Renovierung der Gaststätte

Letzte Chance fürs Bürgerhauslokal

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Bürgerhaus Dudenhofen

Dudenhofen - Nach der Chorprobe ein Bierchen trinken und sonntags mit der Familie Essen gehen: Im Bürgerhaus Dudenhofen soll das in einigen Monaten wieder möglich sein.

Das Stadtparlament hat am Montag den Weg für eine Renovierung der Gaststätte frei gemacht, die bis zu 180.000 Euro kosten darf. Zuerst muss der Magistrat allerdings einen Wirt finden, der sich auf die Bedingungen einlässt. „Ein modernes Wirtshaus kleineren Zuschnitts“ nannte Ralf Kunert (SPD) als Ziel der regierenden Kooperation, der neben den Sozialdemokraten auch Grüne, FDP und Freie Wähler angehören. Mit einem Trick will das Bündnis die Baukosten drücken: Eine Trennwand soll das Restaurant auf 60 bis 80 Sitzplätze verkleinern. Diese Größe sei nach Ansicht von Brauereivertretern noch wirtschaftlich sinnvoll. Ein Gutachter hatte den notwendigen Renovierungsaufwand mit 250 000 Euro beziffert. Die Kooperation rechnet so: Weniger Fläche bedeute geringere Kosten. Der unrenovierte Raum hinter der Wand mit Bestuhlung soll dem Wirt für größere Gesellschaften weiterhin zur Verfügung stehen.

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Ein attraktives Bürgerhaus erfordere auch eine Gaststätte, betonte Clemens Jäger (CDU). Die Stadt dürfe dabei aber auf Dauer nicht draufzahlen. Ein Biergarten sei notwendig, um im Sommer zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Im Gegenzug sollten die Vereine bei der Belegung des Bürgerhauses den Vorrang haben. Bereits vor Monaten hatte sich die CDU-Fraktion auf eine Renovierung der Gaststätte festgelegt. Sie folgte allerdings der Empfehlung des Gutachters. Obwohl die Union am Montag ebenfalls auf einen Kostenrahmen von 180.000 Euro einschwenkte, überzeugte sie damit nur die Fraktion „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB). Für eine Mehrheit reichte das nicht. SPD und Grüne störten sich daran, dass die Union eventuelle Mehrkosten von der Zustimmung der Stadtverordneten abhängig machen wollte: „Die 180.000 sind das Ende der Fahnenstange“, betonte Kunert.

Von einem Kostenlimit wollte Otto Melzer (ZmB) hingegen nichts wissen: „Die Stadt ist verpflichtet, das Vermögen der Bürger zu erhalten.“ Durch Jahrzehnte langes Nichtstun sei ein Investitionsstau entstanden, den die Stadt nun mit Steuergeldern ausgleichen müsse. Vom äußeren Erscheinungsbild her wirke die Gaststätte „wie eine Trauerhalle“.

„Für mich ist die Gastronomie im Bürgerhaus Dudenhofen mausetot“, sagte Heiko Stenzel (Linke). Das Publikum sei längst abgewandert. Viele Vereinsveranstaltungen, von denen auch der Wirt profitiere, werde es wegen der Nutzungsgebühren nicht mehr geben. Jegliche Renovierung sei eine sinnlose Verschwendung von Steuergeldern.

„Betriebswirtschaftlich ist es Unsinn, was wir hier machen“, bestätigte Heino Reckließ (FDP). Ein kleines Kommunalparlament „am unteren Ende der Nahrungskette“ müsse aber den örtlichen Bedürfnissen gerecht werden: den Vereinen, den Steuerzahlern und dem Wirt. Je mehr ein Gaststättenpächter den Saal nutzen könne, desto weniger sei er auf die Bewirtung von Vereinsveranstaltungen angewiesen. Die Interessengemeinschaft der Ortsvereine habe das längst erkannt.

Mit dem Beschluss zur Renovierung der Gaststätte gehe die Vierer-Kooperation „bis an die Grenze des Verantwortbaren“, sagte Winno Sahm (Grüne). Niemand könne für den Erfolg garantieren. „Das ist die letzte Chance für die Gastronomie des Bürgerhauses Dudenhofen“, so Sahm. Jeder, der die Gaststätte erhalten wolle, müsse nun sein persönliches Konsumverhalten danach ausrichten.

Als geradezu kriminell bezeichnete Sahm die Tatsache, dass ein großer Teil der Energiekosten der Gaststätte bisher über den Stromzähler der Stadt gelaufen sei. Nach all den Jahren sei es aber müßig, nach Schuldigen zu suchen. Mit dieser verdeckten Subvention über das Kühlhaus im Keller sei es jetzt vorbei. „Die Nebenkosten sind vollständig vom Pächter zu tragen“, heißt es im Stadtverordnetenbeschluss vom Montag. Otto Melzer (ZmB) hält das für unzumutbar: „Mit diesen Hürden kann kein Wirt überleben.“ ZmB und Linke lehnten den Antrag der Kooperation ab, die CDU enthielt sich der Stimme.

Die zur Debatte stehenden Varianten unten im Überblick.

(eh)

Quelle: op-online.de

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