Gaststätte in Dudenhofen soll erhalten bleiben

+
Viele kamen zur Bürgerversammlung nach Dudenhofen, eine Diskussion entspann sich aber trotzdem nicht.

Dudenhofen (eh) - Ein Bürgerhaus braucht Gastronomie vor Ort. In diesem Punkt sind sich die Stadtverordneten über alle Parteigrenzen hinweg einig.

Redner der Fraktionen machten in der Bürgerversammlung vom Dienstag eines deutlich: Keiner will, dass die Gaststätte des Bürgerhauses Dudenhofen endgültig geschlossen bleibt. Die Ortsvereine wollen das Lokal nicht selbst betreiben. Also müssen Profis ran. Doch unter welchen Bedingungen der künftige Wirt arbeiten soll, steht nicht fest.

Von den 260 Stühlen im Saal waren die meisten besetzt. Die Zukunft der Gastronomie im Bürgerhaus Dudenhofen brachte viele Einwohner auf die Beine. Zu einer echten Diskussion kam es aber nicht. Lediglich Kommunalpolitiker und Vereinsvertreter meldeten sich zu Wort. Fast alle trugen vorbereitete Stellungnahmen vor. Die Interessen der örtlichen Vereine rückten so sehr in den Mittelpunkt, dass Gastronomieberater Rainer Plappert (Dietzenbach) irritiert fragte: „Reden wir hier von einem Bürgerhaus oder von einem Vereinshaus?“

Seit mehr als 25 Jahren im Geschäft

Plappert ist seit mehr als 25 Jahren im Geschäft. Er hatte im Auftrag des Magistrats ausgerechnet, wie sich Bürgerhaus-Gastronomie in Dudenhofen lohnen kann, ohne dass die Steuerzahler dabei draufzahlen. Weitere Vorgaben habe es nicht gegeben, sagte der Fachmann auf Anfrage des Stadtverordnetenvorstehers Jürgen Kaiser. Ortsbeiratsmitglied Karl-Heinz Kühnle (CDU) hatte Plappert unterstellt, er habe ein Gefälligkeitsgutachten abgeliefert.

Der Gutachter hat vier Betreibermodelle in sechs Varianten untersucht: ein Wirt vor Ort, ein Catering-Unternehmen, Vereine als Betreiber und die endgültige Schließung der Gaststätte. Die letzten beiden Modelle scheiden aus, wie am Dienstag deutlich wurde. „Die Kooperation schließt die Schließung der Gaststätte kategorisch aus“, betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Kunert auch im Namen der Grünen, der FDP und der Freien Wähler. Auch an einem Lokal in Vereinsregie besteht kein Interesse, wie Wolfgang Linke von der Interessengemeinschaft der Ortsvereine (IGEMO) erklärte.

Unterschiedliche Interessen an der Nutzung

Deutlich wurden am Dienstag unterschiedliche Interessen an der Nutzung des Saals. Aus Sicht des Gutachters muss ein Wirt jederzeit das Recht haben, den großen Saal oder andere Gesellschaftsräume für Hochzeiten und andere Veranstaltungen zu belegen. Die Vereine hingegen legen Wert darauf, dass sie „ihre Brötchen und Käsestangen auch künftig selbst vermarkten können“, wie Wolfgang Linke sagte. Sein Vorstandskollege Werner Seib befürchtete gar eine „Abwärtsspirale“ für Kulturveranstaltungen im Bürgerhaus, wenn den Vereinen die Bewirtungseinnahmen entzogen würden. Seib betonte für den Männer- und Frauenchor Dudenhofen, „dass wir uns immer an die von der Stadt vorgegebenen Nutzungsbedingungen gehalten haben“.

Lesen Sie zu diesem Thema auch:

Bürgerhaus: „Was soll da noch zeitgemäß sein?“

Entscheidung im Oktober

Sowohl die CDU als auch der Verein „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) sprachen sich für eine grundlegende Renovierung der Gaststätte aus, die Gutachter Plappert mit rund 350.000 Euro veranschlagt. Die Kosten könne man über den Pachtzins wieder hereinholen, äußerte sich CDU-Fraktionsvorsitzender Clemens Jäger optimistisch. Es sei die Aufgabe des Magistrats, einen geeigneten Pächter zu finden. Laut Otto Melzer (ZmB) soll hingegen die Stadt den Investitionsstau abbauen, da sie seit Jahrzehnten nichts für die Instandhaltung getan habe. Einzig Fred Neuhäusel (ZmB) wies auf das wirtschaftliche Risiko in der Gastronomie hin: „Der Bürgerhauspächter ist nicht wegen Reichtum fortgegangen, sondern weil er nichts verdient hat.“

Zukunft der Gastronomie

Am 8. Oktober soll die Stadtverordnetenversammlung über die Zukunft der Gastronomie im Bürgerhaus beraten. Vorher will sich die regierende Viererkooperation mit der IGEMO Dudenhofen beraten, wie Ralf Kunert (SPD) am Dienstag ankündigte. „Es wäre ein Fehler, sich auf eine Variante festzulegen, ohne zuvor mit den Vereinen gesprochen zu haben.“ Die Ortsvereine wollen diese Gelegenheit bald nutzen. IGEMO-Vorsitzender Wolfgang Linke: „Ich find‘s gut. Bewegung ist da. Wir sind auf einem guten Weg.“

Quelle: op-online.de

Kommentare