausen - Bei der Grabung nach der Wasserburg sind die Helfer auf Holz gestoßen. Etwa 1,40 Meter unter dem Erdboden haben sie Balken, Pfosten und Knüppelholz freigelegt. Die Grabung soll heute zu Ende gehen.

Der auffälligste Fund ist ein mächtiger Querbalken, „vielleicht eine Türschwelle“, wie Roland Schlitt vom Geschichts- und Kulturverein Hainhausen angesichts der Ausmaße vermutet. Diese Annahme stützt sich auch darauf, dass an einem Ende des Balkens noch Reste eines senkrechten Pfahls zu sehen sind - es könnte sich dabei um den Türrahmen handeln.

Dass die Grabung offenbar am Boden der ehemaligen Burg angelangt ist, zeigen weitere Hölzer auf derselben Ebene: Dicht an dicht liegendes Knüppelholz diente offenbar zur Bodenbefestigung.

In Fotos und Zeichnungen sind auch die unterschiedlichen Bodenschichten festgehalten. Sie werfen Fragen auf, die möglicherweise erst eine weitere Grabung beantworten kann. „Eigentlich fehlt uns die Fortsetzung in Richtung Mühlgraben“, sagt Roland Schlitt, „der Bereich ist in diesem Jahr einfach zu klein.“ Als Beispiel deutet er auf eine dünne, rötliche Schicht aus festgestampftem Lehm. Sie befindet sich im Inneren der Burg, liegt aber 65 Zentimeter höher als die mutmaßliche Türschwelle. Auch die Bedeutung des Querbalkens lasse sich besser klären, wenn die Grabung noch einen bis zwei Meter weit fortgesetzt werde.

Burg der Haginhusen

Der Geländeschnitt ist zwar kleiner als im vergangenen Jahr, reicht aber tiefer ins Erdreich. „Dieses Jahr ist es trockener und wir konnten tiefer graben“, bestätigt der Vorsitzende des Geschichts- und Kulturvereins: „Letztes Jahr sind wir schon bei 1,20 Meter im Matsch gestanden.“

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Wie alt die nun gefundenen Holzteile sind, hoffen die Mitarbeiter der Grabung in den nächsten Tagen zu erfahren. Anhand der Abfolge unterschiedlich breiter Jahresringe können Fachleute das Alter bestimmen. Diese Methode der Dendrochronologie hat eine Genauigkeit von plus/minus zwei Jahren. Bereits im vergangenen Jahr hatten die ehrenamtlichen Helfer einen 1,90 Meter langen Eichenholzpfahl aus dem Jahr 1158 geborgen.

Die Grabung nach der Wasserburg wird zwar vom Geschichts- und Kulturverein Hainhausen unterstützt, ist aber eine offizielle Aktion der staatlichen Bodendenkmalpflege. Ehrenamtliche Helfer arbeiten unter fachlicher Anleitung der Archäologin Dagmar Kroemer, die beim Kreis Offenbach angestellt ist. Der Kreis will die Ergebnisse der Grabung im September der Öffentlichkeit vorstellen.

Die Wasserburg wurde in Urkunden des 12. Jahrhunderts als „Burg Haginhusen“ erwähnt. Die Herren von Haginhusen übernahmen zwischen 1183 und 1190 die Burg Eppstein im Taunus, nannten sich fortan Eppsteiner und wurden in kurzer Zeit zu einer der mächtigsten Familien des Hochmittelalters.

eh

Quelle: op-online.de

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