Bürgerhäuser nicht kostenlos

Nieder-Roden (eh) - Wer öffentliche Räume nutzt, soll künftig einen Teil der Betriebskosten tragen. Diese Absicht des Magistrats löste beim Kulturfrühstück des SPD-Ortsvereins Nieder-Roden eine angeregte Diskussion aus. Kritiker befürchten, dass das Kulturleben verarmt.

Eine 100-Prozent-Subventionierung könne sich die Stadt wegen des Millionendefizits nicht länger leisten, sagte Kulturdezernent Werner Kremeier (Grüne). Der Magistrat strebe eine „zumutbare Kostenbeteiligung“ an und sei mit den Interessengemeinschaften der Ortsvereine (IGEMO) im Gespräch. Mit einer Entscheidung sei Ende des Jahres zu rechnen.

Die geplante Kostenbeteiligung war das zentrale Thema der Diskussion, die Altbürgermeister Thomas Przibilla souverän moderierte. Heinz Carl und Winfried Seib vom Männerchor Dudenhofen, Udo Koser von der Sängervereinigung Sängerkranz Polyhymnia Nieder-Roden sowie Rudolf Ullrich vom Rodgauer Tanzsportclub machten deutlich, welche Probleme ihren Vereinen entstünden, wenn für Proben und Aufführungen in den Bürgerhäusern Benutzungsgebühren fällig würden.

Spielraum für höhere Mitgliedbeiträge

Einen Spielraum für höhere Mitgliedbeiträge gebe es nicht, betonte Udo Koser. Heinz Carl warnte vor einer kulturellen Wüste, wenn sich Vereine aus Geldmangel aus dem öffentlichen Kulturbetrieb zurückzögen. Rudolf Ullrich sagte, für seinen Verein stelle sich sogar die Existenzfrage.

Die Diskussion beschränkte sich nicht auf Chorkonzerte und Tanzturniere. Für die bildende Kunst forderte Karl-Heinz Kalbhenn Möglichkeiten für Dauerausstellungen. Theatermacher Walter Stolz monierte die mangelnde Vernetzung und ein fehlendes zentrales Marketing der städtischen und privaten Angebote. Fotokünstler Werner Klein wünschte sich ein professionelles Management und mehr Unterstützung der einzelnen Künstler. Zuhörer aus dem Publikum bezeichneten halb leere Säle bei Theateraufführungen als peinlich. Mandy Kronenberger (SPD) plädierte dafür, die Kultur trotz Finanzmisere weiter zu fördern.

Einigkeit bestand darin, dass Breite und Qualität des kulturellen Angebots keinen Vergleich scheuen müssten. Lediglich Infrastruktur und Kommunikation ließen zu wünschen übrig. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, wieder einen Kultursommer auszurichten. Stadtrat Kremeier unterstrich: „Inhaltlich kann das Kulturprogramm in Rodgau sogar mit größeren Städten mithalten.“ Auch die Zahl der verkauften Theaterabonnements sei höher als anderswo.

Verbesserungspotenzial bei den Veranstaltungsräumen

Verbesserungspotenzial räumte Kremeier bei den Veranstaltungsräumen ein: Ein universell nutzbares Bürgerhaus könne nicht dasselbe Ambiente wie ein reines Theater bieten. Im Vergleich zu Rodgau sei etwa die Stadt Dreieich mit ihrer Burg, insgesamt 23 Mitarbeitern und einem höheren Kulturetat im Vorteil. Eine Professionalisierung des Kulturmanagements in Rodgau stoße an finanzielle Grenzen. Dennoch gehe die Stadt neue Wege mit dem Badeseefestival und der Kleinkunstreihe im kleinen Saal des Bürgerhauses.

Kultur vermittele Stadtgefühl und Stadtidentität, betonte SPD-Ortsvorsitzender Andreas Lämmermann vor 130 Besuchern unter dem Glasdach des Bürgerhausfoyers. Für das Forum für Kunst und Kultur der SPD Hessen sagte Grete Steiner (Offenbach), öffentliche Kulturangebote seien als Klammer für jede Stadtgesellschaft unverzichtbar. Günter Lachmund vom Ortsverein erinnerte an den Gestaltungsauftrag der Rodgauer Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern, in der Kulturpolitik neue Akzente zu setzen.

Quelle: op-online.de

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