Bürgerinitiative gründet einen Verein

Viele Ideen für Nieder-Roden

Nieder-Roden - „Mein Nieder-Roden - Zeit zu handeln“ heißt der jüngste Verein Rodgaus. Er ist erst wenige Tage alt. 30 Personen schrieben sich letzten Donnerstag als Gründungsmitglieder ein. Sie wollen Nieder-Roden voranbringen und das Zusammenleben im Ort fördern. Von Ekkehard Wolf

Der Verein ist aus der Bürgerinitiative „Pro Nieder-Roden“ hervorgegangen, die sich für ein Baugebiet zwischen Heinrich-Böll-Schule und S-Bahn-Strecke (N 39) eingesetzt hat. Die Gründerin der Initiative, Stephanie Blum, ist nun Vorsitzende des Vereins. Obwohl ihre Überzeugungsarbeit erfolgreich war, will sie sich nicht allein auf das Baugebiet N 39 beschränken. Einige Interessenten sprangen daraufhin schnell wieder ab. Die Vereinsgründer eint ein Unbehagen und die Angst, dass ihr Stadtteil an den Rand gedrängt werden könnte. Sie wollen verhindern, dass Nieder-Roden sang- und klanglos in der Stadt Rodgau aufgeht und dabei seine Konturen und seine Identität verliert.

Vielleicht brechen jetzt alte Wunden der kommunalen Gebietsreform 1977 wieder auf. Damals wurde Nieder-Roden dem Kreis Offenbach und der Stadt Rodgau angegliedert. Manche ältere Menschen haben das bis an ihr Lebensende nicht verwunden. Es gehe nicht darum, die Zeit zurückzudrehen, meint Günter Blum, der neben seiner Ehefrau dem Vorstand des neuen Vereins angehört. Die Nieder-Röder seien auch nicht neidisch auf andere. Blum nennt es lieber „Interessenausgleich“, wenn er Gleichbehandlung einfordert.

Zur Bürgernähe gehören nach Ansicht des jungen Vereins auch zwei Dinge, die nach den Beschlüssen der städtischen Gremien längst abgehakt sind: Anlaufstelle und Ortsbeirat. Ein wohnortnaher Service der Stadtverwaltung könne älteren Menschen die Fahrt nach Jügesheim ersparen. Der Ortsbeirat könne die Politik um zusätzliche Ortskenntnis bereichern. Der Vereinszweck ist in der Satzung weit gefasst. „Mein Nieder-Roden“ will sich unter anderem um die Infrastruktur kümmern, das soziale und wirtschaftliche Leben fördern und mit Veranstaltungen den Zusammenhalt der Menschen stärken. „Jeder soll seine Fähigkeiten und seine Ideen einbringen“, sagt die Vorsitzende. Ein Mitglied kann Traktor fahren, ein anderes baut Internetseiten. Jeder ist gefragt.

„Aktion des Monats“ mit örtlichen Vereinen

Stephanie Blum sprudelt vor Ideen. Sie denkt an eine „Aktion des Monats“ mit örtlichen Vereinen, an Straßenfeste und an einen Aufruf, bewusst in Nieder-Roden einzukaufen: „Tragt‘s Geld net fort, lasst es im Ort.“ In diesem Punkt ist sich Stephanie Blum einig mit der städtischen Wirtschaftsförderung. „Es ist einfacher, wenn wir das machen“, sagt sie. Wer vor Ort lebe, kenne die Alltagssorgen besser. So hat sie einen Apotheker gebeten, mittwochs auch am Nachmittag zu öffnen: „Ich hätte nie gedacht, dass er so schnell zustimmt.“ Viel Positives schlägt der frisch gebackenen Vereinsvorsitzenden entgegen: „Wir sind jetzt ganz am Anfang. Wir freuen uns über die Resonanz.“ Dass sich etwas verändert, spürt sie im eigenen Alltag: „Für mich ist Nieder-Roden in den letzten Wochen ein ganz anderes Nieder-Roden geworden. Ich besuche Ecken, an denen ich noch nie gewesen bin. Und ich bin wieder in Kontakt mit meinen Klassenkameradinnen, die ich aus den Augen verloren hatte.“

Bei allem guten Willen stößt der Vorstand dennoch auch mal auf ein unerwartetes Problem. Ein Beispiel: Für den 10. August plant der Verein „Mein Nieder-Roden“ ein Sommerfest an der Breslauer Straße, bei dem er auch Mitbürger spanischer und türkischer Abstammung einbeziehen will. Der Termin fällt jedoch ausgerechnet auf einen hohen islamischen Feiertag, und zwar auf das Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan. Aber Stephanie Blum ist zuversichtlich, dass sich trotzdem ein schönes Fest auf die Beine stellen lässt. Auch in Sachen Baugebiet N 39 ist für den Verein noch nicht das letzte Wort gesprochen. Denn der bisher erzielte Erfolg hat einen Haken: Zwar ist die Umwidmung zu Grünland vorerst verhindert, aber das Bebauungsplanverfahren liegt auf Eis. „Was wir machen wollen, ist ein Entwicklungsplan für N 39 und die Fläche II“, kündigt Günter Blum an. Dann geht es nicht um 4,8 Hektar, sondern um das Dreifache.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare