Anlagen werden durch die Digitalisierung immer authentischer

US-Modellbahn-Convention: Bremsen sprühen Funken

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Begeisterte die Besucher besonders an: Eine verschneite Landschaft mit beleuchteten Christbäumen präsentierten die Eisenbahnfreunde aus Köln.

Nieder-Roden - Das Bürgerhaus Nieder-Roden ist fest in Männerhand. In Gruppen oder zu zweit, öfter mit dem Sohn als mit der Gattin, streifen die Besucher durch die Räume. Ihr Interesse gilt Eisenbahnen. Von Simone Weil 

Es sind vorwiegend Männer, die bei der US-Modellbahn-Convention im Bürgerhaus Nieder-Roden unterwegs sind, ausführliche Expertengespräche führen und die Anlagen fotografieren.

Alle zwei Jahre locken die Hobbyeisenbahner (HEB) 1983 mit ihrer US-Modellbahn-Convention internationale Gäste nach Rodgau. Viele Besucher sind Wiederholungstäter: Sie reisen aus Schweden und Dänemark, aus Holland, der Schweiz, Luxemburg oder Italien an. Oder aus Österreich: Regina Neurauter kommt seit zehn Jahren in Begleitung ihres Mannes und eines befreundeten Paars nach Nieder-Roden. Auf diese Stammgäste ist Horst Meier besonders stolz. Der Vorsitzende der Hobbyeisenbahner (HEB) 1983 schätzt die familiäre Atmosphäre, die trotz der Großveranstaltung mit etwa 3000 Besuchern nicht auf der Strecke bleibt. Dafür sorge auch das Küchenteam um Catering-Chefin Andrea Meier, das unbedingt gelobt werden müsse, sagt der Organisator.

Diesmal allerdings haben etwa zehn Prozent weniger Eisenbahnfreunde den Weg ins Bürgerhaus gefunden. Vielleicht sei das Wetter zu gut, überlegt Meier. Trotzdem habe die Besucherschlange am ersten Tag bis auf die Straße gereicht. „Es ist europaweit die einzige Schau dieser Art“, erzählt der HEB-Vorsitzende.. Keine einzige Anlage sei ein zweites Mal zu sehen, diesmal seien „22 Weltpremieren“ zu erleben. „Die Besucher sind im Alter von 50 plus, wer halt damit aufgewachsen ist“, erläutert Meier. Für Jugendliche sei das Ganze eher uncool, auch wenn sein etwa 25 Mitglieder zählender Verein keine Nachwuchsprobleme habe.

Der Eisenbahnfan wolle gestalten, bauen und interessiere sich für die Technik, erzählt klärt Meier. Dank der Digitalisierung könne fast jede Bahn pfeifen, tuten und Dampf ablassen. „Damit es ganz authentisch ist, sprühen beim Bremsen der Züge jetzt auch noch Funken“, sagt der Convention-Macher. Das Thema Amerika bringe einen Hauch Exotik mit seinen unterschiedlichen Landschaften und durch die diversen Bahngesellschaften auch größere Gestaltungsfreiheit mit sich.

US-Modellbahn-Convention in Rodgau: Fotos

Außer Anlagen in allen möglichen Spurgrößen und Dioramen zu bestaunen und zu fotografieren, können sich Besucher bei Händlern informieren und kaufen. Darüber hinaus vermitteln Experten in Workshops ihre Tipps und Tricks zum Modulbau und zur Landschaftsgestaltung. Die Profis benutzen beispielsweise Puderfarben, um Objekte gebraucht und älter wirken zu lassen. Auch wenn draußen die Sonne scheint, haben sich Eisenbahnfreunde aus Köln dafür entschieden, ihre Anlage als Schneelandschaft zu präsentieren – mit 3500 verschneiten Nadelbäumen. Allein die Beleuchtung wurde 90 Minuten lang eingestellt. Weitere Attraktionen sind eine Mini-Anlage in einem Gitarrenkoffer oder die Eisenbahnfreunde „Beans“ mit einer 32 Meter langen Amerika-Flagge, die ihre Anlage verkleidet, auf der ein Zug mit 130 Wagen und drei Loks unterwegs ist.

Von den extrem detailgetreuen und liebevoll gestalteten Modulen ist auch Familie Menestriere begeistert: Aus Königstein sind sie mit Söhnchen Luca gekommen, um sich die unzähligen Eisenbahnen anzuschauen. „Erst vor zwei Wochen sind wir aus den USA zurückgekehrt und dort sind wir auch mit einem Dampfzug gefahren“, erklärt Gaston Menestriere die Faszination, die auch vor dem Nachwuchs offensichtlich nicht Halt macht – während Mama Sabine fotografiert.

Quelle: op-online.de

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