Brot kann besser sein als Pastete

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Die heute beginnende Fastenzeit beschreibt im Christentum den Zeitraum der sieben Wochen vor Ostern. Sie erinnert an das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste zur Vorbereitung auf sein Wirken.

Rodgau ‐ Die heute beginnende Fastenzeit beschreibt im Christentum den Zeitraum der sieben Wochen vor Ostern. Sie erinnert an das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste zur Vorbereitung auf sein Wirken. Von Bernhard Pelka

Ihr Beginn, der Aschermittwoch, ist das Ende der Fastnacht. Fastenzeiten gibt es auch in anderen Religionen. Etwa den Fastenmonat Ramadan im Islam. In den Fastenzeiten schreiben oder schlagen die Glaubensgemeinschaften den Verzicht vor. Bei den Katholiken ist es Tradition. Wir sprachen darüber mit Dr. Peter Eckstein, Pfarrer in der Gemeinde St. Matthias in Nieder-Roden.

Wie macht man die Fastenzeit jemand schmackhaft, der der Kirche fern steht?

Vielleicht mit folgenden Fragen: Wann hast Du zum letzten Mal darauf geachtet, wie gut eine Blume duftet? … wie schön ein Vogel singt? … wie köstlich frisches Wasser schmeckt? Wann hast du je deinen Weg von einem zum anderen Termin unterbrochen, weil du einen warmen Sonnenstrahl auf deiner Haut gespürt hast? Gehe diesen Fragen nach, frage nach dem Warum - und du begegnest der Frage nach dem Fasten!

Brauchen wir einen festen Zeitraum fürs Fasten, weil wir generell zu wenig verzichten?

Erzählen Sie uns, welche Bedeutung die Fastenzeit für Sie hat. Ob und wie Sie fasten, worauf Sie verzichten und warum - oder eben nicht. Mitmachen ist leicht: Einfach das Kommentar-Feld unter dem Artikel benutzen, abschicken, fertig.

Es bringt weder dem einzelnen, noch anderen, noch dem lieben Gott etwas, wenn jemand jährlich ein sechswöchiges Ritual zwanghaft wiederholt, um dann erleichtert aufzuatmen, wenn alles vorbei ist. Alle reden heute von Nachhaltigkeit. Fastenvorsätze machen nur dann Sinn, wenn sie nachhaltig etwas bewirken. Gerade weil es an Nachhaltigkeit heute aber fehlt, ist eine jährliche wiederkehrende Fastenzeit sinnvoll. Sie führt uns zu uns selbst zurück und fordert uns auf, uns wieder einmal der verloren gegangenen Frage zu stellen, ob wir eigentlich noch leben oder nur noch funktionieren.

Was erschließt das Fasten denn dem, der Verzicht übt? Oder: was bringt‘s - außer Gewichtsverlust?

Dr. Peter Eckstein

Fasten bedeutet: Mehr (er)leben - und das ohne viel Aufwand. Die klassische Trias lautet: Gebet - Fasten - Almosen. Für unsere Zeit übersetzt, heißt das: Mehr Innerlichkeit, mehr Intensität, mehr Solidarität. Fasten intensiviert unsere seelische Erlebnisfähigkeit. Schon Epikur, der griechische Philosoph der Lebensfreude schlechthin, wusste bereits 300 Jahre vor Christus: Derjenige, der weniges intensiv in sich aufnehmen kann, lebt mehr, als derjenige, der massenhaft vieles in sich hineinschlingt. Man kann an einem Stück Brot mehr Genuss haben als an einer Pfauenpastete!

Es muss beim Fasten ja nicht immer automatisch die Reduzierung der Kalorienaufnahme sein. Wo wäre weniger denn Ihrer Meinung nach außerdem mehr?

Das muss letztlich jeder selbst entscheiden. Welches Thema ist bei mir jetzt an der Reihe? Wie wäre es zum Beispiel mit: weniger Termine (= mehr Ruhe), weniger Handy (= mehr persönliche Begegnung), weniger Fernsehen (= mehr Bewegung), weniger Aggression (= mehr Friede), weniger Chaos (= mehr Selbstdisziplin), weniger Reden (= mehr Zuhören), weniger Angst (= mehr Gottvertrauen), weniger Kleinkariertheit (= mehr Weitblick), weniger Ich (= mehr Du), weniger Plan (= mehr Spontaneität), weniger Konsum (= mehr Kreativität) und weniger Haben (= mehr Sein)?

Quelle: op-online.de

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