Reaktion auf Kritik

Bücherei stoppt Links zu Amazon

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Rodgau - Die Kritik am Versandhändler Amazon wirkt sich auch in Rodgau aus. Nach einem Hinweis unserer Zeitung hat die Stadtbücherei Rodgau den direkten Draht zu Amazon kurzfristig abgeschaltet.

Wer im Online-Katalog der Stadtbücherei nach Lektüre suchte, landete bisher oft bei dem Versandunternehmen – ohne es zu wollen. Neben den Suchergebnissen zeigte das Programm „Web-OPAC“ meist auch ein kleines Bild des Bucheinbandes an. Wer nicht die Titelzeile, sondern das Bildchen anklickte, landete zwangsläufig auf einer Seite von Amazon.

„Der einzige Vorteil, den wir daraus ziehen, ist dass wir elegant und ohne eigenen Aufwand zusätzliche Informationen über die Bücher bereitstellen können“, erklärte die städtische Pressesprecherin Sabine Fischer auf Anfrage unserer Zeitung. Kein anderer Anbieter biete diese Möglichkeit kostenlos an. Die Stadt verdiene daran nichts. Es sei auch nicht die Absicht der Stadt, der Firma Amazon Kunden zuzuführen.

„Einfach mal abwarten, was unsere Leser sagen“

Bürgermeister Jürgen Hoffmann war überrascht, als unsere Zeitung in der wöchentlichen Magistratspressekonferenz nach den Amazon-Links fragte. Er würde es eher begrüßen, wenn es einen Verweis zum örtlichen Buchhandel gebe, so Hoffmann.

Doch das ist technisch derzeit nicht möglich, wie die Nachforschungen im Rathaus ergaben. Die Bucheinbände selbst einzuscannen, scheitere am Urheberrecht. Auch die Informationen und Leseproben der so genannten „Onleihe“ ließen sich nicht mit dem Online-Katalog der Bücherei verbinden.

Viele Büchereikunden hätten die bisherige Lösung gut gefunden, sagte Sabine Fischer. Angesichts der jüngsten Kritik an Amazon habe die Stadt jedoch probeweise die Links (Verbindungen) abgeschaltet: „Wir werden uns die Chance geben, einfach mal abzuwarten, was unsere Leser sagen.“ Immerhin wolle die Stadtbücherei rund 24.000 Medientitel an den Mann oder an die Frau bringen.

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Die Amazon-Links sind kein Einzelfall. Bundesweit verlinken öffentliche Bibliotheken ihre Online-Kataloge mit dem US-amerikanischen Versandhändler. Dies hat Diskussionen in der Büchereiszene ausgelöst. Der Heidelberger Germanist Roland Reuß hatte die Debatte im Januar mit einem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ins Rollen gebracht. Er übte Kritik an der Verquickung staatlicher Bildungseinrichtungen mit einem auf Monopol ausgerichteten Großkonzern. Etliche Bibliotheken haben die umstrittenen Links seither aus ihren Katalogen entfernt.

„Coverbilder in Bibliothekskatalogen sind unverzichtbar“, meint der Deutsche Bibliotheksverband. Der Verband, der rund 2 000 Bibliotheken vertritt, berichtete am Dienstag von einer Alternative zu Amazon. Ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels gestatte künftig allen Bibliotheken die kostenlose Nutzung ihrer Datenbank mit Umschlagabbildungen für die Bibliothekskataloge. Allerdings müssen die Bibliotheken ähnlich wie bei Amazon auf ein Verkaufsangebot verlinken. Der Unterschied: Bei buchhandel.de sind auch zahlreiche kleine Buchhändler vertreten.

eh

Quelle: op-online.de

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